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Überraschende Pläne von Eurowings am Flughafen Hamburg

Jets von Eurowings und des Mutter-Konzerns Lufthansa am Hamburger Flughafen.

Jets von Eurowings und des Mutter-Konzerns Lufthansa am Hamburger Flughafen.

Foto: Michael Rauhe

Billigflieger der Lufthansa erhöht Marktanteil, will weiter wachsen und fliegt 2020 acht neue Strecken. Und noch mehr ändert sich.

Hamburg.  Easyjet hat seine Basis am Hamburger Flughafen schon geschlossen, Ryanair folgt am 8. Januar – im Gegenzug wird Eurowings in Fuhlsbüttel unter den Billigfluglinien immer stärker. „Hamburg ist für uns ein sehr wichtiger Standort“, sagte Eurowings-Vertriebschef Oliver Schmitt vor dem Luftfahrt-Presseclub. „Ein Standort, den wir um jeden Preis verteidigen werden.“

Im Sommer hatte die Billigfluglinie der Lufthansa ihr Konzept geändert. Sie soll abseits der Drehkreuze Frankfurt und München Passagiere von den nächstgrößeren Airports direkt zu ihren Zielen bringen. 139 Flugzeuge sind nun an 13 Basen stationiert, vier davon sind Kernbasen – wie der Helmut-Schmidt-Flughafen. 15 Flugzeuge inklusive Crews sind hier stationiert. „Wir werden die Zahl unserer Flugzeuge um eins aufstocken und würden gern das ganze Ryanair-Programm übernehmen“, sagte Schmitt.

Im Sommer gibt es 50 Direktziele ab Hamburg

Die irische Billigfluglinie Ryanair zieht in vier Wochen nicht nur ihre beiden hier stationierten Boeing 737 inklusive Crews ab, sondern kürzt auch das Angebot. Im Sommerflugplan 2020 steuert Ryanair 14 Ziele von Fuhlsbüttel an, sieben Routen werden gestrichen. Eurowings bietet sieben ganz neue Ziele an. Sechsmal die Woche geht es nach Göteborg (Schweden), viermal nach Malaga, dreimal nach Valencia (beide Spanien), zweimal nach Prag (Tschechien) und je einmal nach Larnaka (Zypern) sowie Gran Canaria und Fuerteventura (Spanien).

Die bisherige Winterstrecke nach Oslo (Norwegen) wird auch im Sommer angeflogen, sechsmal wöchentlich. 50 Direktziele gibt es im Sommer.

Im laufenden Jahr legte die Lufthansa-Tochter in Hamburg bereits deutlich zu. Von etwa 20 stieg der Marktanteil auf 30 Prozent. Das heißt: Knapp jeder dritte Passagier fliegt Eurowings. Die Muttergesellschaft liegt bei 19 Prozent.

Zwar könnte nach dem Chefwechsel – der Sunexpress-Manager Jens Bischof wurde am Mittwoch mit Wirkung zum 1. März 2020 zum Nachfolger von Thorsten Dirks bestellt – die Strategie nochmals geändert werden, doch Schmitt erwartet, dass die Airline auch 2021 in Fuhlsbüttel wachsen werde: „Meine Hypothese ist, Hamburg wird weiter gestärkt werden.“ Durch den Ryanair-Teilrückzug sei Bewegung im Markt. „Das ist eine Chance.“

Eurowings-Flotte wird komplett auf A320neo umgestellt

Zumal Eurowings an ihren anderen drei Kernbasen bereits stärker ist als in der Hansestadt. In Köln/Bonn stehen 19 Jets mit einem Marktanteil von 47 Prozent. In Stuttgart sind es 20 Flieger bei 41 Prozent. Und in Düsseldorf stehen sogar 37 Flugzeuge bei 38 Prozent Marktanteil – allerdings sei dort auch eine gewisse Sättigung erreicht, so Schmitt.

Perspektivisch soll die Flotte nur aus einem Flugzeugtypen bestehen – einer Airbus-Maschine. „Der A320neo ist unsere Zielflotte.“ Die ersten vier dieser mit weniger Sprit auskommenden Jets sollen 2021 ausgeliefert werden, 16 weitere ein Jahr später. Die Vereinheitlichung der Flotte erleichtere den Betrieb, weil die Crews kurzfristig bei Verspätungen getauscht werden können.

Pünktlichkeit soll um zehn Prozent gestiegen sein

Bei der Pünktlichkeit habe man nach dem Chaos-Jahr 2018 Fortschritte gemacht, so Schmitt. Sie sei um zehn Prozent gestiegen. „Die Zufriedenheit unserer Kunden hängt nicht von einem Sandwich, sondern von der Pünktlichkeit ab“, sagte Schmitt. Die Verbesserung sei durch das Einplanen von fünf bis 15 Minuten längeren Flugzeiten und einer Reserve von zehn Maschinen gelungen, die bei Verspätungen einscheren – koste allerdings auch 50 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr werde die Airline wohl deutliche Verluste ausweisen.

Teilweise liege die Marge pro Ticket nur bei vier Euro. „Wenn Sie dann dem Kunden noch eine Cola für zwei Euro verkaufen, haben sie die Marge um 50 Prozent erhöht“, so Schmitt. Deshalb werde das Zusatzgeschäft immer wichtiger. Wer früher nach Hause fliegen will, weil zum Beispiel ein Termin schneller zu Ende ging als gedacht, kann dies künftig gegen einen Aufpreis von 30 Euro machen – wenn in einer früheren Maschine ein Platz frei ist. Das gilt laut Schmitt auch für den günstigen Basic-Tarif, bei dem Umbuchungen eigentlich ausgeschlossen sind.

Das Nebengeschäft ist lukrativ und wird immer wichtiger

Dieses Angebot gehört ebenso wie Koffergebühren und Bordverkauf zu dem lukrativen Nebengeschäft, das für die Fluggesellschaften immer wichtiger wird. Künftig will Eurowings unter der Veranstaltermarke Eurowings Holidays auch verstärkt Pauschalreisen, Buchungen für Mietwagen und Ausflüge sowie Versicherungen verkaufen. Mit HLX Touristik stellte man dafür nun einen neuen Partner vor.