Kandidatur

André Mücke präsentiert Wahlgruppe für die Handelskammer

Sechs der 43 Kandidaten der Zukunftskammer (v. l.): Walter Pelka, geschäftsführender Gesellschafter von H2 Yacht, André Mücke, Geschäftsführer DSA youngstar, Ursel Beckmann, Prokuristin microsol Solarsysteme, Stefan Duphorn, Geschäftsführer wer-zu-wem, Thomas Sell, Leiter Kooperationsentwicklung Telekom Deutschland, und Diana Rickwardt, Geschäftsführerin feinbrand Marketing.

Sechs der 43 Kandidaten der Zukunftskammer (v. l.): Walter Pelka, geschäftsführender Gesellschafter von H2 Yacht, André Mücke, Geschäftsführer DSA youngstar, Ursel Beckmann, Prokuristin microsol Solarsysteme, Stefan Duphorn, Geschäftsführer wer-zu-wem, Thomas Sell, Leiter Kooperationsentwicklung Telekom Deutschland, und Diana Rickwardt, Geschäftsführerin feinbrand Marketing.

Foto: Marcelo Hernandez

Vize-Präses schart 43 Kandidaten um sich, die sich als unabhängig verstehen. Auch der Hamburger Airbus-Chef ist mit dabei.

Hamburg. Wenige Tage vor dem Start der Wahlen zum Handelskammerplenum hat auch der letzte Kreis von Kandidaten mit dem Wahlkampf begonnen. Es handelt sich um die Gruppe um den derzeitigen Vize-Präses André Mücke und sie nennt sich „Zukunftskammer“. Neben „Starke Wirtschaft Hamburg“ und der Nachfolgeorganisation der alten Kammerrebellen, „Die Kammer sind Wir“ handelt es sich um die dritte Gruppierung von Hamburger Unternehmern, die sich um die 58 zu vergebenden Sitze im Plenum der Handelskammer bewerben. Hinzu kommen einige Kandidaten, die sich keiner Gruppe angeschlossen haben. Die Wahlen finden vom 20 Januar bis zum 18 Februar statt. Das Ergebnis steht zwei Tage später fest.

„Wir sind kein Bündnis, haben keinen Sprecher und keinen Spitzenkandidaten“, sagte Mücke bei der Vorstellung der Zukunftskammer. „Wir sind 43 unabhängige Kandidaten, die auf dieser Plattform für sich werben, weil sie gemeinsame Ziele verfolgen.“ Sechs der 43 Kandidaten stellten sich am Dienstag vor. Nach der Wahl will sich der Zusammenschluss ebenso wie die Starke Wirtschaft Hamburg wieder auflösen.

Mücke gesteht Fehler der Kammerrebellen ein

Einen „gesunden Mix“ nennt Mücke die Schar der Unternehmer, die unter dem Dach der Zukunftskammer antreten. „Bei uns finden sich kleine Unternehmer wie auch Mittelständler und Vertreter von Großunternehmen.“ So wirbt die Zukunftskammer mit dem Vorstandssprecher der Hamburger Volksbank, Reiner Brüggestrat, dem Hamburger Airbus-Chef Georg Mecke, sowie dem Aurubis-Manager Ulf Gehrckens, obgleich sie der Zukunftskammer nicht explizit angehören. „Aber sie teilen unsere Ziele“, sagt Mücke. Das Kandidatenfeld verbinde das Beste aus zwei Welten. „Sowohl Vertreter der alten Kammer sind dabei, wie auch Modernisierer.“

Da muss Mücke nicht weit schauen: Er selbst gehörte vor nicht allzu langer Zeit noch den Rebellen an, die die gesamte Kammer auf den Kopf stellen wollten. „Wir haben uns gewandelt“, sagt er. „Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt“, ergänzt Stefan Duphorn, der auch 2017 als Anhänger der Wir-Gruppe ins Plenum eingezogen war.

