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Hamburger Skiferien 2020: So spart man Tausende am Flug

Der Ferienkalender ist tricky: Wer in den Hamburger Skiferien 2020 einen Abflug vom Airport in Fuhlsbüttel nach Gran Canaria, Fuerteventura oder Teneriffa plant, muss oft mehr zahlen. Preise ab Stuttgart zum Beispiel sind oft niedriger.

Der Ferienkalender ist tricky: Wer in den Hamburger Skiferien 2020 einen Abflug vom Airport in Fuhlsbüttel nach Gran Canaria, Fuerteventura oder Teneriffa plant, muss oft mehr zahlen. Preise ab Stuttgart zum Beispiel sind oft niedriger.

Foto: Andreas Laible

Der Abflug vom Airport Hamburg im März ist teuer. Wer flexibel ist, kann in den Skiferien 2020 sparen. Hintergründe und Tipps.

Hamburg.  Für die Benders* ist es eine Premiere. Nachdem die Tochter im August eingeschult wurde, ist die Familie erstmals an die Schulferien gebunden. Den Haupturlaub 2020 planen die Hamburger in den Frühjahrsferien. Zwei Wochen auf Fuerteventura sind im Visier, im Vier-Sterne-Hotel mit Halbpension. Bei der TUI müssen das Ehepaar und seine zwei Kinder für das günstigste Pauschalangebot mit Direktflügen ab Fuhlsbüttel auf die spanische Insel 4913 Euro inklusive Hoteltransfer zahlen. Ein stolzer Preis – doch wer flexibel ist, kann viel Geld sparen. In dem Beispielfall mehr als 1800 Euro oder bis zu 37 Prozent. Flüge allein kosten gut das Fünffache. Das Abendblatt zeigt, wie der Urlaub günstiger wird, und erklärt die Hintergründe.


Warum ist es ab Hamburg so teuer?

Das hängt natürlich mit den Schulferien zusammen. Hamburg ist das einzige Bundesland, das Anfang März die Schulen schließt. Alle anderen Bundesländer packen die Frühjahrsferien rund um das Osterfest, das 2020 im April liegt. „Traditionell bestimmt in den meisten Branchen die Nachfrage das Angebot, so auch in der Reisebranche“, sagte eine TUI-Sprecherin auf Anfrage. Anders gesagt: Weil viele Kunden in der Hansestadt an diese Reisezeit gebunden sind, wird es teuer.

„Die Flüge werden auf jeden Fall voll, daher können die Airlines höhere Preise durchsetzen“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg dem Abendblatt. „Diese einzelnen Flüge bringen den Airlines sicherlich eine ordentliche Marge – aber das muss auch so sein, um die Schwächen im Jahresverlauf auszugleichen.“ Denn die Luftfahrt ist ein sehr zyklisches Geschäft. Geld wird vor allem im Sommer verdient.


Warum werden die Kapazitäten ab Hamburg nicht einfach erhöht?

Die Airlines erstellen einen Sommer- und Winterflugplan, den sie an das geänderte Flugverhalten der Passagiere anpassen. Grundsätzlich sind sie bestrebt, im Winter für den kompletten Zeitraum von Ende Oktober bis Ende März ein stabiles Angebot zu gewährleisten. TUI teilte mit, dass man vorausschauend in den Ferienzeiten die Kapazitäten aufstocke und diese bei starker Nachfrage auch noch kurzfristig erweitere.

„Die Airlines können aber nicht unendlich viele Sonderflüge anbieten“, sagt Schellenberg. Zumal sich für die Fluggesellschaften ein gravierendes Problem ergibt: „Am 29. Februar und Anfang März 2020 wären die Maschinen ab Hamburg in Richtung Kanaren sicherlich nahezu ausgebucht, aber die Rückflüge wären fast leer“, sagt der Luftfahrtexperte. Zehn Tage später sei die Situation genau andersherum. Eine weitere Kapazitätsausweitung rechne sich daher für die Airlines nicht.


Sind vor allem die Kanaren von Preisaufschlägen betroffen?

„Die Kanaren bieten eine Wetter- und Wärmegarantie und sind daher für Sonnenliebhaber das beliebteste Urlaubsziel in dieser Jahreszeit“, sagt Schellenberg. Zumal Konkurrenten mit ähnlichen klimatischen Bedingungen wie Tunesien und Ägypten aufgrund der unsicheren politischen Lage von vielen Touristen gemieden werden. 2018 schafften es drei Kanaren-Inseln in die Top 10 der beliebtesten Urlaubsziele ab Hamburg: Gran Canaria auf Platz drei, Teneriffa auf fünf und Fuerteventura auf sechs. 2020 wird zudem das Angebot ab Fuhlsbüttel knapper.

In diesem Jahr fanden in den beiden Märzferienwochen 87 Starts gen Kanaren statt. 2020 sollen es nach derzeitiger Planung nur 73 Abflüge sein, teilte Hamburg Airport auf Anfrage mit. Der irische Billigflieger Ryanair streicht Gran Canaria als Ziel, damit fallen auf einen Schlag fünf Abflüge dorthin weg (siehe Grafik). Die Flüge auf die Inselgruppe vor Afrikas Küste gelten als problematisch. „Die lange Flugzeit von rund fünf Stunden erschwert es den Airlines, die Maschine noch auf einer anderen Strecke an dem Tag einzusetzen“, sagt Schellenberg. Deshalb müsste das Flugzeug auf einem Hin- und Rückflug das notwendige Geld verdienen, während sonst mehrere Umläufe möglich sind. Das treibt die Preise.


