Landwirtschaft

Milchbauer muss Hof in Rissen nach 15 Jahren räumen

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Oliver Schade
Landwirt Hauke Jaacks mit seinen Kühen in Rissen.

Landwirt Hauke Jaacks mit seinen Kühen in Rissen.

Foto: Roland Magunia

Eigentümerin will Pachtvertrag nicht verlängern. Statt Kühe sollen nun Pferde auf das Grundstück kommen. Pächter ist entsetzt.

Hamburg.  Seit 15 Jahren bewirtschaftet Hauke Jaacks mit seiner Familie einen Milchbetrieb in Rissen. Mehr als 300 Tiere leben auf dem Hof, davon rund 140 Milchkühe. Doch bald soll Schluss sein mit dem Milchbetrieb am Rande der Großstadt. Die Eigentümerin hat das Grundstück verkauft, will den Pachtvertrag mit Jaacks nicht verlängern. „Wir sind und waren fassungslos“, sagt der Milchbauer.

Schließlich gehe es nicht nur um die wirtschaftliche Zukunft seiner Familie, sondern auch um das Leben vieler Nutztiere. „Nicht wenige werde ich dann wohl zum Schlachter bringen müssen, wenn das hier vorbei ist“, sagt Jaacks dem Abendblatt. Kühe, die er über viele Jahre hat aufwachsen sehen, die ihm – wie er selbst sagt – „sehr ans Herz gewachsen“ seien.

Wohnungen dürften dort nicht entstehen

Hier könnte die tragische Geschichte des Landwirten eigentlich zu Ende sein, ist sie aber nicht. Denn Jaacks sieht sich nicht nur als Opfer eines Grundstücksgeschäfts im Westen Hamburgs. Er erhebt zugleich schwere Vorwürfe gegen die Politik, genauer gegen die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation.

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Sie hätte den Immobiliendeal aus seiner Sicht verhindern können, denn laut geltendem Recht musste sie dem Verkauf zustimmen. Genauer: Sie hatte zu prüfen, ob der neue Eigentümer die Fläche erneut für landwirtschaftliche Zwecke benötigt. Schließlich greift hier das Grundstücksverkehrsgesetz, welches sicherstellt, dass bisherige landwirtschaftliche Flächen nicht bedenkenlos verkauft und anderweitig genutzt werden.

Es dürften auf der Fläche in Rissen also zum Beispiel keine Wohnungen entstehen. „Die Behörde hätte zu dem Deal Nein sagen können“, behauptet Jaacks. Doch genau das bestreitet deren Sprecher.

Wirtschaftsbehörde sieht keine Chance, zu helfen

Man habe den privaten Grundstücksverkauf geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, das alles rechtens sei. Schließlich wollen die neuen Besitzer laut Behörde auf dem Grundstück einen Reitstall mit Pferdezucht und Pferdepension errichten. Zudem soll in Rissen sogar das Futter für die Tiere selbst angebaut werden.

„Da die Nachnutzung gleichfalls landwirtschaftlicher Art ist, kann und darf der Staat nicht einfach in den freien, privaten Grundstücksverkehr eingreifen, sondern hat das Grundstücksgeschäft zu genehmigen“, so der Behördensprecher. Für Familie Jaacks ist das wenig tröstlich. Sie hat sich juristisch beraten lassen, doch ihre rechtlichen Möglichkeiten sind begrenzt. So werden wohl demnächst Pferde statt Kühe in Rissen leben.

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