Luftfahrt

Langstreckenflüge – Tuifly-Chef sieht Chancen für Hamburg

Oliver Lackmann ist Flugkapitän und Geschäftsführer von Tuifly Deutschland und will künftig auch auf der Langstrecke mitmischen.

Oliver Lackmann ist Flugkapitän und Geschäftsführer von Tuifly Deutschland und will künftig auch auf der Langstrecke mitmischen.

Foto: Gregor Schlaeger/TUIfly

Tuifly-Chef Oliver Lackmann bringt Flüge in die Karibik ins Gespräch und glaubt trotz Boeings Problemen an 737 Max. Absage an Airbus.

Hamburg.  Für den nächsten Winter hat Tuifly große Pläne. Die Fluggesellschaft steigt von ihrem größten Flughafen Düsseldorf aus in die Langstrecke ein. Mit zwei dort stationierten 787-Dreamlinern von Boeing sollen Karibik-Ziele angeflogen werden. Seit Kurzem sind die Reisen buchbar, und die Nachfrage erfüllt die Erwartungen des Managements. „Das lässt sich sehr gut an“, sagte Tuifly-Geschäftsführer Oliver Lackmann am Donnerstagabend vor dem Luftfahrt-Presseclub in Hamburg.

Mit dem Winterflugplan 2021/22 wird die Airline mit Sitz in Hannover zwei weitere Dreamliner für jeweils 300 Passagiere einflotten. Eine Entscheidung über ihre Stationierung sei noch nicht gefallen. Die Hansestadt könne sich bewerben, sagte Lackmann: „Hamburg hat Chancen.“

Hamburg Airport reagiert erfreut auf Tuifly-Interesse

Von Düsseldorf aus fliegt Tuifly im nächsten Winter nach Cancun (Mexiko), Montego Bay (Jamaika), Bridgetown (Barbados) und Punta Cana, La Romana sowie Puerto Plata (alle Dominikanische Republik). Diese Ziele wären auch potenzielle Destinationen ab Fuhlsbüttel, denn die Langstrecke von Tuifly werde sich in Richtung Karibik entwickeln, sagte Lackmann. „Wir haben keine Pläne, in Richtung Asien zu fliegen.“ Die mittelamerikanische Region sei auch deshalb interessant, weil dort in der Winterzeit viele Kreuzfahrten starten und enden würden. Tuifly kann dort als Zubringer für die riesigen schwimmenden Hotels fungieren.

Beim Hamburger Airport zeigte man sich erfreut über das grundsätzliche Tuifly-Interesse. „Wir sind noch nicht in Gesprächen, aber wir haben Interesse an Gesprächen“, sagte Jörgen Kearsley, Leiter des Aviation Marketings, der im Publikum saß. Allerdings machte Lackmann auch deutlich, dass die Größe des Einzugsgebiets maßgeblich sei. Da habe Düsseldorf mit zwölf bis 14 Millionen Einwohnern im Großraum viel zu bieten. Es könnte also schwierig für die Hansestadt werden. Der Helmut-Schmidt-Flughafen hat derzeit keine direkten Transatlantikflüge im Angebot. Die am weitesten entfernten Direktziele sind Dubai mit Emirates und die Kapverden mit Tuifly.

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Derzeit keine direkten Transatlantikflüge ab Hamburg

Tuifly Deutschland fliegt bisher nur 39 Boeing-Maschinen vom Typ 737 (im Herbst kommen die beiden Dreamliner hinzu). Das macht die Zertifizierung der Piloten und den Austausch der Crews einfacher.

Bei starkem Gegenwind muss die Boeing 737 der Hannoveraner allerdings auch mal einen Tankzwischenstopp einlegen, weil die Inselgruppe westlich vom Senegal am Ende der möglichen Reichweite liege.

„Das zeigt, wie wichtig die 737 Max ist“, sagte Lackmann. Dank moderner Triebwerke soll der Spritverbrauch um 20 Prozent gesenkt werden, sodass sich die Reichweite der Maschinen vergrößert. Allerdings besteht seit März 2019 ein weltweites Flugverbot für die Maschinen, nachdem bei zwei Abstürzen binnen eines halben Jahres 346 Menschen ihr Leben verloren.

