Hamburg

Das Astor-Kino in der HafenCity wird zur Party-Lounge

Der Lichtspielhaus-Unternehmer Hans-Joachim Flebbe, 68, im gerade einmal gut 70 Plätze großen „Clubkino“-Saal der Astor Film Lounge in der HafenCity.

Der Lichtspielhaus-Unternehmer Hans-Joachim Flebbe, 68, im gerade einmal gut 70 Plätze großen „Clubkino“-Saal der Astor Film Lounge in der HafenCity.

Foto: Michael Rauhe

Demnächst soll es nach den Abendvorstellungen Livemusik im Foyer geben. Es ist ein Test. Und der Kinobetreiber hat weitere Pläne.

Hamburg.  Seit gut einem Jahr ist das Luxus-Kino Astor in der HafenCity in Betrieb. Nun gibt es weitere Pläne dafür: Die „Film Lounge“ soll auch zur Party-Location werden. Damit wolle man den Foyer-Bereich noch besser nutzen, sagt Hans-Joachim Flebbe, Chef der Hamburger Firma Xavoy Filmtheater, die das Kino betreibt.

Von März an wird ein neues Programmangebot mit Livemusik getestet, ein Barkeeper versorgt die Gäste nach dem Ende der Abendvorstellungen mit Getränken. „Je nach dem Erfolg der Tests wird es dieses Angebot dann häufiger oder weniger häufig geben“, sagte Flebbe.

Am 4. Januar stand eine weitere Premiere an – eine Kooperation mit der Elbphilharmonie: Ein Konzert der britischen Indie-Rockband Bastille, dessen Elbphilharmonie-Tickets innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren, wurde live auf einer der drei Astor-Filmleinwände gezeigt. Die Erlöse gingen an die Hamburger FABS Foundation, die Spenden für soziale Zwecke sammelt.

Seit Ende 2018 wurden vier Astor-Kinos neu eröffnet

Mit dem ersten Betriebsjahr des Hamburger Astor-Kinos ist Flebbe sehr zufrieden: „Wir haben die Marke von 200.000 Gästen geknackt, gehofft hatten wir auf 150.000 Besucher.“ An vielen Wochenenden habe man sogar Ticketanfragen abweisen müssen, weil alle Plätze ausgebucht waren.

Acht Jahre Vorlaufzeit benötigte Flebbe, dem in Hamburg auch das auf englischsprachige Filme in Originalfassung spezialisierte Savoy am Steindamm gehört, bis das Astor am Sandtorkai den Betrieb aufnehmen konnte. Natürlich gab es in den ersten Wochen hier und da Nachsteuerungsbedarf: Die Temperaturregelung war nicht immer optimal, der Service musste sich in dem brandneuen Gebäude erst einspielen.

Immerhin hat das Kino 60 Beschäftigte bei gerade einmal gut 400 Plätzen, verteilt auf drei Säle. Flebbe selbst hat während der Startphase viel Zeit in dem Haus verbracht: „In den ersten Monaten war ich praktisch jeden Tag hier, über das gesamte Jahr gesehen wohl im Schnitt jeden vierten Tag.“

Dabei hatte er auch in anderen Teilen Deutschlands nicht gerade wenig zu tun: „Seit Ende 2018 haben wir vier Kinos eröffnet.“ Auf den Astor-Standort in der HafenCity folgten weitere in München, Braunschweig und zuletzt einer in dem Frankfurter Innenstadt-Einkaufszentrum der Hamburger ECE-Gruppe.

Somit gehören nun zehn Lichtspielhäuser, darunter acht unter der Marke Astor, zu Flebbes Firma. Nachdem er zunächst als Mitgründer der Cinemaxx-Kette auf Großkinos setzte, verfolgt er seit seinem Ausstieg aus dem Konzern im Jahr 2008 ein ganz anderes Konzept: In den Astor-Häusern gibt es für die Gäste ein Gratis-Begrüßungsgetränk, eine kostenfreie Garderobe, verstellbare Sessel mit viel Beinfreiheit und Bedienung am Platz. „So macht mir Kino wieder richtig Spaß“, sagt Flebbe.

Das Premiumkino-Konzept würden andere nun kopieren

Rund 15 Euro kostet ein Ticket in der Hamburger „Astor Film Lounge“, die zunächst auf durchschnittlich sechs bis sieben Euro pro Besucher veranschlagten Zusatzeinnahmen durch Getränke und Snacks fallen wohl etwas höher aus. Das Speisen-Angebot soll nach Angaben von Flebbe noch ausgeweitet werden, warme Gerichte aber werde es im Kinosaal nicht geben. Dass man am Nachmittag nun eine Auswahl von drei oder vier verschiedenen Torten bereithalte, sei bereits gut angekommen.

Weitere Standorte für die Marke Astor in Deutschland kann sich Flebbe durchaus vorstellen. Zwar arbeitet der Unternehmer derzeit nicht an konkreten Um- oder Neubauplänen. Es gibt da aber „zwei oder drei Ideen“, die er nach dem Kraftakt des zurückliegenden Jahres „mit angezogener Handbremse“ verfolgt. Um welche Städte es geht, verrät er jetzt noch nicht. Nur so viel lässt er durchblicken: „Eines der Projekte wäre schon spektakulär.“

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Sein Premiumkino-Konzept werde inzwischen „überall von anderen kopiert“, bis hin zu den Sitzabständen: „Manchmal denke ich: Die müssen doch mit dem Zollstock bei uns gewesen sein.“ Flebbe sieht das Komfort- und Service-Filmtheater nicht zuletzt als Strategie gegen die Heimkino-Konkurrenz der Streamingdienste wie etwa Netflix. Als im Jahr 2018 die Lichtspielhäuser in Deutschland ein herbes Besucherminus von zwölf Prozent verzeichnen mussten, sahen sich diejenigen, die der Branche ohnehin den Niedergang angesichts der Onlinedienste prophezeiten, schon bestätigt.

Tatsächlich war für den Einbruch der Gästezahl wohl aber auch das wenig zugkräftige Filmangebot verantwortlich, so Flebbe. Im gerade abgelaufenen Jahr dagegen habe es mit Streifen wie „Avengers - Endgame“, „Joker“, „Green Book“, „Der Junge muss an die frische Luft“ oder „Das perfekte Geheimnis“ ein attraktiveres Angebot gegeben, so dass die Branche im vergangenen Jahr bei Umsatz und Besucherzahl wieder deutlich zulegen konnte. Für 2020 stehe unter anderem ein neuer „James Bond“ an – und natürlich „Lindenberg! Mach dein Ding“, der Film über das Leben von Udo Lindenberg. „Darauf freuen wir uns schon“, sagt Flebbe: „Gerade in Hamburg könnte das ein Renner werden.“

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Mehr Kinos, mehr Besucher, mehr Umsatz

  • Geht es nach der Zahl der Kinos in Deutschland, so ist dies keineswegs eine Branche im Niedergang: Trotz der Konkurrenz durch Onlinedienste wie Netflix ist die Anzahl der Spielstätten seit 2014 von Jahr zu Jahr gestiegen, per 30. Juni 2019 waren es 1689. Das geht aus dem jüngsten Halbjahresbericht der Filmförderungsanstalt (FFA) hervor.
  • In Hamburg gab es ein Plus bei den Spielstätten auf 31 Kinos mit 86 Sälen.
  • Im gesamten Jahr 2019 stiegen die Besucherzahlen deutschlandweit um 15 Prozent auf knapp 110 Millionen, wie der Verband HDF Kino mitteilt.
  • Der Umsatz legte ebenfalls um 15 Prozent auf 964 Millionen Euro zu.
  • Deutsche Filmproduktionen hatten knapp 22 Millionen Zuschauer.
  • Laut FFA liegt der durchschnittliche Ticketpreis bei 8,60 Euro, wobei Hamburg mit 9,89 Euro mit Abstand die Spitzenposition einnimmt.
  • Erfolgreichster Film des ersten Halbjahres 2019 war die Disney-Produktion „Avengers – Endgame“ mit fünf Millionen Besuchern vor „Der Junge muss an die frische Luft“ mit 2,9 Millionen Gästen.