Hamburg

Hapag-Lloyd: Kühne will mit der Brechstange zu mehr Macht

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Martin Kopp
Der Hamburger Unternehmer Klaus-Michael Kühnewill in den Aufsichtsrat von Hapag-Lloyd (Symbolbild).

Der Hamburger Unternehmer Klaus-Michael Kühnewill in den Aufsichtsrat von Hapag-Lloyd (Symbolbild).

Foto: picture alliance/Axel Heimken/dpa

Kurz vor der Hauptversammlung der Reederei löst Klaus-Michael Kühne mit einer trockenen Ankündigung ein Beben aus.

Hamburg.  Der bekannte Logistikunternehmer und HSV-Investor Klaus-Michael Kühne hat in Hamburg schon häufiger für Überraschungen gesorgt. Doch mit einer trockenen Mitteilung am Mittwoch hat er Hamburg nicht nur überrascht, sondern im Rathaus und in der Unternehmenszentrale der Reederei Hapag-Lloyd am Ballindamm sogar Verärgerung hervorgerufen.

Was war passiert? Kühne teilte öffentlich mit, dass er einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat der Hamburger Traditionsreederei für sich beanspruche. Bisher vertritt nur der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Kühne Holding, Karl Gernandt, den Milliardär im Aufsichtsrat von Hapag-Lloyd als stellvertretender Vorsitzender.

Kein Posten ist vakant – Kühne will trotzdem einen

Damit sorgte Kühne eine Woche vor der Hauptversammlung des Schifffahrtskonzerns für einen Riesenwirbel. Denn Aufsichtsratsposten sind nicht mal eben zu vergeben. Von den acht Sitzen, die die Unternehmerseite im Kontrollgremium hat, ist keiner vakant. Will Kühne einen Sitz haben, muss ein anderer seinen aufgeben. Das weiß auch Kühne. Dass er dennoch auf mehr Mitspracherecht pocht, ist darauf zurückzuführen, dass sich die Mehrheitsverhältnisse unter den Eigentümern geändert haben.

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Kühne hatte Anfang des Jahres kräftig Aktien hinzugekauft und sich sogar ein Wettrennen mit der chilenischen Reederei Compañía Sudamericana de Vapores (CSAV) um die Vorherrschaft bei Hapag-Lloyd geliefert. Und nachdem die Kühne Holding AG zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft, Kühne Maritime GmbH, mit mehr als 30 Prozent größter Anteilseigner des Schifffahrtsunternehmens ist, meldete er nun überraschend seinen Anspruch an. „Damit soll auch die Parität zu den beiden Vertretern des chilenischen Anteilseigners und je einem Vertreter der Anteilseigner Katars und Saudi-Arabiens hergestellt werden“, teilte Kühne mit.

Hapag-Lloyd wehrt sich gegen Kühnes Vorstoß

Das klingt logisch, ist aber ein Politikum, denn die Unternehmensführung erteilte Kühne eine Absage: „Der Antrag auf einen zweiten Aufsichtsratssitz ist nicht frist- und formgerecht eingegangen. Deshalb kann er auch nicht bei der Hauptversammlung behandelt werden“, sagte ein Sprecher. Dass Kühne seinen Anspruch dennoch öffentlich machte, muss also als Versuch gewertet werden, seinen Wunsch mit der Brechstange durchzusetzen.

Für Turbulenzen beim Aktionärstreffen am Freitag ist damit gesorgt. Dabei könnte Kühne es doch eigentlich ruhiger angehen lassen: Er wird am kommenden Dienstag immerhin 83 Jahre alt. Aber Ruhe kennt Kühne nicht.

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