Finanzen

15.000 Euro/Monat: Ist Finanzminister Olaf Scholz „reich“?

Geld gut anlegen: So funktionieren ETF

Viele Sparer sprechen über ETF. Aber was unterscheidet der Handel mit ihnen von gewöhnlichen Aktien? Das Video versucht aufzuklären.

Beschreibung anzeigen

Hamburgs Ex-Bürgermeister hat eine Vermögensdebatte ausgelöst. Er bezeichnet sich als „Sehr-gut-Verdiener“, aber nicht als reich.

Berlin. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat eine neue Vermögensdebatte ausgelöst. Im ARD-Magazin „Bericht aus Berlin“ wollte er sich nicht als „reich“ bezeichnen – und mit einem Seitenhieb in Richtung Friedrich Merz (CDU) auch nicht als „obere Mittelschicht“. Merz, der für den Vorsitz der CDU kandidiert, hatte 2018 für eine Debatte gesorgt, als er sich in der „gehobenen Mittelschicht“ einordnete.

Nun wird also wieder über Vermögen und Einkommen diskutiert. Ist der Millionär Friedrich Merz „reich“? Ist es Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der über 15.000 Euro im Monat verdient und dessen Einkommen zusammen mit seiner Frau, der brandenburgischen Bildungsministerin Britta Ernst, bei mehr als 30.000 Euro pro Monat liegt?

Olaf Scholz: Ist der Finanzminister „reich“?

Das mittlere Einkommen in Deutschland beträgt 1870 Euro netto im Monat. Wer also eine höhere Summe überwiesen bekommt, kann sich bereits auf die Schulter klopfen: Er verdient überdurchschnittliche viel. Wer 3.440 Euro netto verdient, gehört bereits zu den oberen zehn Prozent.

„Von denen, die tatsächlich einkommensmäßig in den oberen Bereich gehören, unterschätzten alle ihre Einkommensposition“, fasst das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln das Ergebnis seiner Einkommensstudie von 2019 zusammen.

Der Bundesfinanzminister ist hier keine Ausnahme. Olaf Scholz mochte sich am Wochenende mit einem Monatseinkommen über 15.000 Euro in der ARD nicht „reich“ nennen lassen und verordnete sich in der Mittelklasse. Nun schob er hinterher, er sehe sich als „Sehrgut-Verdiener“. Nun mag es einem SPD-Finanzminister schwer fallen, sich „den Reichen“ zuzuordnen. Aber hinter Scholz‘ Wahrnehmung steckt mehr.

Laut Definition der Regierung wäre Scholz „sehr wohlhabend“

Ein Vierpersonenhaushalt, der 3000 Euro bezieht und mit seinen zwei Kindern eine Stadtwohnung mieten oder abbezahlen muss und auch eine Urlaubsreisen für selbstverständlich hält, wird sich damit nicht für reich halten. Laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gehört er aber bereits zur Einkommensoberklasse.

Scholz wäre der Definition der Regierung, der er angehört, also „sehr wohlhabend“. Doch gerade die Unklarheit der Statistik und der ständige Blick auf den noch reicheren Teil der Bevölkerung verzerrt das Bild.

Reichtum konzentriert sich vor allem auf die Kapitalbesitzer

Der Unterschied in der statistischen Einordnung und dem subjektiven Gefühl der Absicherung hat vor allem etwas damit zu tun, dass der wahre Reichtum sich vor allem in den Händen der Kapitalbesitzer konzentriert. Das Kapital ist für das Reichtumsgefühl ausschlagend, doch es wird von der Einkommensstatistik kaum erfasst.

Wenn jemand mit einer 50-Stunden-Woche 4000 im Monat Euro verdient, wird er sich weniger reich fühlen als jemand, der die gleiche Summe ohne Arbeit aus einem Portfolio mit einer Million Euro als Investmentgewinn bezieht. Und wer 3000 Euro verdient und in einer abbezahlten Wohnung lebt, hat ebenfalls mehr vom Leben als der Kollege, der davon noch 1200 Euro Miete zahlen muss.

Vermögen der Milliardäre ist gestiegen

Olaf Scholz gibt sich auch im Umgang mit Geldanlagen volksnah. Im Interview mit der „Bild“ hat er angegeben, sein Geld nicht in Wertpapiere zu investieren, sondern aufs Sparbuch zu legen. Kein Wunder, dass er sich nicht reich fühlt.

Denn fast alle wirtschaftlichen Trends der vergangenen drei Jahrzehnte haben dazu geführt, dass es den Kapitalbesitzern immer besser geht und sich die kleinen Einkommensempfänger immer mehr strecken müssen. Von 2010 bis heute hat sich der Reichtum der Superreichen verdreifacht.

Corona hat die Entwicklung noch einmal verschärft: Die Milliardäre sind seit Beginn der Pandemie noch reicher geworden. Das ist das Ergebnis der aktuellen Milliardärs-Studie der Schweizer Großbank UBS, die am Mittwoch herausgekommen ist. Demnach besitzen die 2189 Milliardäre weltweit rund 10,2 Billionen Dollar (umgerechnet rund 8,7 Billionen Euro) – das ist mehr als doppelt so viel wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung von Deutschland mit 3,5 Billionen Euro. In Deutschland leben bereits die drittmeisten Milliardäre nach den USA und China – auch ihr Vermögen ist durch Corona weiter gewachsen.

Mehr zum Thema Vermögen: