Corona

Spargelbauer im Norden: „Mit blauem Auge davongekommen“

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Spargelbauer Heiner Bartels auf seinem Feld nahe Hamburg.

Spargelbauer Heiner Bartels auf seinem Feld nahe Hamburg.

Foto: Michael Rauhe

Landwirte sind mit der bisherigen Ernte und dem Verkauf durchaus zufrieden, trotz höherer Kosten für zusätzliche Hygienemaßnahmen.

Hamburg.  Es ist noch nicht lange her, da schaute Spargelbauer Heiner Bartels mit düsteren Gedanken in die Zukunft. Denn wegen der Corona-Krise war es zunächst untersagt, Erntehelfer aus Osteuropa nach Deutschland zu holen, Bartels’ Stangengemüse drohte auf dem Feld zu verrotten. Doch dann gab es Ausnahmegenehmigungen und Sonderflüge aus Osteuropa nach Deutschland – und die Ernte konnte beginnen. Heute sagt Bartels, der 20 Hektar Spargelfelder in Wennerstorf südwestlich von Hamburg bewirtschaftet: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

Seit Mitte März wird bei Bartels der Spargel aus dem Boden geholt. Der Familienbetrieb hat in den vergangenen zwei Monaten vor allem die aufwendige Folientechnologie genutzt. Mit dieser konnte Bartels Wachstum und Ernte des Stangengemüses steuern. „Das hat uns schon sehr geholfen.“ So kam zunächst vor allem die weiße, wärmeabweisende Folie zum Einsatz, mit der die Ernte wegen der damals noch fehlenden Helfer hinausgezögert werden konnte. Nun läuft die Arbeit wieder rund.

Blickt Bartels auf den Verkauf, spricht er zwar noch nicht von Umsätzen und Verkaufsmengen wie in den Vorjahren. „Es fehlt etwas. Aber es hätte uns deutlich schlimmer treffen können“, sagt er. Zudem verbiete es sich, mit Blick auf andere Branchen und Beschäftigte zu jammern. „Wir dürfen und können wenigstens arbeiten, gehören damit zu einer privilegierten Gruppe hierzulande. Und darüber bin ich sehr froh.“

Wichtiger Geschäftszweig brach weg

Weil die Gastronomen wegen der Schließung ihrer Restaurants so lange als Kunden ausgefallen waren, brach Bartels ein wichtiger Geschäftszweig weg: „Das macht bei uns normalerweise rund 30 Prozent des Umsatzes aus.“ Um die Einbußen zu kompensieren, baute Bartels den Direktvertrieb aus. Für 11,90 Euro bietet er das Kilo Spargel der besten Qualität derzeit auf seinem Hof an. Komplett ausgleichen konnte Bartels die Rückgänge bei der Gastronomie so aber nicht. Seitdem die Restaurants wieder geöffnet haben, freut sich der Landwirt über die ersten Aufträge aus diesem Bereich: „Das ist aber noch sehr verhalten.“

Auch Felix Löscher vom Spargel- und Erdbeerhof Löscher in Winsen (Luhe) zeigt sich mit der Gesamtlage durchaus zufrieden. „Absatz und Ernte sind bisher in Ordnung“, sagt er. Aber auch ihm macht die Zurückhaltung der Gas­tronomen noch ein wenig Sorgen.

Belastend für alle Spargelbauern sind zudem die höheren Kosten für zusätzliche Hygienemaßnahmen in Corona-Zeiten und der bürokratische Mehraufwand. Was wird am Ende in der Kasse bleiben? „Schwer vorauszusagen“, sagt Bartels. Abgerechnet wird am 24. Juni, wenn die Spargelsaison endet.

( ode )

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