Hamburg

Auszubildende von Airbus demonstrieren für ihre Zukunft

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Wolfgang Horch
Der Airbus-Auszubildende Lukas Langfeldt, 19, steht vor Demonstranten in der City Nord.

Der Airbus-Auszubildende Lukas Langfeldt, 19, steht vor Demonstranten in der City Nord.

Foto: Wolfgang Horch

Rund 100 junge Menschen protestieren in der City Nord gegen Jobabbau und für eine Übernahmegarantie nach der Lehre.

Hamburg. Schon als Knirps stand für Lukas Langfeldt sein künftiger Arbeitgeber fest. Nach einem Besuch bei seinem Patenonkel, der in Toulouse für Airbus arbeitete, wollte auch der damals Sechs- oder Siebenjährige zum Flugzeugbauer. Der Stader schaffte es. Mittlerweile ist er im dritten Lehrjahr als Fluggerätelektroniker und arbeitet im Werk auf Finkenwerder in der A320-Fertigung. Im Februar 2021 wird seine Lehre enden. „Ich weiß nicht, was dann passieren wird“, sagt der 19-Jährige: „Das bereitet mir Angst – aber auch meinen Kollegen.“

Im laufenden Tarifvertrag ist die Übernahme von Auszubildenden festgeschrieben. Doch dieses Abkommen endet am 31. Dezember 2020. Airbus ist wegen des Coronavirus in eine tiefe Krise geraten und will mit einem massiven Jobabbau dagegensteuern. 2260 Stellen sollen allein in Hamburg wegfallen. Auch bei den jungen Leuten setzt der Konzern an. Wurde in diesem Jahr noch eine Rekordzahl von 323 Lehrlingen und dual Studierenden an den vier norddeutschen Standorten eingestellt, sollen es nächstes Jahr laut IG Metall nur noch 150 sein. Und Übernahmen von Ausgelernten sind nicht mehr ausgemachte Sache.

Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen ist ein Ziel

Daher hat sich Langfeldt als einer von mehr als 100 Airbus-Auszubildenden aus Hamburg, Stade, Bremen und Co. am Donnerstagmorgen auf den Weg in die City Nord gemacht. Dort begannen wenig später im Hotel Leonardo die Tarifverhandlungen zwischen IG Metall und Airbus-Managern. Die Arbeitnehmervertreter möchten vor allem einen weiteren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen erreichen, der bis Ende des Jahres vereinbart ist.

Dieses Ziel sei als „Dogma“ gesetzt, sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jan-Marcus Hinz. Aber auch um den Nachwuchs sorge man sich – deshalb mobilisierte man an diesem Tag die Jungen in der Belegschaft. „Die Kollegen, die als Nächste anfangen, sind 2024 fertig. Da sollte die Luftfahrt das Gröbste überstanden haben“, sagt Hinz. Wenn die Nachfrage dann wieder anziehe, würde der Nachwuchs fehlen.

Airbus sei generell ein guter Arbeitgeber

Auf einem als Rednerbühne genutzten Pkw-Anhänger rief IG-Metall-Jugendsekretär Bjarne Wiedemann als Versammlungsleiter unterdessen „Übernahme“ ins Mikrofon – „unbefristet“ schallte es ihm aus der Menge zurück. Ausbildungsquote und Übernahme von Ausgelernten stehe ganz oben auf der Agenda. Das lasse man sich nicht mehr wegnehmen, sagt Wiedemann: „Die Zukunft junger Menschen ist kein Sparpotenzial.“

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Trotz der derzeitigen Lage sei Airbus generell ein guter Arbeitgeber, findet Langfeldt, der in der Jugendausbildungsvertretung des Konzerns sitzt. Neben der Lehre holte er abends das Fachabitur nach. Seine Lebensplanung sieht vor, über die Firma ein Studium anzufangen. Wirtschaftsingenieurwesen wäre eine Option. Ob das möglich ist, ist offen. Daher setzt er zunächst andere Prioritäten: „Wir kämpfen darum, dass keine Leute gehen müssen.“ Damit die jungen Leute nicht überhört werden, zogen sie vor den Verhandlungssaal im Erdgeschoss und machten Lärm. Am Nachmittag wurden die Gespräche ergebnislos vertagt.

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