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Neue Riesen-Schiffe für Hapag-Lloyd? Ja, aber...

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Wolfgang Horch
Hapag-Lloyd-Vorstandschef Rolf Habben Jansen bei einer Videokonferenz in seinem Büro am Ballindamm.

Hapag-Lloyd-Vorstandschef Rolf Habben Jansen bei einer Videokonferenz in seinem Büro am Ballindamm.

Foto: Roland Magunia

Vorstandschef Rolf Habben Jansen über die Flottenstrategie, Umrüstung auf LNG-Antrieb und den Ausblick auf das Corona-Restjahr.

Hamburg. Am Jahresanfang hatte Vorstandschef Rolf Habben Jansen Interesse signalisiert, neue Riesencontainerschiffe für die Hapag-Lloyd-Flotte zu kaufen. Dann kam Corona, sodass die Pläne auf Eis gelegt wurden. Doch seit einigen Tagen brodelt die Gerüchteküche in der Branche wieder. Angeblich seien die Hamburger mit Werften in Gesprächen über einen Auftrag. Doch in einer Videoschalte mit Journalisten wiegelte Habben Jansen nun ab.

„Irgendwann wird Hapag neue Schiffe bestellen“, sagte der 54 Jahre alte Niederländer, der die Traditionsreederei am Ballindamm seit sechs Jahren führt. Dies sei schon allein deshalb notwendig, weil die letzte Bestellung im Jahr 2015 lange zurückliegt. Man schaue sich die Situation stetig an. „Aber sie sollten nicht erwarten, dass eine Bestellung von uns unmittelbar vor der Tür steht“, sagte der Reederei-Chef.

Hapag-Lloyd: Kosten für Umrüstung auf LNG zu hoch

Auch die Umrüstung weiterer bestehender Schiffe von einem normalen Antrieb auf das Flüssigerdgas LNG sei derzeit nicht geplant. Durch die LNG-Nutzung könnten die Emissionen von Kohlendioxid laut Konzern um 20 bis 30 Prozent sowie von Schwefeldioxiden und Feinstaub um mehr als 90 Prozent sinken. Derzeit wird der 368,5 Meter lange, 51 Meter breite und 15.000 Container fassende Frachter „Sajir“ umgebaut. Im ersten Quartal des nächsten Jahres soll er in den Liniendienst einscheren.

Die Kosten für die Umrüstung seien aber mit 35 Millionen Dollar (29,8 Millionen Euro) sehr hoch. Das werde das Schiff nicht mehr einspielen. „Wir müssen Wege finden, die Kosten zu senken“, sagte Habben Jansen. Sie dürften bei maximal 25 Millionen Dollar liegen. Ansonsten werde es wirtschaftlich schwierig – und die „Sajir“ könne ein einmaliges Pilotprojekt bleiben.

Transportmengen und Frachtraten sind derzeit hoch

Der Ausblick für das restliche Jahr habe sich seit den Halbjahreszahlen Mitte August nicht wesentlich geändert. Transportmengen und Frachtraten seien derzeit hoch, die Kosten auf gleicher Höhe geblieben, die Ölpreise dürften wohl stabil bleiben, erwartet der Hapag-Chef. Natürlich habe die Pandemie Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft und auf den Transport von Gütern. Die Fragen seien nur, wann der Effekt eintrete und in welcher Höhe.

Hapag-Lloyd ist bisher erstaunlich gut durch die Corona-Krise gekommen. Im ersten Halbjahr legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht um zwei Prozent auf 6,36 Milliarden Euro zu. Das Konzernergebnis schoss sogar um 95 Prozent auf 285 Millionen Euro in die Höhe. Zwar sanken im zweiten Quartal die zu transportierenden Frachtmengen um elf Prozent. Aber man habe von plötzlich gefallenen Ölpreisen, rechtzeitig erfolgten Kapazitätsanpassungen und weiteren Kostensenkungsmaßnahmen profitiert. Zudem stiegen die Frachtraten um drei Prozent auf 1104 US-Dollar pro transportiertem Container.

Nächster Quartalsbericht kommt im November

Die Zahlen für das dritte Quartal und die ersten neun Monate gibt Hapag-Lloyd am 13. November bekannt. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Reederei ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro. Im ersten Halbjahr waren es bereits 511 Millionen Euro.

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