Gibt es günstige Alternativen?

Zwar steigen generell in den Märzferien ab Hamburg die Preise für Flüge in die besonders beliebten Urlaubsregionen. „Es gibt aber auch attraktive Ziele insbesondere im Mittelmeerraum, die mit Linienflügen zu erreichen sind“, sagt Schellenberg. Auf diesen Routen fallen in den Ferien viele Geschäftsreisende weg. Daher könnten die Preise auf diesen Strecken sogar sinken. Schließlich stünden die Airlines im Wettbewerb und müssten ihre Maschinen voll bekommen. Skifahrer hätten den Vorteil, dass es zum Beispiel in der Alpenregion – neben der Anreise mit Zug oder Auto – viele Zielflughäfen wie München, Basel und Innsbruck gebe, sagt Schellenberg: „Das verteilt sich besser und dämpft die Preisentwicklung.“

Würden Sie von einer anderen Stadt als Hamburg in den Urlaub fliegen, um Geld zu sparen?


Was kostet die Fuerteventura-Reise von anderen Flughäfen?

Die Fuerteventura-Reise mit den identischen Eckdaten (dasselbe Hotel, derselbe Zeitraum, Halbpension, zwei Erwachsene, zwei Kinder, Direktflüge und Hoteltransfer) gibt es ab Stuttgart für 3101 Euro – 1812 Euro oder fast 37 Prozent günstiger als ab Hamburg. Ein Einzelfall? Nein: Ab Nürnberg starten die Angebotspreise bei 3159 Euro, ab München sind es 3189 Euro, ab Frankfurt 3282 Euro und ab Köln/Bonn 3311 Euro. Auch im Norden gibt es günstigere Angebote: Ab Hannover kostet der Urlaub in billigsten Fall 4001 Euro, ab Bremen sind es 4186 Euro.

Bei anderen Buchungsportalen und Reiseveranstaltern ergeben sich ähnliche Preisdifferenzen in Abhängigkeit vom Abflug-/Zielort. Auch wenn man andere Hotels wählt, sieht man den „Hamburg ist teuer“-Effekt. Betrachtet man die Flüge allein, sind die prozentualen Aufschläge noch größer. Eurowings verlangt ab Köln/Bonn im Vergleich zu Hamburg gut das Doppelte. Condor ruft ab Hamburg 600 Euro für Hin- und Rückflug pro Person auf, ab Stuttgart sind es 110. Bei Tuifly sind es 850 statt 130 Euro – plus 550 Prozent. Koffer kosten extra. Früher war Flug und Hotel einzeln buchen häufig günstiger. In dem Falle wäre die ab Hamburg zusammengestellte Reise Hunderte Euro teurer als das Pauschalangebot.


Was muss man bei der Abreise von anderen Flughäfen beachten?

Alle aufgeführten Angebote haben noch eines gemeinsam: Der Zug zum Flug ist im Preis inklusive. Die Kunden zahlen ihn also, auch wenn sie das Bahnticket nicht nutzen. Heißt im Umkehrschluss: Bei der Anfahrt zu anderen Flughäfen werden außer eventueller Sitzplatzreservierungen für die Bahnfahrt in der 2. Klasse keine weiteren Kosten fällig.

„Für alle, die mobil sind, ist es sinnvoll, nach Verbindungen aus anderen Bundesländern zu schauen“, sagt Schellenberg. Das gelte übrigens auch für die Herbstferien. Selbst die TUI-Sprecherin rät zu diesem Vorgehen: „Wer eine Reise ab einem Bundesland bucht, in dem zum gewünschten Zeitpunkt keine Ferien sind, kann das Urlaubsbudget schonen. Unsere Empfehlung ist es daher, das Zug-zum-Flug-Ticket zu nutzen.“


Wie funktioniert das Zug-zum-Flug-Ticket?

Bei allen TUI-Paketreisen ist das Zug-zum-Flug-Ticket im Preis enthalten – das gilt auch für viele andere Pauschalreiseangebote. Bei der Mehrheit der Pauschalreisen sei das Zug-zum-Flug-Ticket inklusive, schätzt der Deutsche Reiseverband. Bei anderen Anbietern heißt es zum Beispiel Rail&Fly. Das Bahnticket sei sowohl am Abflugtag als auch einen Tag zuvor gültig, so die TUI-Sprecherin. Bei der Rückreise gelte es am Rückflugtag und einen Tag später.

Der Nachteil: Wer ab Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg, München oder Köln/Bonn fliegt, muss aufgrund des frühen Hinflugs und der langen Zugfahrt schon am Vortag anreisen und eine Hotelübernachtung zahlen. Auch nach dem Rückflug wird meist eine Übernachtung fällig. Urlauber müssen zudem auf eine frühe Anreise achten und Zugverspätungen einkalkulieren. So entschied das Amtsgericht Frankfurt, dass die planmäßige Ankunftszeit des Zuges einen Check-In mindestens drei Stunden vor der eigentlichen Abflugzeit ermöglichen muss (Az. 32 C 1966/17).

Familie Bender erwägt nun ab Frankfurt in die Märzferien zu starten. Deutschlands größter Flughafen bietet – ebenso wie Düsseldorf – den Vorteil, dass ICEs direkt am Airport halten und losfahren. Die Fahrtzeit auf der Schiene ist mit knapp vier Stunden vertretbar. Hotelzimmer gibt es in Airport-Nähe für die vier Personen ab 80 Euro pro Nacht – das würde unterm Strich eine Ersparnis von mehr als 1400 Euro bringen.