Weihnachtsgebäck

Dieser Dominostein aus Hamburg ist einzigartig

Präsentiert seine neuen handgemachten Dominosteine mit Williams-Christ-Marmelade: der Keksbäcker Jürgen Tandetzki.

Präsentiert seine neuen handgemachten Dominosteine mit Williams-Christ-Marmelade: der Keksbäcker Jürgen Tandetzki.

Foto: Andreas Laible

"Der Keksbäcker" will sich mit seiner Kollektion von der Einheitsware abheben. Das Abendblatt hat die Spezialität getestet.

Hamburg. Schnell noch eine Online-Bestellung verpacken, dann kommt er von der Backstube in den Laden geeilt, umgeben von einer Wolke aus Keksduft. In der Hand hält er einen Teller mit Zimtsternen, Bärentatzen, Apfelherzen und natürlich Dominosteinen. Denn die Dominosteine mit Williams-Christ-Marmelade hat Jürgen Tandetzki (55) gerade neu entwickelt –gemeinsam mit einem Freund, der eine Marmeladen-Manufaktur betreibt. Nachdem dieser bereits seit Jahren Marmelade mit einem speziellen Bindemittel (Pektin) für den Hamburger Keksbäcker hergestellt hat, entstand die Idee zu dem Dominostein Birne Helene mit Zimt – der einzigartig sein soll.

„In Deutschland gibt es nur drei Hersteller von Dominosteinen, die alle große Ketten und Marken beliefern“, sagt Tandetzki. Sein Anspruch: „Einen Dominostein kreieren, der sich deutlich von der Einheitsware in den Supermärkten unterscheidet.“ Bereits vor Jahren hatte „Der Keksbäcker“, wie sein Unternehmen heißt, für kleine Konditoreien produziert – damals allerdings noch mit deren eigener Marmelade. Nachdem er auf einer Messe jedoch die Faller Schwarzwald Marmeladen Manufaktur kennengelernt hatte, entstand die Idee zur eigenen Dominostein-Kollektion.

Sieben verschiedene Sorten

Inzwischen gibt es sieben verschiedene Sorten – von Nougat über Himbeere und Schwarzwälder Kirsch bis hin zu Pflaume, Holunder und eben Birne. Das Besondere: „Wir verwenden vier statt drei Schichten“, so Tandetzki und zählt auf: „Erst Lebkuchen, dann Marmelade, wieder Lebkuchen und zum Schluss ein Marzipandeckel, damit der Schokoladen-Überzug nicht im Lebkuchen versickert, sondern schön knackig wird.“

Tandetzki steht auf, geht in die 200 Quadratmeter große Backstube. Überall wuseln Mitarbeiter herum. Kekse werden ausgestochen, mit Buttercreme gefüllt, mit Marmelade bestrichen und mit Schokolade überzogen. Es ist Hochbetrieb in der Weihnachtsbäckerei. Normalerweise arbeiten hier 35 Personen, im November und Dezember sind es 55 im Zweischichtsystem. „Sonst wäre die Arbeit nicht zu schaffen“, sagt Tandetzki und geht zu der Schokoladen-Überzug-Maschine, in die gerade die Dominosteine gelegt werden – einzeln mit der Hand.

Altes Familienrezept

Gestern Abend wurde der Lebkuchen bereits gebacken – nach einem alten Familienrezept, dann über Nacht gekühlt, damit er Feuchtigkeit zieht. „Heute wird er gefüllt und mit Schokolade überzogen“, sagt Tandetzki und zeigt, wie die kleinen Bauwerke auf einem Transportband durch eine Art Schokoladen-Wasserfall laufen und glasiert werden. Hunderte, Tausende. Zehntausende werden es bis Weihnachten sein.

In der Hauptsaison kommt der Keksbäcker auf rund vier Tonnen Kekse – pro Woche! Mit seinem Gegenentwurf zur industriellen Keksproduktion hat sich Tandetzki einen Namen gemacht. Nachdem er und seine Frau das 1914 gegründete Familienunternehmen übernommen hatten, stellten sie den Bäckerbetrieb mit sechs Filialen auf eine Keks-manufaktur um. „Wir hatten erlebt, dass die kleinen Bäckereien von großen Filialisten verdrängt wurden – und haben uns eine Nische gesucht, in der wir weiter existieren können“, so Tandetzki, der Bäckermeister und Konditor ist.

