Preisportale

Verbraucherschützer: Vorsicht bei Vergleichsportalen

Welche Fluglinie bietet die billigsten Preise? Manchmal erhöhen sich bei der Suche auf Vermittlungsportalen spontan die Preise, kritisieren Verbraucherschützer.

Welche Fluglinie bietet die billigsten Preise? Manchmal erhöhen sich bei der Suche auf Vermittlungsportalen spontan die Preise, kritisieren Verbraucherschützer.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Viele nutzen Vergleichsportale zum Preisvergleich für Hotels, Flüge oder Strom. Doch manche arbeiten zum Nachteil der Verbraucher.

Berlin. Eigentlich wollte Karin Schröder auf der Wohnungsvermittlungsplattform nur eine Schufa-Auskunft bestellen. Als ihr die Rechnung ins Haus flatterte, fiel diese deutlich höher aus als erwartet. Der Anbieter behauptete, sie habe bei der Bestellung zusätzlich eine Premiummitgliedschaft abgeschlossen – und schaltete ein Inkassounternehmen ein, um das Geld einzutreiben.

Ein anderer Verbraucher berichtet, dass er beim Kauf von Konzerttickets auf der Internetseite abgestürzt sei. Er ging davon aus, dass die Buchungen damit nicht zustande kam und bestellte die Karten nochmal bei einem anderen Anbieter. Doch Tage später erhielt er plötzlich die Bestätigung der eigentlich nicht zu Ende geführten Buchung. Sein eingelegter Widerruf wurde nicht akzeptiert.

Viele Beschwerden über Vergleichsportale

Dies sind nur zwei von zahlreichen Beschwerden über Vermittlungsplattformen im Internet, die bei Verbraucherzentralen in den vergangenen Monaten gemeldet wurden. Obwohl die Portale für Wohnungen, Hotels, Flüge, Mobilfunk, Strom oder Kredite von vielen Menschen als Wegweiser durch den Angebotsdschungel im Internet genutzt werden, sind sie nach einer aktuellen Untersuchung der Marktwächter der Verbraucherzentrale „nur eingeschränkt empfehlenswert“.

Nur jede vierte Webseite bietet tatsächlich transparente Vergleiche

„Aufgrund der Intransparenz ist derzeit nicht sichergestellt, dass Verbraucher auf Vermittlungsplattformen wirklich das beste Angebot finden“, sagt Tatjana Halm, Teamleiterin der Marktwächter Digitale Welt. Die größten Kritikpunkte: So können Verbraucher nicht feststellen, ob eine Vermittlungsplattform auch tatsächlich alle zur Verfügung stehenden Angebote auflistet.

In manchen Fällen wird die Reihenfolge der Suchergebnisse von Provisionszahlungen der Anbieter beeinflusst, wodurch Verbraucher teilweise auf teurere Angebote gelenkt werden, so Halm. Nur jede vierte Webseite stelle die tatsächliche Marktabdeckung transparent dar.

Preise manchmal höher als beim direkten Anbieter

Die Marktwächter haben für ihre Studie 30 Vermittlungsplattformen untersucht. Konkrete Firmennamen werden aus Datenschutzgründen nicht genannt. Die Verbraucherschützer wollen Strukturen des Marktes offenlegen.

Ihre Kernergebnisse: Viele Vermittlungsportale verlangen zwar kein direktes Entgelt für ihre Leistungen, dennoch können bei der Nutzung Kosten entstehen. So lagen die verlangten Preise für Dienste auf den Plattformen teilweise höher als wenn Verbraucher sie direkt beim Anbieter gebucht hätten. Manchmal werden die Verbraucher von automatischen Vertragsverlängerungen überrascht, was nach ihrer Ansicht aus dem Abschluss nicht eindeutig hervorging.

Während der Bestellung steigen die Preise

Zahlreiche Beschwerden gibt es beispielsweise beim Buchen von Flügen. Während des Bestellprozesses werden Inklusiv-Preise angezeigt, doch bei der Eingabe der Bezahldaten wird plötzlich ein höherer Preis angezeigt. So hatte eine Verbraucherin einen Flug für zwei Personen für 408 Euro gebucht. Im Nachgang wurde eine Vermittlungsgebühr von 79,96 Euro aufgeschlagen.

Der Anbieter begründet dies damit, dass der Preis nur bei Zahlung mit einer Master Card Gold einer bestimmten Bank gegolten hätte. Bei solchen Verfahrensarten fühlen sich viele Verbraucher abgezockt. Gerade bei Banken herrscht bei vielen Kunden generell Skepsis – Trotzt höherer Gebühren scheuen sie den Bankenwechsel.

Verbraucher fühlen sich durch aggressive Verkaufsstrategien bedrängt

Anderes Beispiel: Bei einem Stromanbieterwechsel schickte der Lieferant eine Vertragsbestätigung in der der Grundpreis plötzlich fast 40 Prozent höher lag als auf der Webseite – und zwar bei 6,33 Euro statt 4,59 Euro, berichten die Marktwächter. Nicht selten werden Neukunden mit günstigen Ausgangspreisen gelockt, während sich der Sonderpreis während des Buchungsprozesses erhöht oder am Ende gar nicht mehr buchbar ist.

Viele Verbraucher fühlen sich durch blinkende Aufrufe während der Suche gedrängt. So wird ihnen bei der Flugbuchung beispielsweise angezeigt, dass es angeblich nur noch zwei Sitze zu dem Preis gibt und gleichzeitig noch weitere 20 Interessenten das Angebot anschauten. Dadurch würden Kunden zum Kauf gedrängt.

Tipps von Verbraucherschützern:

Für Kunden ist es aus Sicht der Verbraucherschützer nur schwer zu erkennen, ob die Rankings durch Provisionszahlungen manipuliert sind. Doch der Verbraucher hat Chancen, sich selbst abzusichern, sagt Halm:

  • „Man sollte die Rankings mit einem Filter – zum Beispiel nach Preisen – sortieren, um tatsächlich eine korrekte Reihenfolge der günstigsten Angebote zu erhalten.
  • Jeder sollte mehrere Plattformen zum Vergleich der Ergebnisse nutzen.
  • Zudem sollte man prüfen, ob die Rankings auch alle großen Anbieter beinhalten.“
  • Gerade bei aggressiven Verkaufstechniken wie dem Hinweis auf geringe Kontingente empfiehlt Halm, Ruhe zu bewahren und lieber noch mal zu schauen, ob nicht ein anderes Portal dasselbe Angebot bietet - und dies vielleicht sogar zu einem günstigeren Preis.

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