Bier

Brauereien erhöhen den Preis für das frisch Gezapfte

Auch viele jüngere Menschen schätzen es noch, gemeinsam mit Freunden in einer Kneipe oder Bar ein Bier zu trinken.

Auch viele jüngere Menschen schätzen es noch, gemeinsam mit Freunden in einer Kneipe oder Bar ein Bier zu trinken.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Jever und Krombacher sind betroffen. Welche Strategien die Hamburger Anbieter von Holsten, Astra und Ratsherrn verfolgen.

Hamburg.  Bier ist in Deutschland noch immer das beliebteste unter den alkoholischen Getränken. Doch wer gern zum Essen im Restaurant oder an der Theke seiner Stammkneipe ein frisch gezapftes Pils trinkt, wird in vielen Fällen bald mehr dafür zahlen müssen. Denn mehrere der größten Brauereiunternehmen wollen die Preise für Fassbier anheben oder erwägen dies zumindest.

Anfang März wird der führende deutsche Bierhersteller, die Radeberger Gruppe, für den Großteil seiner Produkte den Fassbier-Abgabepreis anheben, wie eine Firmensprecherin sagte. Zu den mehr als 40 Marken der Gruppe gehören Jever, Radeberger, DAB und Schöfferhofer. Zur Höhe der geplanten Preisanhebungen für die Gastronomie machte das Frankfurter Unternehmen, eine Tochtergesellschaft des Bielefelder Oetker-Konzerns, keine Angaben.

Die Privatbrauerei Krombacher hebt ebenfalls ihre Fassbierpreise an, wie ein Sprecher sagte. Krombacher ist laut einem Ranking des Branchenmagazins „Inside“ die meistgetrunkene Biermarke in Deutschland. Bei der Privatbrauerei Veltins erwägt man ebenfalls, den Fassbierpreis heraufzusetzen: „Wir denken darüber nach.“

Wird das Bier auch für den Trinker teurer?

Zwar bedeuten höhere Abgabepreise der Brauereien nicht automatisch höhere Rechnungen für die Gäste von Restaurants und Bars. „Die Entscheidung, wie der Gastronom mit steigenden Kosten umgeht, liegt allein in dessen Hand“, teilte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband dazu mit.

„Fakt ist, dass Fassbier in vielen unserer Betriebe sehr beliebt ist.“ Banchenexperte Niklas Other, der Herausgeber von „Inside“, rechnet aber damit, dass die Aufschläge weitgehend beim Kunden am Tresen ankommen werden.

Hamburger Marken halten sich noch zurück

Für viele Hamburger gibt es jedoch eine gute Nachricht: Fans der Biermarken Holsten, Astra und Ratsherrn müssen nicht damit rechnen, demnächst mehr Geld für ein Glas frisch vom Fass zu zahlen. „Wir haben unsere Fassbierpreise zum 15. Januar 2019 angepasst und planen aktuell keine Erhöhung“, sagte eine Sprecherin von Carlsberg Deutschland, Dachgesellschaft der Hamburger Holsten-Brauerei.

Auch bei der Ratsherrn Brauerei in den Schanzenhöfen hieß es, eine Preiserhöhung sei nicht vorgesehen – wobei die Gastronomie gut 60 Prozent des Ratsherrn-Absatzes ausmacht, wie Marketingleiterin Mariann von Redecker sagte. Im Branchenschnitt verkaufen die Brauereien hingegen gut 80 Prozent ihres Biers über den Lebensmittel- und Getränkefachhandel.

Als Begründung für die bevorstehende Preisanhebung führte die Radeberger-Gruppe außer Tariferhöhungen und gestiegenen Energiepreisen, die nicht mehr intern kompensiert werden könnten, nicht zuletzt höhere Logistikkosten sowie Investitionen in das Mehrwegsystem an.

Einwegfässer für Holsten und Astra

In dieser Hinsicht geht die Holsten-Brauerei allerdings einen anderen Weg: Seit dem Jahr 2016 setzt Carlsberg Deutschland für die Gastronomie-Kunden zunehmend auf Einwegfässer aus Kunststoff mit nur 20 Litern Inhalt. Das neue Zapfsystem soll nach Angaben des Unternehmens für eine größere Fassbierauswahl bei den Gastronomen, wesentlich längere Haltbarkeit nach dem Anstich und eine „leichtere Handhabung“ sorgen.

„Das System wurde 2015 in verschiedenen Gastronomie-Objekten in Hamburg und Berlin erfolgreich getestet und übertraf alle Erwartungen“, heißt es dazu. Holsten Pilsener und Astra Urtyp gehören zu den Biersorten, die mit der neuen DraughtMaster-Technik geliefert werden können.

Ratsherrn plant eigene Abfüllanlage in Billstedt

Während Carlsberg Deutschland gerade eine große Investition abgeschlossen hat – im November wurde die neue Holsten-Brauerei in Hausbruch in Betrieb genommen –, plant der kleine Wettbewerber Ratsherrn ebenfalls eine Neuerung: Das Unternehmen will eine eigene Abfüllanlage in Billstedt eröffnen und damit unabhängiger von Partnern werden.

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Anders als die Carlsberg-Deutschland-Gruppe, die sich bemüht, die Hamburger Traditionsmarke Astra auch bundesweit immer bekannter zu machen, konzentriert sich Ratsherrn beim Absatz aber vor allem auf den Großraum Hamburg, die Ostseeküste und Berlin.

Preisspagat zwischen Fass- und Flaschenbier

Verbraucher müssen nach Einschätzung des Branchenexperten Other davon ausgehen, dass sich in diesem Jahr der Preisabstand zwischen Fassbier und Flaschenbier weiter vergrößert.

Für die Gastronomie sei es nicht unbedingt hilfreich, wenn Fassbier zumeist deutlich teurer sei als Flaschenbier, so Other. Er geht davon aus, dass weitere Brauer den Fassbierpreis erhöhen.

Weniger Bier durch demografischen Wandel?

Dagegen geht der Bierabsatz seit Jahren tendenziell zurück, was die Brauer mit der Demografie erklären: Ältere Menschen tränken weniger Bier als jüngere. Im abgelaufenen Jahr sank der Absatz von alkoholhaltigem Bier bis Ende November um 2,5 Prozent auf 8,52 Milliarden Liter, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Anders sieht es bei alkoholfreiem Bier aus – es ist im Aufwärtstrend. Darauf hat man schließlich auch in der Ratsherrn-Brau­erei reagiert: Seit Anfang Januar gehört die Sorte „Organic Ale Alkoholfrei“ mit zum Produktprogramm.