Golfbekleidungsspezialist

Sportmode-Hersteller Golfino in der Insolvenz

Golfino-Filiale im Hamburger Hof am Jungfernstieg

Golfino-Filiale im Hamburger Hof am Jungfernstieg

Foto: Hanna-Lotte Mikuteit

Das Glinder Unternehmen ist nach 34 Jahren zahlungsunfähig. 268 Mitarbeiter sind betroffen. So geht es jetzt weiter.

Hamburg/Glinde.  Schlechte Nachrichten für Golfspieler: Der Mode-Hersteller Golfino aus Glinde bei Hamburg hat Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung angemeldet. Der Antrag sei beim zuständigen Amtsgericht Reinbek eingereicht und bewilligt worden, heißt es in einer Mitteilung, die dem Abendblatt vorliegt.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder von der Hamburger Kanzlei Johlke, Niethammer & Partner eingesetzt. „Die Fortführung des Geschäftsbetriebs, der Fortbestand des Unternehmens und die Sicherung von Arbeitsplätzen sind unsere vorrangigen Ziele“, sagte Schröder nach einem ersten Besuch in der Zentrale. Betroffen sind insgesamt 268 Mitarbeiter in der weltweit agierenden Gruppe. Der Betrieb läuft weiter.

Golfino wurde 1985 gegründet

Das Ehepaar Christel und Bernd Kirsten hatte Golfino 1985 gegründet. Die Modedesignerin und der Volkswirt, die bis heute je 50 Prozent der Anteile halten, nutzten das wachsende Interesse an dem Sport nach dem US-Masters-Sieg des deutschen Weltklasseprofis Bernhard Langer 1985. Das Label spezialisierte sich auf Strickbekleidung für Golfer, die auch im Alltag tragbar ist. Inzwischen bringt Golfino jedes Jahr mehrere Kollektionen auf den Markt. Produziert wird unter anderem in einem eigenen Werk in Porto (Portugal). Das Familienunternehmen gilt als europäischer Marktführer für Golfbekleidung. In den vergangenen Jahren hatte die Gruppe ein konstantes Umsatzniveau in Höhe von etwa 36 Millionen Euro ausgewiesen.

Der Einbruch kam im vergangenen Geschäftsjahr. „Erst zum zweiten Mal in der 33-jährigen Firmengeschichte war ein Verlust aufgetreten“, heißt es in der Mitteilung. Nach Angaben im Bundesanzeiger hatte die Golfino AG im Abschluss 2017/18 Umsätze von 34,38 Millionen Euro ausgewiesen, knapp 1,6 Millionen Euro weniger als im Jahr davor. Allerdings lag der Verlust bei mehr als fünf Millionen nach einem Gewinn von 300.000 Euro.

Suche nach einem Investor

Daraufhin hatte der Vorstand gemeinsam mit einer Beratungsfirma an einem Sanierungsplan gearbeitet und nach einem Investor Ausschau gehalten. Allerdings hatten die Banken nach Brancheninformationen angesichts einer negativen Prognose für das laufende Geschäftsjahr abgewinkt und den Geldhahn zugedreht. Nach Firmenangaben waren „operative Krisenauslöser Umsatz- und Rohertragsrückgänge aus Einmaleffekten“. Außerdem belasteten nicht operative Einmaleffekte das Geschäft. Der Vorstand des Unternehmens und der vorläufige Insolvenzverwalter sehen jetzt gute Chancen für eine Fortführung der Geschäfte. Vor allem der Onlinehandel wachse nach einem Relaunch des Internetshops weit über der Marktentwicklung. Die Inhaber wollten sich auf Anfrage nicht zu der Situation des Unternehmens äußern.

Die Bezahlung der Mitarbeiter ist zunächst über die Insolvenzgeldfinanzierung gesichert. Zur Gesellschaft gehören neben dem Mutterunternehmen in Glinde mit 208 Mitarbeitern fünf Tochtergesellschaften unter anderem in den USA und China mit insgesamt 60 Mitarbeitern. Weltweit betreibt Golfino 40 Markenläden und Outlets. In Hamburg gibt es einen Shop in der Einkaufspassage Hamburger Hof am Jungfernstieg sowie Shop-in-Shop-Lösungen bei Karstadt Sport und im Golf House Hamburg an der Hammerbrookstraße.