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Viel kalte Luft – so tricksen Hersteller von Eiscreme

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Hanna-Lotte Mikuteit
Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg hat sechs Sorten Vanilleeis getestet.

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg hat sechs Sorten Vanilleeis getestet.

Foto: Michael Rauhe

Hamburger Verbraucherschützer testet Fertigprodukte, kritisiert neue Kennzeichnungsverordnung und gibt Tipps zum Einkauf.

Hamburg.  Fast acht Liter Eiscreme isst jeder Deutsche im Jahr. Besonders an heißen Sommertagen ist die süße Abkühlung sehr beliebt. Den Löwenanteil mit mehr als 80 Prozent macht dabei industriell hergestelltes Speiseeis aus, das man im Tiefkühlregal im Supermarkt findet. Was die meisten nicht wissen: In den Eispackungen ist vielfach auch jede Menge Luft. „Kleine Luftbläschen machen das Eis cremig, weil sich dann keine Eiskristalle bilden können. Gleichzeitig spart das Kosten bei der Herstellung“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. In einer aktuellen Stichprobe mit sechs Sorten Vanilleeis hat der Lebensmittelexperte – im Wortsinn – die Luft aus dem Eis gelassen.

Eis von Mövenpick, Unilever, Landliebe, Edeka und Häagen-Dazs getestet

Das Ergebnis des Experiments, bei dem der Verbraucherschützer dokumentiert hat, wie sich die Fertigeisprodukte verändern, wenn man sie dahinschmelzen lässt, ist ernüchternd. Bei der Sorte Cremissimo Bourbon Vanille laktosefrei (Unilever) etwa war zwar das Volumen (850 Milliliter) nach 24 Stunden bei Zimmertemperatur kaum geschrumpft, aber die Eismasse bringt danach nur 412 Gramm auf die Waage. Es war also mehr Luft als eigentliche Eiszutaten in der Packung, so Valet. Auch die Eisproben von Mövenpick, Landliebe, Edeka Bio sowie die herkömmliche Cremissimo-Variante hatten einen sehr hohen Luftanteil im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Mit 25 Prozent schnitt eine Sorte des Herstellers Häagen-Dazs am besten ab.

Neue Verordnung macht es Herstellern leicht

„Die Schaumschläger unter den Eisherstellern profitieren von der aktuellen Rechtslage“, sagt Valet. Ursprünglich sei bei einer Novelle der Fertigpackungsverordnung vorgesehen gewesen, die Kennzeichnung von Speiseeis mit Gewichtsmaßeinheiten verbraucherfreundlicher zu gestalten. Doch die geltende Ausnahmeregel, nach der Speiseeis trotz fester Form weiterhin in Millilitern angegeben werden darf, habe es nach Intervention der Industrie erneut in den Entwurf geschafft. Allerdings: Inzwischen geben einige Eishersteller freiwillig außer dem Volumen auch das Gewicht der Produkte auf der Verpackung an. „Die Frage ist, ob und wie Verbraucher das zur Kenntnis nehmen“, sagt Valet.

Je mehr Luft, desto mehr künstliche Zusatzstoffe im Eis

Ein weiterer Knackpunkt: Mit dem Volumen als Bezugsgröße für den Grundpreis werde dieser verzerrt. Als Beispiel nennt Valet das Vanilleeis der Firma Landliebe, das mit einem Verkaufspreis von 2,91 Euro für 750 Milliliter besonders günstig erscheint. Umgerechnet auf einen Liter kostet das Eis 3,91 Euro. Legt man allerdings das Gewicht – ohne Luft – zugrunde, liegt der Preis für ein Kilogramm bei 8,18 Euro und ist damit teurer als etwa das Mövenpick-Eis. Für Valet ist das ein Unding. +

Zumal die Eissorten, die besonders viel Luft beinhalten, auch mehr Zutaten und vor allem Zusatzstoffe beinhalten. Bei der laktosefreien Variante des Cremissimo Vanilleeis hat der Verbraucherschützer 14 Zutaten gezählt, darunter Stabilisatoren und Emulgatoren. Beim Häagen-Dazs-Eis sind es nur fünf Zutaten und keine künstlichen Zusätze. Das Eis ist aber auch härter, wenn es aus dem Kühlfach kommt. Die Hersteller argumentieren, dass sie mit der Luftzugabe dem Wunsch der Kunden nach cremigem Eis folgen. Eine Anfrage bei Unilever am Freitag blieb unbeantwortet.

„Wer gutes Eis möchte, sollte sich die Zutatenliste anschauen und – wenn möglich – die Angaben zu Volumen und Gewicht vergleichen“, rät Verbraucherschützer Valet. „Je größer der Unterschied desto mehr Luft ist im Eis.“

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