Hamburg

Amerikaner steigen bei Hapag-Lloyd Cruises ein

Das Kreuzfahrtschiff MS "Europa" im Hamburger Hafen an der Elbphilharmonie

Das Kreuzfahrtschiff MS "Europa" im Hamburger Hafen an der Elbphilharmonie

Foto: Hapag-Lloyd Cruises

Tui überführt Hamburger Kreuzfahrtreederei in Joint Venture mit Royal Caribbean. Kommt es zu einem Arbeitsplatzabbau?

Hannover/Hamburg. Seit Ende Januar gab es bereits entsprechende Gerüchte, am Freitag um 8.45 Uhr kam dann per Ad-hoc-Mitteilung die offizielle Bestätigung: Die traditionelle Hamburger Kreuzfahrtreederei Hapag-Lloyd Cruises, bislang eine 100-prozentige Tochter des Hannoveraner Reisekonzerns Tui, wird zur Hälfte amerikanisch.

Die Tui AG hat mit dem Kreuzfahrtkonzern Royal Caribbean vereinbart, den Geschäftsbetrieb von Hapag-Lloyd Cruises in das gemeinsame Joint Venture einzugliedern, das im Jahr 2008 unter der Marke Tui Cruises in Hamburg gegründet und seitdem stark ausgebaut wurde. Damit verliert die Marke Hapag-Lloyd, die für hochpreisige Luxus- und Expeditionsschiffe wie MS „Europa“ und „HanseaticNature“ steht, ein Stück ihrer Eigenständigkeit – auch wenn Vertreter von Reederei und Konzern nicht müde werden zu betonen, der Gast werde die finanzielle Neuordnung später an Bord gar nicht spüren.

„Die Identität der heutigen Schiffe, der Service, die Qualität und das Kundenerlebnis bleiben so individuell und einzigartig wie heute“, verspricht Tui-Chef Fritz Joussen. Das Geschäft biete aber zugleich „erhebliche Vorteile für den Konzern, die Expansion und unsere Investitionen“.

Hapag-Lloyd Cruises: Die "Bremen" wird ersetzt

Die Flotte von Hapag-Lloyd Cruises umfasst derzeit zwei Luxuskreuzfahrt- und drei Expeditionsschiffe. Ein weiteres neues Expeditionsschiff wird im Jahr 2021 ausgeliefert und ersetzt dann die betagte MS „Bremen“. Unter der Führung von Karl J. Pojer, der seit 2013 an der Spitze von Hapag-Lloyd Cruises steht und gerade erst mit dem Branchenaward „Hotelier des Jahres“ ausgezeichnet wurde, hat sich die Luxusreederei blendend entwickelt und hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresumsatz von 305 Millionen Euro und ein bereinigtes Vorsteuerergebnis (Ebita) von 43 Millionen Euro erzielt. Das Bruttovermögen wurde zuletzt mit 660 Millionen Euro angegeben.

Den Wert der jetzigen Transaktion, die bis zum Sommer komplett vollzogen sein soll, beziffert Tui auf 1,2 Milliarden Euro und soll dem Reisekonzern – inklusive einer Sonderzahlung für das laufende Geschäftsjahr – bis zu 700 Millionen Euro an Barmitteln in die Kasse spülen. Dieses Geld will Tui-Chef Joussen nutzen, um im Kreuzfahrtmarkt noch schneller – und weniger kapitalintensiv – zu wachsen, aber auch, um die digitale Transformation des Reisekonzerns zu beschleunigen.

Denn diese ist nötig, um im Reisemarkt der Zukunft gegen schnelle Start-ups bestehen zu können. Der Ausbau der Blockchain-Technologie, mit der Hotelkontingente in aller Welt effizienter gemanagt werden können, gilt dabei als eine Herzensangelegenheit von Joussen, der vor seiner Zeit bei Tui Vorstandschef von Vodafone war.

Unter dem Dach von Tui Cruises soll nicht nur die Flotte der Luxusschiffe von Hapag-Lloyd weiter wachsen – in absehbarer Zeit steht unter anderem der Ersatz der mittlerweile 21 Jahre alten MS „Europa“ an –, sondern auch jene der unter dem Tui-Logo fahrenden Kreuzfahrtschiffe. Deren Passagierzahlen sind weit größer als im Luxus- und Expeditionssegment. Bis zum Jahr 2026 sind hier drei Neuzugänge in Planung. Gäbe es in Europa mehr Werftkapazitäten, hätte Tui-Cruises-Chefin Wybcke Meier auch nichts gegen eine schnellere Lieferung gehabt.

Im Sommer dieses Jahres soll die Fusion vollzogen sein

Wenn ab diesem Sommer Hapag-Lloyd Cruises und Tui Cruises unter dem Dach des Joint Ventures arbeiten, dürfte die spannende Frage sein, welche operativen Einheiten künftig enger zusammenrücken müssen und ob womöglich Arbeitsplätze verloren gehen. Danach sieht es zurzeit zwar nicht aus, schon heute haben beide Gesellschaften ihren Sitz am Heidenkampsweg in Hamburg und nutzen auch manche Synergien. Dort, wo es Doppelstrukturen gibt, wird man deren Sinn künftig aber vermutlich hinterfragen.

Entscheidend wird sein, wer künftig das Sagen im Joint Venture hat. Wybcke Meier, seit Oktober 2014 Vorsitzende der Geschäftsführung, versteht sich mit dem 15 Jahre älteren Pojer zwar bestens, wird aber wie dieser kaum freiwillig in die zweite Reihe rücken. „Wahrscheinlich läuft das Konstrukt tatsächlich zunächst einmal auf eine Doppelspitze hinaus“, vermutet ein Mitarbeiter. Wichtig wäre, dass beide Marken weiterhin eigenständig geführt werden könnten, was bei Royal Caribbean im Übrigen durchaus gängige Praxis sei.

Nicht alle Branchenkenner glauben indes, dass die Fusion ausschließlich Gewinner hervorbringen wird. Uwe Bahn, seit 2006 Herausgeber des jährlichen „Kreuzfahrt Guide“, sagt: „Karl J. Pojer hat aus Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in wenigen Jahren einen Goldfisch gemacht. Um dann von einem Haifisch verschluckt zu werden? Diese Entwicklung macht mich sehr nachdenklich.“

Kreuzfahrt-Infos bei den oohh!-FreizeitWelten

Wer sich in Hamburg über aktuelle Trends und Angebote bei Kreuzfahrten informieren will, hat an diesem Wochenende dazu auf den Messen der oohh!-FreizeitWelten in den Hamburger Messehallen die passende Gelegenheit.

Unter dem etwas sperrigen Titel firmieren insgesamt sechs Einzelmessen, darunter die „Reisen Hamburg“ und die „Kreuzfahrtwelt Hamburg“ (Halle B5). Hapag-Lloyd Cruises ist dort ebenso vertreten wie TUI Cruises, Aida Cruises, MSC Cruises, Cunard, Plantours,

Star Clippers und viele mehr. Geöffnet ist die Messe von 10-18 Uhr, der Eintritt kostet vor Ort 12 Euro, ermäßigt 9,50 Euro. Online gibt es zwei Euro Rabatt.