Coronavirus

Lufthansa Technik trennt sich von fast 900 Leiharbeitern

Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann steht auf dem Werksgelände in Hamburg vor einem Triebwerk für einen Airbus A320.

Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann steht auf dem Werksgelände in Hamburg vor einem Triebwerk für einen Airbus A320.

Foto: Andreas Laible

Auftragseinbruch wegen der Coronapandemie zwingt Hamburger Unternehmen nach geplanter Kurzarbeit zu weiterem drastischen Schritt.

Hamburg.  Es ist ein bizarrer Mix: Am Montag meldete Lufthansa Technik für 2019 historische Bestmarken für Umsatz und Ergebnis. Gleichzeitig verkündete Vorstandschef Johannes Bußmann, dass man wegen der Coronapandemie ein sehr umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht habe. Dazu gehören der Stopp aller Ausgaben, die nicht für den laufenden Betrieb notwendig sind, der Verzicht auf Neueinstellungen und das Treffen von Vorbereitungen, um in den nächsten Tagen (wahrscheinlich für Teile der Belegschaft) Kurzarbeit anzumelden, hieß es auf Nachfrage.

Jetzt gibt es noch einen weiteren, bisher nicht bekannten Schritt. „Wir werden uns von fast allen rund 900 Leiharbeitskräften in Deutschland trennen müssen“, sagte Unternehmenssprecher Jens Krüger am Dienstag auf Abendblatt-Anfrage. Die entsprechenden Dienstleistungen bei deren Arbeitgebern seien abbestellt worden.

Lufthansa Technik spricht von schwerer Entscheidung

Nur einige wenige Beschäftigte, die in betriebskritischen Bereichen tätig seien, sollen weiterhin ihren Dienst versehen. „Das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber für die Zukunftssicherung des Unternehmens unablässig“, sagte Krüger. Lufthansa Technik beschäftigt selbst global mehr als 26.600 Mitarbeiter, in Deutschland sind es knapp 17.000. Auf dem Hamburger Werksgelände in Fuhlsbüttel sind 8800 Festangestellte tätig plus rund 600 Leiharbeiter.

Vor zwei Monaten habe man noch händeringend Personal gesucht, hieß es. Doch wie sagte Bußmann am Montag: „Mit dem Ausbruch der Coronakrise ist nichts mehr, wie es noch vor wenigen Wochen war.“ Eine Prognose über die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr traut sich der Vorstand nicht mehr zu.

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Unternehmen klagt über wegbrechende Aufträge

Alle Fluggesellschaften sind massiv von der Corona-Krise betroffen. Etwa jedes fünfte Flugzeug weltweit wird von Lufthansa Technik betreut. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg gilt als Weltmarktführer bei der Wartung, Reparatur und Überholung von Jets und Triebwerken. Die Aufträge dafür brechen ein, weil die Airlines ihr Angebot kräftig zusammenstreichen und Maschinen aus dem Flugbetrieb nehmen. Das volle Ausmaß der Coronakrise werde das Unternehmen erst mit Verzögerung treffen, sagte Bußmann.

Absehbar ist wohl schon jetzt, dass auf längere Zeit weniger zu tun ist. Deshalb bereitet Lufthansa Technik das Anmelden von Kurzarbeit vor. Erste Gespräche mit Arbeitnehmervertretern habe es dazu bereits gegeben, hieß es. Gegen Ende der Woche könnte es eine Entscheidung dazu geben.