Hamburger Sparkasse

Haspa-Chef: In diesen Stadtteilen sollten Sie investieren

Haspa-Chef Harald Vogelsang mit Manni, der Maus.

Haspa-Chef Harald Vogelsang mit Manni, der Maus.

Foto: Michael Rauhe

Vorstandssprecher Harald Vogelsang über die richtige Geldanlage, hohe Maklercourtagen und die Zukunft des Filialnetzes.

Hamburg.  Wie legt man sein Geld für das Alter in der Niedrigzinsphase am besten an? Und warum bekommen womöglich die Kleinsten auf dem Mäuse-Konto bald eine geringere Rendite? Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang im Abendblatt-Interview.

Herr Vogelsang, das Unternehmen, das Sie leiten, ist eine Sparkasse. Ist in Zeiten der Nullzinsen das Sparen aber denn überhaupt noch sinnvoll?

Harald Vogelsang: Das ist es auf jeden Fall. Es ist sogar wichtiger denn je, etwas für das Alter zurückzulegen, weil die staatlichen Renten immer weniger Menschen einen finanziell gesicherten Ruhestand ermöglichen werden. Wer heute nichts zurücklegt, hat im Alter zu wenig. Aber auch aus anderen Gründen ist Sparen sinnvoll. Wer sich eine Waschmaschine auf Kredit kaufen muss, nachdem das alte Gerät kaputt gegangen ist, zahlt am Ende das Doppelte dafür.

Die Europäische Zentralbank und die Regierungen verfolgen mit der Nullzinspolitik aber das Ziel, dass gerade nicht gespart, sondern konsumiert und investiert wird, um die Konjunktur anzukurbeln. Stellen Sie sich mit ihrer Auffassung also gegen die EZB?

Wir sehen jedenfalls nicht, dass der von der EZB angestrebte Effekt eintritt. Ein Unternehmer wird ja nicht allein deshalb investieren, weil die Zinsen niedrig sind. Stattdessen steigen die Preise in einigen wenigen Vermögensklassen deutlich. Das betrifft nicht zuletzt die Immobilien, was das Wohnen stark verteuert und viele Menschen im Alter noch weiter belastet. Der Kollateralschaden dieser Zinspolitik ist gigantisch.

Was müsste denn aus Ihrer Sicht geschehen, um diese Schäden abzufedern?

Es hilft jedenfalls nicht, eine Transaktionssteuer auf Aktien einzuführen. Der Bund sollte besser einen Teil der rund 400 Milliarden Euro, die er bisher durch die Niedrigzinsen einspart hat, in Form einer Vermögensbildungsförderung an die Bürger zurückgeben. Das kann durch Zulagen wie beim Bausparen getan werden, aber auch durch niedrigere Kapitalertragssteuern. Das ließe sich leicht so zuschneiden, dass nicht auch Menschen mit hohen Einkommen oder großen Vermögen von der Förderung profitieren.

Wie können die Hamburger angesichts der Niedrigzinsen und der hohen Immobilienpreise noch sinnvoll Geld fürs Alter anlegen?

Eine selbst genutzte Immobilie ist immer eine gute Altersvorsorge. Außerdem sollte man in monatlichen, gleichbleibenden Raten am besten über viele Jahre in Wertpapiere investieren. Damit verpasst man nicht den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg und kann Schwankungen ausgleichen. Die Unternehmen werden voraussichtlich auch in den nächsten Jahren ordentliche Dividenden zahlen, was in die Wertentwicklung von Fonds eingeht. Als kleine Beimischung kann man echtes Gold hinzunehmen. Sein Wert schwankt zwar stark, hat sich aber über einen längeren Zeitraum ähnlich gut entwickelt wie die Aktienkurse. Auch hier gibt es die Möglichkeit, über einen Goldsparplan regelmäßig mit kleinen Beträgen zu investieren.

Was sollte man bei der Finanzierung und dem Kauf einer Immobilie in der Metropolregion Hamburg beachten?

Käufer sollten mindestens zehn Prozent Eigenkapital mitbringen und auch die Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Notargebühren und Maklercourtage, die zusammen in der Regel zehn bis zwölf Prozent des Immobilienwerts ausmachen, aus eigenem Geld zahlen können. Wenn man nicht unbedingt auf ein Objekt in einer der gefragtesten und damit teuersten Lagen festgelegt ist wie rund um die Außenalster, an der Elbe oder in Teilen von Eppendorf, Eimsbüttel oder Ottensen gibt es zentrumsnahe, aufstrebende Stadtteile mit noch vergleichsweise moderaten Immobilienpreisen, zum Beispiel Hamm, Horn, Rothenburgsort oder auch Wilhelmsburg. Etwas weiter außerhalb liegen Lurup, Rahlstedt oder Groß Borstel, die ebenfalls gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden sind. Diese Stadtteile werden sich in den nächsten Jahren gut entwickeln.

Die Maklercourtage bemisst sich am Kaufpreis, hat sich also über die zurückliegenden zehn Jahre ungefähr verdoppelt. Kauft man heute über den Haspa-eigenen Makler Grossmann & Berger eine Immobilie für 500.000 Euro, beträgt die Courtage gut 31.000 Euro. Ist das gerechtfertigt, obwohl sich Wohnungen und Häuser doch heute eher leichter verkaufen lassen als früher?

Es gibt einzelne Objekte, bei denen das so ist. Häufig ist der Vermarktungszeitraum aber auch lang. Außerdem müssen Makler heute auf viel mehr Kanälen aktiv sein als früher. Und manche Leistungen sieht der Kunde nicht auf den ersten Blick. So bringt sich ein Makler wie Grossmann Berger bereits bei der Planung von neuen Wohnanlagen aktiv ein und hält einen eigenen Showroom vor, in dem Einrichtungen und Ausstattungen von Küche oder Bad gezeigt werden können. Das hilft den Kunden bei der Entscheidung für eine Wohnung, die sich noch im Bau befindet.

Halten Sie es für richtig, dass noch immer der Käufer die Gebühr zahlen muss? Bei Mietwohnungen ist das ja anders; das zahlt nicht mehr der Mieter, sondern der Immobilienbesitzer, der den Makler beauftragt hat.

Darüber sollten Sie besser mit den Fachleuten bei Grossmann & Berger sprechen.

Wie sieht es mit der Aktien- und Fondsnachfrage der Haspa-Kunden aus?

Sie hat sich im Vergleich zu früheren Zeiten positiv entwickelt. Generell gab es in Deutschland im vorigen Jahr so viele Aktienbesitzer wie zuletzt 2007. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Aktienkultur aber noch immer viel zu schwach ausgeprägt.

Kauft man bei der Haspa für 10.000 Euro Aktien, muss man 75 Euro Gebühren zahlen. Bei einer Direktbank sind es oft weniger als 30 Euro. Warum ist die Haspa so teuer?

Wenn man, wie wir empfehlen, über einen langen Zeitraum gleichmäßige Beträge investiert, haben diese Nebenkosten auf das Anlageergebnis fast keine Auswirkungen. Im Branchenvergleich zählen wir bei den Konditionen für kleine Depotumfänge außerdem zu den günstigsten. Und im Unterschied zu den Direktbanken bieten wir ein Netz von Filialen, in denen sich die Kunden zu Wertpapierinvestments persönlich beraten lassen können. Nach unserer Erfahrung möchten die meisten Menschen nicht ohne vorherige Beratung erstmals am Aktienmarkt tätig werden.

Aktuell hat die Haspa knapp 130 Filialen, bis zum Jahr 2024 sollen es nur noch 100 sein. Können Sie diese Zahl angesichts des schwierigen Marktumfelds dann halten?

Wir investieren 30 Millionen Euro in die Umgestaltung dieser 100 Filialen auf das neue Konzept des Nachbarschaftstreffs bis Ende 2020. Alle umgestalteten Filialen sollen für mindestens zehn Jahre erhalten bleiben.

Wie geht es Ihrer Meinung nach mit den Zinsen weiter?

Mit der Entscheidung für die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist es relativ klar, dass die Zinslandschaft auf absehbare Zeit so bleibt, wie sie ist. Für uns und die Bankenbranche insgesamt sind die Negativzinsen, die wir an die EZB zahlen müssen, eine enorme Belastung. In diesem Zusammenhang überlegen wir, den Zinssatz auf unserem Mäuse-Konto für Kinder von bisher drei Prozent auf zwei Prozent zu senken – was im Marktvergleich immer noch eine sehr hohe Verzinsung wäre.

Auch die Haspa nimmt von wohlhabenden Kunden, die mehr als 500.000 Euro auf dem Konto haben, einen Negativzins. Wird diese Schwelle womöglich gesenkt?

Bisher sind bei uns nur ganz wenige Kunden von dem Negativzins betroffen. Wir werden versuchen, ihn von der breiten Privatkundschaft fernzuhalten, solange das geht. Auch wenn uns das jeden Tag sehr viel Geld kostet, kann ich mir als Vorstandssprecher einer Sparkasse überhaupt nicht vorstellen, für alle Kunden Negativzinsen einzuführen.