HVV-Ticket für Azubis

Inhaltlich hat sich die heterogene Gruppe auf vier Themen verständigt, die sie als besonders drängend empfindet und im Falle ihrer Wahl im Kammerplenum vorantreiben will: Das sind Aus- und Weiterbildung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels, engere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, um Innovationen zu fördern, die Unterstützung der Wirtschaft bei der Digitalisierung und nicht zuletzt das Ziel, Hamburg zur führenden Klimaschutzmetropole zu machen. Letzteres allerdings ohne große Verbote. „Mit der Verzichts-Schiene werden wir dieses Ziel nicht erreichen, wir benötigen Innovationen“, sagt Walter Pelka, der frühere Präsident der HafenCity Universität, der jetzt mit einem kleinen Unternehmen Freizeitboote mit Wasserstoffantrieb anbietet.

Bei der Frage, wie die Handelskammer konkret bei den vier Themen wirken kann, wird es schon schwieriger. Aber auch dazu hat sie die Gruppe erste Gedanken gemacht. Die Aus- und Weiterbildung, wollen die Kandidaten beispielsweise gezielt fördern. „Jahrelang gingen die Ausbildungszahlen in Hamburg nach unten. Seit drei Jahren stagnieren sie. Jetzt muss es uns gelingen, sie wieder zu steigern“, sagt Mücke, der eine Agentur für Schulwerbung betreibt. Nach der Einführung der Azubi-Card (eine Art Schülerausweis) setzt die Gruppe sich jetzt auch für die Einführung eines eigenen Azubi-Tickets für den HVV ein. Zudem sollen Studenten-Wohnheime für Auszubildende geöffnet werden. So sollen auch Lehrlinge günstigen Wohnraum finden. „Zudem treffen Azubis und Akademiker frühaufeinander – und nicht erst in der Firma“, so Pelka.

Handelskammer soll Firmen bei Abwehr von Cyberangriffen helfen

Um den Innovationsmotor in Gang zu setzen verlangt die Zukunftskammer eine stärkere Förderung der technischen Universitätsausbildung sowie eine engere Verknüpfung der mittelständischen Wirtschaft mit den Hamburger Forschungszentren. Das gilt insbesondere für den Klimaschutz. Neben der Förderung von Wasserstoff als Speicher- und Antriebsmedium, sowie mehr Holz als Baustoff, war in diesem Punkt aber noch nicht mehr zu erfahren.

Konkreter sind die Vorstellungen beim Thema Digitalisierung: Hier soll die Handelskammer den Hamburger Firmen künftig mehr Hilfestellungen geben, insbesondere bei der Abwehr von Cyberkriminalität, der sich viele Hamburger Unternehmen zunehmend ausgesetzt sehen. „In Baden-Württemberg wurde mit den DIHK eine Cyberwehr gegründet. So etwas müssen wir in Hamburg auch hinbekommen“, sagt Thomas Sell, der bei der Telekom Deutschland die Kooperationsentwicklung leitet. Sell will auch den Ausbau der digitalen Infrastruktur voranbringen. „Es ist kaum zu glauben: Hamburg veranstaltet im kommenden Jahr den weltgrößten Kongress für intelligente Verkehrssysteme, ITS, und die Handelskammer hat dazu bisher kaum eigene Ideen beigetragen“, so Sell.

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Um die Kammer wieder mehr zu einem Ideen- und Impulsgeber zu machen, will die Gruppierung zudem die klassischen Ausschüsse durch mehr Arbeit in Projektgruppen stärken. „Die Ausschüsse sind sehr groß und treffen sich nur vier Mal im Jahr. In kleinen Projektgruppen können Ideen viel schneller entwickelt werden“, sagt die Prokuristin Ursel Beckmann. Wie die alten Kammerrebellen will auch die Zukunftskammer die Pflichtbeiträge weiter senken. Komplementärgesellschaften sollen künftig entlastet werden. Ebenso Firmen, die so klein sind, dass sie keine eigenen Geschäftsführer bezahlen können.