Schiffbau

IG Metall fordert mehr Stammpersonal für Blohm+Voss

Daniel Friedrich ist seit November 2019 neuer  Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Daniel Friedrich ist seit November 2019 neuer Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Foto: Michael Rauhe

Bezirksleiter Friedrich hofft auf Aufteilung des Auftrags über vier Mehrzweckkampfschiffe auf alle Werften und sorgt sich um Marineschiffbau.

Hamburg.  Daniel Friedrich ist zerrissen. Auf der einen Seite freut sich der Bezirksleiter der IG Metall Küste mit den Beschäftigten von Blohm+Voss. Die Hamburger Werft hatte zusammen mit ihrem niederländischen Partner Damen den Zuschlag des Bundesverteidigungsministeriums für den Bau von vier neuen Mehrzweck-Kampfschiffen (MKS) 180 bekommen. Auftragswert: 5,27 Milliarden Euro. Die Traditionswerft dürfte für zehn Jahre ausgelastet sein. Auch weitere Standorte der Blohm+Voss-Mutter Lürssen und von Thales in Kiel und Wilhelmshaven dürften profitieren.

„Auf der anderen Seite ärgern wir uns“, sagte Friedrich am Donnerstag im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Die Bundesregierung könne „ein Stück weit zum Totengräber des deutschen Marineschiffbaus“ werden. Das könne und dürfe nicht passieren, weil dieser Branchenzweig technologie- und verteidigungspolitisch für das Land benötigt werde. Die Befürchtung des Gewerkschafters: Die vom Großauftrag ausgeschlossenen Schiffbauer könnten sich zurückziehen, Jobs abbauen – und dann käme auch der Rest der Firmen unter Druck. „Wir brauchen eine kritische Masse. Wir haben 15.000 Beschäftigte“, so Friedrich. „Auf hoher See werden sie nicht als kleines Schiff überleben, sie brauchen die Flotte. Die Flotte ist die gesamte Branche.“

IG Metall fordert runden Tisch

Deshalb fordern die IG Metall und die Betriebsräte ein Spitzengespräch mit Bundesregierung, Bundesländern und Unternehmen zur Zukunft des Marineschiffbaus. Nicht nur Blohm+Voss, Lürssen-Firmen und Thales sollten von dem Auftrag profitieren. Die Arbeit müsse auch bei anderen Werften und Zulieferern ankommen und die Schlüsseltechnologie Überwasserschiffbau in Deutschland langfristig gesichert werden. Letzteres sieht der Koalitionsvertrag von Union und SPD vor, um Arbeitsplätze und Standorte hierzulande zu sichern. Umgesetzt wurde das politische Vorhaben aber noch nicht.

Wissenswertes zum Hamburger Hafen:

  • Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen Deutschlands und der drittgrößte Europas
  • Der Hamburger Hafen wird von der Hamburg Port Authority (HPA) verwaltet
  • Im Hamburger Hafen werden 13 Hafenbecken und Kaianlagen für den Warenumschlag oder spezifische Zwecke genutzt
  • Der Hamburger Hafen hat rund 320 Liegeplätze für Seeschiffe an 43 Kilometer Kaimauer

„Nicht akzeptabel“ nannte Friedrich, dass Konstruktion und Technologie nicht in Deutschland stattfinde, sondern bei Damen in den Niederlanden. Der Bund hatte den Bau der vier MKS-180-Schiffe europaweit ausgeschrieben. Die IG Metall hält das nach wie vor für einen Fehler. Keine andere Nation würde bei so einem wichtigen Auftrag so vorgehen. Zumal mittelständische deutsche Privatunternehmen gegen ausländische große Staatswerften zum Beispiel aus Frankreich oder Italien konkurrieren müssten. Natürlich brauche man Kooperationen in der EU. Aber vorher müsste der deutsche Schiffbau zusammenarbeiten, „ansonsten geht er im europäischen Konzert unter“, sagte Friedrich.

„Blohm + Voss alleine wird den Auftrag nicht schaffen“

Aber warum sollte Lürssen ein Stück vom Fünf-Milliarden-Euro-Kuchen abgeben und Arbeiten mit der einheimischen Konkurrenz teilen? „Alleine werden sie es nicht hinkriegen“, sagte Friedrich. Es sei genug Arbeit da, dass auch andere Firmen profitieren würden, habe er stets von Arbeitgeberseite und Politik gehört. Die große Frage sei, wie man die Arbeit organisiere.

Klar ist für ihn, dass an dem Auftrag beteiligte Firmen Einstellungen vornehmen müssen – wie in der Hansestadt: „Natürlich brauchen wir auch in Hamburg bei Blohm+Voss einen Aufbau der Stammbelegschaft. Wir haben da über 400 Kollegen in den letzten Jahren verloren.“ Nach der Übernahme durch Lürssen Ende 2016 wurden Geländeteile abgetreten und die Belegschaft auf 600 Beschäftigte verkleinert. Bei der Erledigung des Auftrages werde man darauf achten, dass dies nicht nur über Leiharbeit und Werkverträge erfolge, sondern tarifliche Standards gelten.

Im Frühjahr könnten Ausschüsse entscheiden

Viel Zeit bleibt der IG Metall nicht mehr. Der Auftrag brauche zwar noch die Zustimmung der beiden Ausschüsse für Verteidigung und Haushalt. Die entsprechende Vorlage könne die Bundesregierung aber im Frühjahr vorlegen, hieß es.