Hamburg

Gut leben im Alter – wie viel Geld soll man sparen?

Hamburger müssen für Rente am meisten sparen: Für die zusätzliche Altersvorsorge sind 5,8 Prozent des Bruttoeinkommens notwendig, um im Ruhestand davon leben zu können.

Hamburger müssen für Rente am meisten sparen: Für die zusätzliche Altersvorsorge sind 5,8 Prozent des Bruttoeinkommens notwendig, um im Ruhestand davon leben zu können.

Foto: HA/Marcelo Hernandez

Hamburger müssen bundesweit am meisten zurücklegen. In der teuren Hansestadt reicht die Rente oft nicht aus.

Hamburg.  Immer mehr Hamburger sorgen sich um ihre finanzielle Lage im Ruhestand. Zu Recht, wie jetzt eine neue Studie zu den regionalen Kosten der Altersvorsorge zeigt. Denn ohne private Vorsorge ist der Lebensstandard nirgends zu halten. Das gilt insbesondere für Hamburg und die umliegenden Landkreise. So müssen Hamburger 5,8 Prozent ihres Bruttoeinkommens beiseitelegen, um im Alter ausreichend abgesichert zu sein. Das ist prozentual der höchste Wert im Vergleich von rund 400 Kreisen und kreisfreien Städten.

In einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos wurde erstmals untersucht, wie hoch die gesetzlichen Renten in den unterschiedlichen Regionen aufgrund der Wirtschafts- und Lohnentwicklung ausfallen und welche Lücke verbleibt, um auch im Ruhestand einigermaßen auszukommen. In Hamburg werden dafür mit monatlich 2310 Euro 19 Prozent mehr benötigt als etwa im Landkreis Herzogtum Lauenburg, wo 1940 Euro ausreichen (siehe Grafik).

„Das liegt vor allem am Einfluss der Lebenshaltungskosten, die in den wirtschaftsstarken Regionen wie Hamburg am höchsten sind“, sagt Studienautor Heiko Burret von Prognos. „Dieser Mehraufwand geht insbesondere in den Metropolen mit überdurchschnittlich hohen Wohnkosten einher.“

Auch im Hamburger Umland muss gespart werden

So sind in Hamburg die Mieten seit 2011 um 21 Prozent gestiegen, und nur 24 Prozent der Hamburger verfügen über Wohneigentum. Teuer wird der Ruhestand neben der Hansestadt auch im Landkreis Stormarn mit benötigten Alterseinkünften von 2250 Euro, gefolgt vom Landkreis Harburg mit 2160 Euro. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Werte in der Grafik von Prognos grundsätzlich in heutige Preise umgerechnet.

Um das notwendige Einkommen im Ruhestand festzulegen, haben die Experten angenommen, dass man für die Lebenshaltung mindestens 55 Prozent des letzten regionalen Einkommens zum angenommenen Rentenbeginn im Jahr 2047 benötigt. Der Wert ist nicht willkürlich gewählt. „Er entspricht ungefähr dem Leistungsniveau der gesetzlichen Rente, wie es zur Riester-Reform 2001 galt. Seitdem ist es schrittweise gesunken und wird noch weiter fallen“, sagt Burret.

Umso größer werden die Lücken, die durch eigene private Vorsorge gedeckt werden müssen. Der Hamburger kann mit 1840 Euro aus der gesetzlichen Rentenversicherung rechnen. Aber zum benötigten Ruhestandseinkommen verbleibt eine monatliche Lücke in Höhe von 470 Euro. Am niedrigsten ist sie mit 340 Euro in den Kreisen Segeberg und Steinburg.

Rente in Hamburg reicht nicht zum Leben

Viele Leser werden sich mit Blick auf ihre jährliche Rentenauskunft an der Höhe der prognostizierten Rente reiben. „Mit Daten der Rentenversicherung Nord haben wir gerade die aktuellen Renten in Hamburg ermittelt“, sagt Katja Karger, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hamburg. Danach bekommt ein Rentner im Schnitt monatlich 1193 Euro und eine Rentnerin 782 Euro.

