Bundeswehr

Bundeswehr erhält Kanzlerjet – VIP-Ausstattung kommt später

In Anwesenheit von Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ist der erste Airbus A350 an die Bundeswehr zur Nutzung durch die Flugbereitschaft übergeben werden.

In Anwesenheit von Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ist der erste Airbus A350 an die Bundeswehr zur Nutzung durch die Flugbereitschaft übergeben werden.

Foto: Christian Charisius / dpa

Die Lufthansa hat das ersten von drei neuen Flugzeugen übergeben. Die Bundeswehr wird damit in Zukunft Merkel und Co. transportieren.

Hamburg. Beim Betreten des Hangars von Lufthansa Technik am Hamburger Flughafen fällt der A350 mit seiner weißen Lackierung ins Auge. „Bundesrepublik Deutschland“ steht in schwarzen Buchstaben auf dem Airbus-Großraumjet. Die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold zieren den Bauch des Fliegers. Vor Beginn einer Auslieferungszeremonie sind das ungewohnte Bilder.

„Normalerweise übergeben wir unsere Flugzeuge verhüllt“, sagt Johannes Bußmann mit Blick auf die 66,80 Meter lange Maschine. Aber das wäre in diesem Fall zu viel Tuch gewesen. Der Lufthansa-Technik-Chef steht auf einem Podest neben Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ergänzt: „Deswegen haben wir uns dieses Mal entschieden, Ihnen symbolisch ein Modell zu überreichen.“

Ein Tusch ertönt, dann zieht Bußmann ein kleines, graues Tuch hoch – und auf dem Tisch kommt das A350-Modell zum Vorschein. „Ich wünsche Ihnen viele angenehme Reisen“, sagt er und übergibt das „neue Flaggschiff der Flugbereitschaft“.

Erst im April 2019 hatte der Bund drei Jets vom Typ A350 geordert. Rund 1,2 Milliarden Euro lässt sich die Regierung die drei neuen Kanzlerjets kosten. Rund 640 Millionen Euro fließen an Hersteller Airbus.

Rumpfteile für die Maschine lässt der europäische Flugzeugbauer in seinem Hamburger Werk auf Finkenwerder fertigen, die Endmontage erfolgt in Toulouse. Knapp 300 Millionen Euro sollen bei Lufthansa Technik für den Einbau der VIP-Kabine hängen bleiben. Mehr als 200 Millionen Euro sind für die Installation von Selbstschutzeinrichtungen wie einem Raketenabwehrsystem vorgesehen.

Angela Merkel kommt wegen Panne zu spät zum G20-Gipfel

Zuvor hatte die Flotte der Flugbereitschaft immer wieder Negativschlagzeilen gemacht. Mehrere Bundesminister saßen auf Reisen fest. Der Tiefpunkt: Im November 2018 traf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu spät beim G20-Gipfel in Buenos Aires ein. Ein A340 sollte sie nach Argentinien bringen. Doch kurz nach dem Start in Berlin fiel das Kommunikationssystem aus, die Maschine musste in Köln/Bonn notlanden. Die Kanzlerin traf mit zwölfstündiger Verspätung ein.

Lesen Sie dazu: Erneute Regierungsflieger-Panne: Maas verpasst Termin bei der UN

Generell seien die beiden mehr als 20 Jahre alten A340 zwar zuverlässige und sichere Langstreckenflugzeuge, sagt Kramp-Karrenbauer in Hamburg. Aber: Spätestens seit November 2018 sei klar gewesen: „So kann es nicht weitergehen. Wir müssen vernachlässigte Investitionen dringend nachholen.“ Es gehe neben dem sicheren Transport der Politiker um das Ansehen als größte europäische Industrienation. „Wir läuten mit diesem ersten von drei neuen A350 ein neues Kapitel in der Geschichte der Regierungsflieger der Flugbereitschaft ein.“

Lesen Sie dazu: Steinmeier verlässt Äthiopien nach dreistündiger Verspätung

Der Unternehmenschef als auch die Verteidigungsministerin unterstrichen das gute Zusammenspiel aller Beteiligten und das hohe Tempo bis zur Auslieferung – trotz schwerer Bedingungen. „Die Corona-Pandemie traf das Vorhaben mit ganzer Wucht“, sagt Bußmann.

Die nationalen Grenzen schlossen sich, sodass seine Mitarbeiter nur dank der Flugbereitschaft nach Toulouse kamen. Er bedankte sich bei Airbus, dass der Konzern im Frühjahr die einzige Abnahme einer Maschine in dieser Zeit ermöglicht habe. Im Mai traf der A350 in Hamburg ein. Bis zu 150 Mitarbeiter von Lufthansa Technik bauten anschließend die Kabine ein.

Auch interessant: Aus für Jumbo Jet: Boeing stellt 2022 Produktion der 747 ein

Proteste an deutschen Airbus-Standorten gegen geplante Stellenstreichungen
Proteste an deutschen Airbus-Standorten gegen geplante Stellenstreichungen

VIP-Ausstattungen für den Jet kommt erst 2022

Es wurden Bereiche für Büros, Konferenzen und eine dem Vernehmen nach in beige-braun gehaltene Lounge geschaffen. Bußmann sprach von „zwei Mini-Suiten“ an Bord. Medienvertreter durften sich aus Sicherheitsgründen im Inneren der Maschine nicht umsehen.

Die Bestuhlung im Delegationsbereich gleicht der von Lufthansa. Im vorderen Teil sind 30 Sitze der Business Class untergebracht, weiter hinten 80 Premium-Economy-Sitze. Bis zu vier Patienten-Transporteinheiten sollen in den Flieger passen, denn die Maschine soll auch Evakuierungsflüge in Notsituationen absolvieren. Es handelt sich um eine Übergangsausstattung: Das Flugzeug sollte möglichst schnell in den Dienst gehen, daher wurde auf Standardware zurückgegriffen. Wenn 2022 der zweite und dritte A350 an die Bundeswehr übergeben worden sind, soll die erste Maschine ihre endgültige VIP-Kabine erhalten.

Der Airbus-Jet wird nun noch einige Wochen in Hamburg verbringen. Es stehen Testflüge, Crewschulungen sowie die militärische Zulassung der Maschine mit der Kennung „10+03“ aus.