Altes Land

Kirschen-Krise: Altländer Obstbauern können aufatmen

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Steffen Preißler
Rolf und Beke Meyer werden die Früchte aus ihrer Plantage jetzt auch im Handel los.

Rolf und Beke Meyer werden die Früchte aus ihrer Plantage jetzt auch im Handel los.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die Früchte aus regionalem Anbau finden nun doch den Weg in die Regale der Supermärkte. Für die Kunden bedeutet das höhere Preise.

Hamburg. Im Alten Land werden in diesen Tagen die letzten Kirschen geerntet. „Wir pflücken jetzt noch die Sorte Regina, das wird sich bis in die erste Augustwoche hinziehen“, sagt Obstbauer Rolf Meyer aus Neuenfelde, der auf mit Folie überdachten fünf Hektar Süßkirschen anbaut. Mit dem Absatz seiner süßen Früchte ist er jetzt zufrieden. „Bei unseren anfänglichen Problemen ist Bewegung in die Sache gekommen.“ Wie berichtet, hatten die Kirschenanbauer noch vor wenigen Wochen geklagt, die großen Lebensmittelketten würden vorwiegend Früchte aus der Türkei und nur wenige aus heimischem Anbau anbieten.

Noch Anfang Juli wurden Meyer und andere Obstbauern ihre Kirschen kaum los. Die Folge: In den Kühlhäusern der Bauern und bei der Vermarktungsgesellschaft Elbe Obst stapelten sich die Kisten mit den heimischen Kirschen.

Auch Carsten Bargmann, der Geschäftsführer des Bauernverbandes Hamburg, bestätigt: Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt. Landwirt Meyer und seine Kollegen registrieren auch eine um 20 bis 30 Prozent höhere Nachfrage an ihren Verkaufsständen auf Wochenmärkten. Aber auch der Lebensmitteleinzelhandel hat sich bewegt. „Die Türkei, die sehr aggressiv mit ihren Kirschen in den deutschen Markt gedrängt ist, ist jetzt nicht mehr lieferfähig“, sagt Helwig Schwartau von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). „Jetzt bekommen die Obstbauern auch die Preise, die sie sich vorgestellt haben.“

Kirschen sind jetzt teurer

Für die Verbraucher allerdings heißt das: Die Früchte sind jetzt teurer. Binnen zwei Wochen ist der Verkaufspreis um 22 Prozent gestiegen, wie aus Zahlen der AMI hervorgeht. Nach Einschätzung von Schwartau war der Kirschenabsatz in diesem Jahr aber auch durch das kühle Wetter beeinträchtigt. „Sommerobst läuft bei Temperaturen von 25 bis 30 Grad deutlich besser. Die Käuferreichweite für Kirschen lag unter den Vorjahreswerten.“ Anders gesagt: Die Verbraucher hatten weniger Lust auf Kirschen.

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Nur elf bis 14 Prozent der Kunden im Supermarkt kauften einmal in der Woche ein Kilo Kirschen. Abendblatt-Leser hatten sich aber auch über die nach ihrer Meinung zu hohen Preise für heimische Kirschen beschwert. Landwirt Meyer sieht die Ursache beim Zwischenhandel.

„Wenn Kirschen für zehn bis 13 Euro für das Kilo angeboten werden, dann machen andere auf unsere Kosten gute Geschäfte“, sagt der Landwirt. „Wir haben unsere Kirschen auf Wochenmärkten zuletzt für 7,80 pro Kilo verkauft.“ Das sei angemessen, findet er.

Im Alten Land werden in diesem Jahr rund 5000 Tonnen Süßkirschen geerntet

„Der Konsument muss bereit sein, den höheren Preis für regionale Erzeugung zu bezahlen, dann bietet der Handel diese Ware auch an“, sagt Karsten Klopp, Leiter des Obstbauzentrums Jork. Im Alten Land werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 5000 Tonnen Süßkirschen geerntet.

„Große Probleme hatten die Bauern, die ihre Früchte noch nicht unter einem Foliendach anbauen“, sagt Klopp. „Der starke Regen im Juli hat viele Kirschen der Sorten Kordia und Regina im Freiland zerstört.“ Insgesamt werden an der Niederelbe Süßkirschen auf 500 Hektar angebaut. 55 Prozent der Fläche sind inzwischen in der Zeit von der Blüte bis zur Ernte überdacht.

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