„Schon jetzt reicht die Rente in Hamburg nicht zum Leben“, sagt Karger. „Denn die prekären Beschäftigungsverhältnisse der vergangenen Jahrzehnte bescheren uns die heutige Altersarmut. Minijobs, Teilzeit, Befristung, Leiharbeit – häufig genug gerade mal mit Mindestlohn bezahlt – reichen nicht für einen auskömmlichen Lebensabend. Hier sind die Arbeitgeber aufgefordert, ihren Teil zur sozialen Sicherung der Gesellschaft beizutragen. Und der Staat muss einen existenzsichernden Mindestlohn von mindestens zwölf Euro durchsetzen.“

Die prognostizierten Rentenzahlungen beruhen auf dem Beispielfall des sogenannten Eckrentners. Er (Jahrgang 1980) fängt mit 20 Jahren an zu arbeiten, verdient bis zum Renteneintritt jedes Jahr das bundesdurchschnittliche Gehalt und erwirbt dafür jeweils einen Entgeltpunkt in der gesetzlichen Rentenversicherung.

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Die Altersrente für den Jahrgang 1980, der regulär mit 67 Jahren in Rente geht, besteht somit aus genau 47 Entgeltpunkten. Dies entspricht auf Bundesebene einer monatlichen Rente von 1500 Euro. Da aber in Hamburg und im Umland mehr verdient wird als im Bundesdurchschnitt, wurden die Werte der voraussichtlichen Lohn- und Rentenentwicklung in den einzelnen Regionen angepasst. Der Hamburger Beispiel-Rentner hat also am Ende mehr als 47 Entgeltpunkte angesammelt.

Hamburger benötigen private Vorsorge im Alter

An einer privaten Vorsorge führt dennoch kein Weg vorbei. Um die Lücke zum benötigten Alterseinkommen zu schließen, müssen die Hamburger monatlich 5,8 Prozent ihres Einkommens sparen. In dem Beispielfall beginnt der Sparvorgang bereits mit 26 Jahren und reicht bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren.

Die angesparte Summe reicht dann, um auf Basis der heutigen Lebenserwartung von rund 23 Jahren nach Renteneintritt, die gesetzliche Rente monatlich mit 470 Euro in Hamburg aufzustocken. Danach ist das Kapital, das auch in der Rentenphase eine Verzinsung erfährt, aufgebraucht.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV), der die Studie in Auftrag gegeben hat, spricht sich deshalb für eine Rentenversicherung als Sparprodukt aus, die bis zum Lebensende gezahlt wird. Der Branchenverband hat auch die Renditeannahmen für die private Vorsorge zugeliefert.

Danach erzielt der Eckrentner über die gesamte Spar- und Ruhestandsphase (2006 bis 2069) mit seiner privaten Altersvorsorge eine jährliche Verzinsung von durchschnittlich 2,1 Prozent nach Kosten. Für die Prognose wurde angenommen, dass die Sparraten zu 85 Prozent am Rentenmarkt und zu 15 Prozent in Aktien investiert werden.

Vorsorge: Experte empfiehlt einen Fondssparplan

Bei der Sparbelastungsquote ist nicht berücksichtigt, ob vielleicht schon eine Altersvorsorge etwa mit einer betrieblichen Altersvorsorge betrieben wird. Dann würde sich der Aufwand verringern. Bei einem staatlich geförderten Riestervertrag müssen inklusive der staatlichen Zulagen vier Prozent des Bruttoeinkommens angespart werden.

„Mit dem Sparen möglichst früh anfangen, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren und die Sparbeiträge dem steigenden Einkommen anpassen“, rät daher Peter Schwark vom GDV. Um die hohen Kosten von Versicherungsprodukten zu umgehen, kann man zunächst auch mit einen Fondssparplan starten. Eine lebenslange Rente kann man sich Alter immer noch einkaufen.