Warentransport

Hamburg soll einen Elbtunnel für Pakete bekommen

So soll der Transport per Röhre funktionieren.

So soll der Transport per Röhre funktionieren.

Foto: Smart City Loop

Unterirdische Transporte zwischen Wilhelmsburg und Altona würden jährlich 540.000 Lkw-Fahrten ersetzen. Nun werden Investoren gesucht.

Hamburg. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Machbarkeitsstudie für einen Warentransporttunnel zwischen Wilhelmsburg und der Innenstadt rückt die Realisierung näher. Im Oktober soll mit der Investorensuche begonnen werden, teilte der Gewerbeimmobilienentwickler Four Parx aus dem hessischen Dreieich mit. Das unterirdische Paletten-Transportsystem, konzipiert von der Kölner Firma Smart City Loop, könne jährlich 540.000 Lkw-Fahrten ersetzen und damit CO2-Emissionen von mehr als 10.000 Tonnen pro Jahr vermeiden.

Nun will man potenzielle Geldgeber für den Bau der Röhre gewinnen sowie geeignete Flächen für die Errichtung von Verteilzentren in Hamburg-Mitte beziehungsweise Altona suchen. Die Wirtschaftsbehörde begrüßt nach eigenen Angaben die Idee, Hamburg Invest ist in die Suche nach den benötigten Grundstücken eingebunden.

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Pakettunnel: Gesamtkosten sollen bei 190 Millionen liegen

Aktuell errichtet Four Parx in Wilhelmsburg eine zweistöckige Logistikimmobilie („Mach2“) mit rund 102.000 Quadratmetern Nutzfläche. Weil Hamburg zu den am stärksten verkehrsbelasteten Städte in Deutschland gehöre, habe man sich entschieden, das Tunnel-Konzept zu prüfen. Im Mai 2019 hatte Four-Parx-Geschäftsführer Francisco J. Bähr die Gesamtkosten gegenüber dem Abendblatt auf 120 bis 150 Millionen Euro veranschlagt, nun ist von rund 190 Millionen Euro die Rede. Trotz der hohen Kosten soll sich das Röhrensystem rechnen. Bei Smart City Loop geht man davon aus, dass der Transport einer Palette durch die etwa fünf Kilometer lange Röhre etwa so teuer ist wie auf einem Lkw. Es werde voraussichtlich rund vier Jahre dauern, die Pläne in die Realität umzusetzen.

Auf der so genannten „letzten Meile“ vom sechsgeschossigen Verteilgebäude mit rund 12.000 Quadratmetern Nutzfläche nördlich der Elbe zu den Kunden sollen Transportmittel ohne Verbrennungsmotoren (e-Bikes, Fahrradkuriere, Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge) eingesetzt werden.

US-Unternehmen will Container in einer Röhre transportieren

Nicht nur Four Parx will in Hamburg einen Warentransporttunnel errichten. So möchte das US-Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies auf der Basis eines ursprünglich von Tesla-Gründer Elon Musk vorgeschlagenen Konzepts gemeinsam mit dem Hafenkonzern HHLA einen Containertransport in Schallgeschwindigkeit realisieren. Geplant sind zunächst die Entwicklung einer Transportkapsel für Standardcontainer, eine 100 Meter lange Röhren-Teststrecke sowie der Aufbau einer Übergabestation voraussichtlich auf dem Containerterminal Altenwerder.

Allerdings beschloss die HHLA im Mai, im Rahmen des aktuellen Sparprogramms ihre Ausgaben für das Hyperloop-Projekt zurückzustutzen. Nun soll anstatt der Übergabestation erst einmal nur ein Modell als Demonstrator errichtet werden.