Beschäftigung

Hamburger Arbeitsagentur schafft selbst 126 neue Stellen

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Wolfgang Horch
Sönke Fock ist seit Mai 2011 Chef der Agentur für Arbeit in Hamburg.

Sönke Fock ist seit Mai 2011 Chef der Agentur für Arbeit in Hamburg.

Foto: Michael Rauhe / HA

Behörde muss wegen Corona Antragsflut bei Kurzarbeit bewältigen. Im September sind 85.591 Hamburger ohne Job, weniger als im August.

Hamburg. In der Corona-Pandemie wird die Agentur für Arbeit selbst zu einer kleinen Jobmaschine. Mit mehr als 100 neuen Mitarbeitern werde man sich verstärken, um die Sachbearbeitung zu unterstützen, sagte Hamburgs Agentur-Chef Sönke Fock am Mittwoch bei der Vorstellung des Arbeitsmarktberichts September. 100 neue Beschäftigte seien schon da, 26 sollen noch folgen. Auf eine Daueranstellung können sie aber zunächst nicht hoffen. Die Verträge seien befristet. „Weil wir davon ausgehen, dass die Folgen der Pandemie nicht dauerhaft, sondern auf Zeit sind“, sagte Fock.

Für den Hamburger Arbeitsmarkt zog der Agentur-Chef eine gemischte Bilanz. Zwar gab es einige „erfreuliche Entwicklungen“, aber „über den Berg“ sei man noch nicht, so Fock. 85.591 Hamburger waren im September arbeitslos gemeldet. Das war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Corona-getriebenes sattes Plus von 32,5 Prozent.

6425 Menschen verloren in Hamburg ihren Job

Die Quote lag bei 8,0 Prozent und damit 1,9 Punkte höher. Im Vergleich zum August sank die Zahl der Beschäftigungslosen aber um 4216 Personen oder 4,7 Prozent. „Am Rückgang der Arbeitslosigkeit sind alle Gruppen beteiligt“, sagte Fock. Mit einer Ausnahme: Bei den Langzeitarbeitslosen gab es ein Plus von 3,6 Prozent.

In die richtige Richtung gingen die Verläufe bei den Entlassungen und Einstellungen. 6425 Menschen verloren in der Hansestadt ihren Job. Das waren nur 25 mehr als im September 2019. Und von dem Jahreshöchstwert von 10.500 im April ist man deutlich entfernt. Zudem fanden mit 6971 Menschen im abgelaufenen Monat 14,5 Prozent mehr eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als im Vorjahresmonat. Fock machte dafür einen „Corona-Nachholeffekt“ verantwortlich. Zuvor unterlassene Einstellungen würden vorgenommen. Weiterhin gebe es eine saisonal bedingte höhere Nachfrage nach Arbeitskräften.

Den größten Zuwachs an Beschäftigung schaffte mit 2000 Stellen die öffentliche Verwaltung – zu der auch die Arbeitsagentur zählt. Bei der Behörde müssen nun vor allem die Anträge auf Kurzarbeitergeld zügig geprüft werden. Im zweiten Quartal 2019 seien dafür 380.000 Euro ausgegeben worden, ein Jahr später sei es das Tausendfache gewesen, so Fock. Die Zahl der Sachbearbeiter sei von 20 um das 28-fache gestiegen.

Seit Corona: 25.000 Betriebe meldeten Kurzarbeit an

Seit Beginn der Pandemie im März meldeten knapp 25.000 Betriebe Kurzarbeit für rund 376.000 Mitarbeiter an. In Anspruch genommen wurde das Instrument allerdings deutlich weniger. Im Juni waren es 13.218 Unternehmen (17,8 Prozent weniger als im Mai) mit 171.432 Beschäftigten (10,5 Prozent weniger). Andererseits arbeitete damit immer noch etwa jeder sechste Beschäftigte in der Hansestadt kurz. Hinweisen auf Betrug durch Unternehmen würden nachgegangen. Ein Massenphänomen sei dies aber nicht, es gebe nur Einzelfälle. Neuere Monatszahlen gibt es nicht.

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Berufsberaterin Petra Cämmerer machte jungen Leuten Mut, sich auch jetzt noch für eine Lehre zu bewerben. Auch wenn das Ausbildungsjahr seit August oder September schon laufe, „geht wirklich noch was“, sagte Cämmerer: „Es dürfte bis Ende November kein Problem sein.“ Hunderte Stellen seien noch frei. Allein die Handwerkskammer meldete am Mittwoch rund 270 freie Lehrstellen. Gegebenenfalls könne man die verlorenen Monaten hinten dran hängen. Infos für Jugendliche gibt es montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr unter 040-24851188.

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