Auch die Confiserie-Kette Arko ist bereits Kunde

Mit seinen handgemachten Keksen konnte er nicht nur viele Bäckereien oder die Confiserie-Kette Arko als Kunden gewinnen, sondern auch Einzelhändler sowie Hotels, Firmen und das Hamburger Rathaus, wo es die Kekse bei Besprechungen und Konferenzen gibt. Sogar der Verkaufssender QVC hat die Keksspezialitäten in sein Programm aufgenommen und schickt Tandetzki siebenmal pro Jahr auf Sendung. Meistens sind die Kekse schon während der Sendung ausverkauft.

„Wer keine Möglichkeit hat, die Kekse im Handel oder beim Bäcker zu bekommen – der kauft sie eben über das Fernsehen oder Internet“, sagt der 55-Jährige. Auch wenn er sich selbst nie vorstellen konnte, dass das E-Commerce auch mit Keksen funktioniert. Aber da es seine Produkte für Kunden vorwiegend im Großraum Hamburg gibt, hätten Menschen in anderen Teilen Deutschlands keine andere Möglichkeit.

Im Moment verlassen 50 bis 100 Pakete mit Bestellungen die Backstube – jeden Tag. Wenn er Teig anrührt, sind es immer gleich 40 Kilo – pro Sorte. In der Bäckerei stapeln sich Mehl- und Zuckersäcke à 15 Kilo. Auf dem Arbeitstisch ist Teig für Zimtsterne ausgerollt. Tan­det­zki schneidet ein Stück ab, testet, nickt. Zimtsterne sind nicht leicht zu machen. Er geht zurück ins Büro. Hier arbeitet er mit seiner Tochter. Eine der beiden ist bereits im Unternehmen. Und die andere? Tandetzki lacht. Abwarten! Neben seinem Schreibtisch steht ein Hundekorb. Der Name des Vierbeiners: Cookie!

Lecker, aber sehr teuer

  • Das Produkt: Bei den Dominosteinen Williams Christbirne handelt es sich um eine Lebkuchen-Spezialität. Im Gegensatz zu den meisten anderen Weihnachtswürfeln bestehen die Dominosteine vom Keksbäcker jedoch nicht aus drei Schichten, sondern aus vier Schichten (Lebkuchen, Marmelade, Lebkuchen und Marzipan), die mit Schokolade überzogen werden. Alle Schichten werden in Handarbeit hergestellt.
  • Nährwertangaben: 100 Gramm haben 385 Kalorien und 39 Gramm Zucker. Zum Vergleich: Ein Schoko-Dominostein aus dem Discounter hat auf 100 Gramm etwa 61 Gramm Zucker.
  • Verfügbarkeit/Preis: Die Dominosteine gibt es bei Edeka-Händlern sowie online (www.der-keksbaecker-shop.de). 150 Gramm (acht Stück) kosten 5,10 Euro.
  • Geschmack/Konsistenz: Eindeutig anders als die Vergleichsprodukte aus dem Discounter. Die Dominosteine sind größer, die Glasur ist aufgrund der nicht industriellen Produktion ungleichmäßiger. Das Aussehen ist appetitlich und durchaus ansprechend, der Geruch derweil dezent. Was sofort auffällt: Die Schokolade knackt schön beim Reinbeißen, und die Dominosteine schmecken nicht so süß und nicht so künstlich wie viele andere. Die Konsistenz des Marmeladen-Gelees wurde als nicht so glibberig und als angenehm empfunden. Der Geschmack der Williams-Christbirne war einigen Testern nicht intensiv genug.
  • Fazit: Lecker – aber teuer. Auch wenn der Geschmack alle überzeugte, so waren sich die meisten einig, dass ihnen der Preis – wie fast immer bei Manu­faktur-Produkten – zu hoch ist. Für besondere Anlässe und als Geschenk genau richtig, aber für den regelmäßigen Verzehr nicht geeignet. Einen großen Vorteil gibt es allerdings: Da die Dominosteine größer und teuer sind als andere, nascht man von ihnen höchstens ein oder zwei – und nicht ein halbes Dutzend! Unser Urteil: 4 von 5 Sternen