Tuifly Deutschland stand kurz vor der ersten 737-Max-Auslieferung

Der weltgrößte Reisekonzern Tui bestellte insgesamt 118 Exemplare der 737 Max und hat 15 Stück schon erhalten. Sie stehen wegen des weltweiten Groundings bei den Tochtergesellschaften in Großbritannien, Niederlanden und Belgien. Tuifly Deutschland war kurz vor der Auslieferung ihrer ersten 737 Max. Sie stand in Seattle abgenommen auf dem Rollfeld, als das Flugverbot kam. Eine Prognose, wann die 737 Max wieder fliegen darf, wollte Lackmann nicht abgeben.

Rund 400 fertige Jets hat Boeing auf dem Firmengelände derzeit geparkt. Es werde Monate dauern, diese auszuliefern, sagte Lackmann. Andere Experten sprechen von Jahren. Man verhandele mit Boeing über Schadenersatz wegen der verspäteten Lieferung. „Unser erstes Flugzeug werden wir relativ schnell bekommen“, sagte Lackmann. Als 737 Max wolle Tuifly die Maschinen übrigens später nicht ausweisen, sagte Lackmann auf der Veranstaltung. Schließlich sei der offizielle Herstellername 737-8. Daher solle dieser verwendet werden. Ein Tuifly-Sprecher sagte später, dass sich für die Passagiere nichts ändern solle. Der Name 737 Max werde weiterhin an der Maschine stehen.

Lackmann hält die Max nach der Abnahme für sicher

Lackmann, der selbst Flugkapitän ist, gibt sich von dem Flugzeug dennoch überzeugt. „Boeing hat viele Dinge am MCAS-System geändert“, sagte Lackmann. Das Flugsteuerungssystem MCAS wird für die Abstürze verantwortlich gemacht. Ein Software-Update sollte das Problem beheben, wurde von den Luftaufsichtsbehörden bisher allerdings nicht genehmigt. Wenn die Prüfer aber ihren Stempel auf die Freigabe gemacht hätten, sei das Flugzeug zu 100 Prozent sicher und die Mängel beseitigt, so Lackmann.

Boeing peilt diesen Sommer für ein Wiederabheben der 737 Max an, Tui plant dennoch auch für diesen Sommer wieder mit dem Aufbau von alternativen Kapazitäten. Schließlich bietet das Unternehmen nach der Pleite von Thomas Cook in diesem Jahr in Großbritannien 1,2 Millionen zusätzliche Sitzplätze an.

Größeres Angebot in Hamburg – Kritik an Ryanair-Preisen

In Deutschland rechnet man mit 500.000 zusätzlichen Urlaubern. Vor zwei Monaten kündigte Tuifly an, in Hamburg die Sitzplatzzahl von 38.000 in diesem Winter auf mehr als 100.000 im nächsten Winter zu erhöhen. Madeira wird neu ins Programm genommen, die Frequenzen auf die Kanaren-Inseln Gran Canaria, Teneriffa sowie nach Hurghada (Ägypten) werden erhöht. Man reagiere damit auch auf Veränderungen am Markt wie die Thomas-Cook-Pleite oder dem Aus für die Ryanair-Basis in Fuhlsbüttel.

Von der Preispolitik der Billigflieger hält er offenbar nicht viel. Tickets für 4,99 Euro – mit denen Ryanair häufig wirbt – bezeichnete Lackmann als „Kuriositäten“. Denn allein für die Luftverkehrssteuer und weitere Gebühren würden 25 Euro pro Passagier anfallen, sodass „der reine Flugpreis negativ ist“. Der Marktdruck habe sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, was man zum Beispiel an den Insolvenzen von Air Berlin, Germania, Thomas Cook, Monarch und Small Planet sehen könne. Lackmann: „Der Markt ist nach wie vor im Umbruch.“

120 Tuifly-Beschäftigte arbeiten in Hamburg

Einen Schwenk auf Airbus-Flugzeuge habe Tuifly, die 1972 als Hapag-Lloyd Flug gegründet wurde, nicht erwogen, sagte Lackmann. Zwar sei er früher selbst einmal Airbus-Maschinen geflogen und fände die auch gut. Aber man wolle die Komplexität so gering wie möglich halten, „so dass wir nie darüber nachgedacht haben“, so Lackmann.

Die Ausweitung des Flugangebots in Hamburg wird möglich durch die Stationierung einer zweiten Boeing 737 ab Ende Oktober. Derzeit ist es nur eine Maschine, die von Fuhlsbüttel aus operiert. Eine zweite dort stationierte Maschine fliegt im Auftrag von Eurowings. Am Helmut-Schmidt-Flughafen arbeiten 120 Tuifly-Beschäftigte: Piloten, Stewards und technische Betreuer.