Corona

Philipp Westermeyer: „Ich versuche, optimistisch zu sein“

Musste die Digitalmesse OMR in Hamburg, zu der 60.000 Besucher erwartet wurden, wegen Corona absagen: Unternehmer Philipp Westermeyer.

Musste die Digitalmesse OMR in Hamburg, zu der 60.000 Besucher erwartet wurden, wegen Corona absagen: Unternehmer Philipp Westermeyer.

Foto: Andreas Laible

Die Hamburger Digitalmesse OMR ist abgesagt. Der Gründer spricht im Abendblatt über die Folgen und neue Pläne.

Hamburg. Es sollte die größte Digitalmesse werden, die Hamburg je erlebt hat: Monatelang haben Philipp Westermeyer und seine rund hundert Mitarbeiter die OMR (Online Marketing Rockstars) vorbereitet, zu der im Mai mehr als 60.000 Gästen in die Messehallen gekommen wären. Doch dann kam das Coronavirus – und die OMR-Absage. Im Abendblatt spricht Gründer Philipp Westermeyer, der im vergangenen Jahr zu Hamburgs Unternehmer des Jahres gewählt wurde, über ein Virus, das alles durcheinanderbringt und das die Digitalisierung weiter beschleunigen wird.

Hamburger Abendblatt: Wir brauchen in diesen Zeiten auch mal gute Nachrichten. Können Sie uns verraten, wer der Star der diesjährigen Digitalmesser OMR gewesen wäre?

Philipp Westermeyer: US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow hatte unter anderem zugesagt. Dann setzte die Dynamik Ende Februar ein…

Wann ist Ihnen klar geworden, dass es die OMR nicht wird geben können?

Westermeyer: Am Wochenende vor der Absage habe ich die Sache intensiv recherchiert. Dann kam die Ansage von Gesundheitsminister Jens Spahn zu Events mit mehr als 1000 Personen, und mir wurde klar, dass das unser Szenario ist.

Und dann hieß es: Je schneller absagen, umso besser?

Westermeyer: Nein. Schnelligkeit ist nicht das entscheidende Kriterium, sondern bestmögliche Sicherheit mit der Entscheidung. Als klar war, dass wir eine Durchführung der OMR mit Blick auf die gesundheitlichen Risiken nicht verantworten können, waren wir uns sicher, dass wir absagen müssen.

Sie hätten auch einen Ausweichtermin suchen können, so wie es etwa die Gastromesse Internorga getan hat.

Westermeyer: Aus meiner Sicht ist nicht klar, wie sich die Lage in einigen Monaten darstellt, das macht eine Verlegung grundsätzlich schwierig. Abgesehen davon benötigen wir ein stabiles Umfeld, mehrere Monate Vorlauf und zahlreiche Messehallen für den Auf- und Abbau, um Besuchern, Ausstellern und Partner die typische OMR-Erfahrung ermöglichen zu können. Vor diesem Hintergrund schien es uns nach einigen Gesprächen besser, den Termin für dieses Jahr abzusagen.

Was bedeutet diese Absage wirtschaftlich?

Westermeyer: Das können wir noch nicht genau sagen. Wir werden aus der Situation herauskommen, davon bin ich überzeugt, aber es liegt viel Arbeit vor uns. Ich sehe es als unternehmerische Herausforderung. Wenn man 2:0 führt, ist es leicht, gut Fußball zu spielen. Wir haben jetzt zwei brutale Gegentore bekommen und werden trotzdem selbstbewusst weitermachen.

Können aus dieser ungewöhnlichen Situation auch neue Geschäftsideen entstehen?

Westermeyer: Ganz sicher, einige Kollegen arbeiten schon daran.

Wie könnten diese Ideen aussehen?

Westermeyer: Wissensvermittlung wird sich durch die gesamte Entwicklung in einigen Teilen noch zügiger in den Digitalbereich verschieben, da werden wir dabei sein. Viele Events und Messen werden sicher über digitale Aktivitäten nachdenken. Das Gute ist, dass wir das schon immer gemacht haben. Wir sehen uns als Plattform und als Medienmarke, das wird uns helfen. Corona wird am Ende sehr viele Entwicklungen, die ohnehin gekommen wären, beschleunigen. Einkaufen über das Netz ist ein Beispiel, Homeoffice ein anderes.

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Wie arbeiten Sie jetzt – sind alle Kollegen im Homeoffice?

Westermeyer: Ja. Drei oder vier sind vielleicht auch im Büro, aber da haben die jetzt ja auch viel mehr Platz und Abstand als zu Hause.

Wie richtet man seine Mitarbeiter nach einer Absage und in einer solchen Situation wieder auf?

Westermeyer: Ich versuche, ruhig zu bleiben, Sicherheit zu vermitteln, optimistisch zu sein und Lust auf neue Herausforderungen zu machen.

OMR gehört auch zu den größten Podcast-Produzenten in Deutschland. Wie geht es damit weiter?

Westermeyer: Podcasts sind vielleicht am Ende ein Medium, dass von der schwierigen Gesamtlage profitieren kann – einfach, weil Zeit in den Lebensläufen der Menschen frei wird und weil die Digitalisierung insgesamt einen großen Sprung machen wird. Wir bleiben natürlich voll dran.

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Haben Sie sich den Podcast mit dem neuen Superstar der Szene schon angehört?

Westermeyer: Den mit dem Virologen?

Genau. Christian Drosten, die neue Nummer eins.

Westermeyer: Ja. Virologen sind die neuen Influencer, habe ich bei Micky Beisenherz gelesen.

Wer sind Ihre nächsten Gäste?

Westermeyer: Aktuell Tarek Müller von About You. Und dann waren Jan Delay und Fynn Kliemann vor ein paar Tagen da, als die Welt noch eine andere war. Die Folge war gigantisch.