Lürssen Gruppe

Werftenfusion überrascht Mitarbeiter bei Blohm+Voss

Vor Corona: Friedrich Lürßen schaut sich bei Blohm+Voss ein Modell einer Fregatte an.

Vor Corona: Friedrich Lürßen schaut sich bei Blohm+Voss ein Modell einer Fregatte an.

Foto: picture alliance

Hamburger Traditionsbetrieb könnte vom Zusammenschluss im Marine-Schiffbau profitieren.

Hamburg.  Hinweise auf die Bildung einer neuen deutsche Großwerft gab es schon länger. Doch als jetzt die Verkündung kam, wurden viele überrascht. In der Nacht zum Donnerstag gaben der Mutterkonzern der Hamburger Werft Blohm+Voss, die Bremer Lürssen Gruppe und die Werft German Naval Yards in Kiel bekannt, beim Bau von militärischen und behördlichen Schiffen künftig zusammenzuarbeiten. Sie gründen dazu ein gemeinsames Unternehmen, eben jene Großwerft, bei der Lürssen die Führung übernehmen wird.

Damit kommt es zu der von vielen Seiten – auch von der IG Metall – geforderten Konsolidierung am Schiffbaumarkt. Die Gewerkschaft reagierte dennoch verschnupft, weil die Verhandlungen zwischen Bremen und Kiel an ihr vorbeigelaufen sind. „Weder die Belegschaft noch die Arbeitnehmervertreter waren einbezogen. So etwas aus der Presse oder kurzen Gesprächen zu erfahren ist kein guter Start für die neue Gesellschaft“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich.

Auch Murat Acerüzümoglu, der Betriebsratsvorsitzende bei Blohm+Voss, wurde überrascht. „Die Mitteilung kam abends im firmeninternen Netz. Wegen der Corona-Pandemie kann ich jetzt nicht einmal eine Betriebsversammlung organisieren.“ Welche Auswirkung die Fusion auf die Hamburger Werft mit ihren rund 600 Beschäftigten haben wird, weiß er noch nicht. „Das müssen wir erst einmal abwarten.“

Mit der Fusion werden aus Gegnern jetzt Partner

Von Lürssen heißt es dazu: „Wir gehen von einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und einer vertieften Vernetzung aller Standorte aus – mit dem Ziel, umfangreiche Bauprogramme abgestimmt und beschleunigt umsetzen zu können.“ Auch von Experten aus dem Umfeld der Werft ist zu erfahren, dass der Standort Hamburg durch diese Fusion nicht an Bedeutung verlieren wird. Jetzt ist nämlich der Weg für den mit mehr als fünf Milliarden Euro größten Schiffbauauftrag frei, den das Verteidigungsministerium je vergeben hat.

Sowohl German Naval Yards als auch Lürssen hatten sich um den Auftrag zum Bau des neuen Mehrzweckkampfschiffs „MKS 180“ beworben. Den Zuschlag erhielt die niederländische Damen-Werft zusammen mit Lürssen. German Naval Yards ging dagegen leer aus und leitete rechtliche Schritte ein. Das Unternehmen wollte gegen die Vergabe klagen und hätte den Baustart für längere Zeit verzögern können. Das hätte sich wiederum negativ auf Blohm+Voss ausgewirkt. Die Werft ist von Lürssen bei der Übernahme vor mehr als drei Jahren auf den Neubau von Marineschiffen ausgerichtet worden – und die Kapazitäten des niederländischen Partners Damen sind zu klein. Deshalb ist Hamburg als Zentrum zum Bau des Mehrzweckkampfschiffes vorgesehen.

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Mit der Fusion werden aus Gegnern jetzt Partner. Damit kann rasch mit dem Bau begonnen werden. Sicherlich werden die Kieler ihren Anteil am Bau der „MKS 180“ einfordern. Der Auftrag ist aber so groß, dass Hamburg ihn alleine nicht stemmen könnte. Es wird also auf eine Arbeitsteilung hinauslaufen wie schon beim jüngsten Bau neuer Korvetten für die Marine. „Der Stahlschnitt erfolgt nicht in Hamburg. Aber für Ausrüstungsbau und Inbetriebnahme der Kampfschiffe hat Hamburg einen großen Vorteil gegenüber Kiel“, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. „Hier gibt es große überdachte Docks, in denen die Montage erfolgen kann.“

Arbeitsplätze und Technologiefähigkeit sichern

Für Friedrich Lürßen, Gesellschafter der Lürssen Werft, erhält die deutsche Werftindustrie durch die Fusion mehr Gewicht: „Wir sind davon überzeugt, dass eine Konsolidierung unserer Werften im Marineschiffbau sinnvoll und förderlich ist, um dadurch deren Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken“, sagte er und ging zugleich auf die aktuelle Lage ein: „Mit diesem strategischen Zusammenschluss wollen wir auch aktiv dazu beitragen, die Auswirkungen der durch die gegenwärtige Corona-Pandemie entstandenen Herausforderungen im Schiffbau gemeinsam zu meistern und Arbeitsplätze und Technologiefähigkeit für den nationalen Standort langfristig zu sichern.“

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Der Eigentümer der German Naval Yards, der libanesische Geschäftsmann Iskandar Safa, der in dem Gemeinschaftsunternehmen künftig die zweite Rolle spielen wird, hält die Konsolidierung für überfällig. Deutschland verfüge über erstklassige Marinewerften und exzellente Technologien. „Aber unsere Kunden brauchen Partner, die über die Größe und die Fähigkeit verfügen, umfangreiche, strategisch wichtige Aufträge zu erfüllen. Das lässt sich besser erreichen, wenn inländische Akteure sich zusammenschließen.“

Für Arbeitnehmervertreter sind viele Fragen offen

Für die Arbeitnehmervertreter sind viele Fragen offen. „Wir brauchen mehr Informationen über die Struktur der geplanten Fusion von Lürssen und German Naval Yards. Wir erwarten verbindliche Zusagen zur Sicherung der Standorte und Arbeitsplätze“, sagte Friedrich, „Die Tarifverträge müssen bei der Fusion erhalten bleiben. Außerdem muss das neue Unternehmen klare Strukturen haben, die die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter garantieren.“

Der Zusammenschluss muss jetzt noch von der Kartellbehörde genehmigt werden. Der zivile Schiffbau, ist von der Fusion übrigens nicht betroffen. Hier macht jedes Unternehmen alleine weiter wie bisher. Die Lürssen Werft gehört zu den Marktführern beim Bau von Luxusyachten. Doch die sind in Krisenzeiten wie dieser kaum gefragt. Offen ist, was aus ThyssenKrupp Marine Systems dem bisher größten norddeutschen Anbieter im Marineschiffbau wird. Ursprünglich war eine Zusammenarbeit mit den anderen beiden Werften angedacht. Das Unternehmen spricht aber auch mit dem staatlichen italienischen Schiffbaukonzern Fincantieri. Beide Werften kooperieren beim Bau von U-Booten.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden