Flughafen Hamburg

Hamburger Ryanair-Piloten müssen ins Ausland wechseln

Michael O'Leary ist Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair.

Michael O'Leary ist Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair.

Foto: dpa

Irische Billigfluglinie schließt Basis am Hamburg Airport – für die dort stationierten Piloten gibt es weitere schlechte Nachrichten.

Hamburg.  Mitte Oktober war es eine große Überraschung in der Luftfahrt: Ryanair will die Basis am Hamburger Flughafen zum 8. Januar 2020 schließen. Zwei Flugzeuge vom Typ Boeing 737 plus Crews sind seit November 2016 in Fuhlsbüttel stationiert. „Wir arbeiten hart daran, die Auswirkungen auf unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu minimieren“, teilte das Unternehmen damals mit. Doch das Personal steht vor einschneidenden Veränderungen.

Derzeit sind an der Basis in Hamburg 20 Piloten stationiert, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf Abendblatt-Anfrage mit. Darunter befinden sich neun Kapitäne und elf Erste Offiziere, im allgemeinen Sprachgebrauch Co-Piloten. Laut Branchenportal Aerotelegraph erhielten sie vor Kurzem ein Schreiben von Ryanair mit weiteren schlechten Nachrichten. Die angegebenen Präferenzen für den Wechsel an andere Basen seien geprüft worden. Aber leider ließen sich die Wünsche nicht erfüllen. Das liege am Abbau der Kapazität im Winter und an einem Überhang an Piloten, hieß es. Alternative Standorte in Deutschland gibt es nicht.

Hamburger Ryan-Piloten mussten sich kurzfristig entscheiden

Den in Hamburg stationierten Piloten seien Wechsel innerhalb Europas nach Bukarest (Rumänien), London Southend, East Midlands (nahe Nottingham; beide England), Edinburgh, Glasgow-Prestwick (beide Schottland), Alicante, Malaga (beide Spanien) und Faro (Portugal) angeboten worden, teilte Cockpit dem Abendblatt mit. Auch zwei Standorte außerhalb Europas brachten die Iren ins Spiel: Marrakesch und Fes in Marokko – laut Aerotelegraph aber nur für zwölf Monate. An den Standorten East Midlands, Faro und Prestwick gebe es einige 75-Prozent-Anstellungen, wie es hieß.

Viel Zeit ließen die Iren ihren Mitarbeitern für die Entscheidung nicht. Die sehr kurz angesetzte Frist lief bereits am 12. November ab – also nicht einmal einen Monat nach Ankündigung der Schließung. Eine Verlängerung der Frist gab es nicht. Wie die Piloten nun weiter vorgehen wollen, ist noch offen. Cockpit konnte keine Angaben dazu machen.

Auch in Spanien sollen vier Ryanair-Basen geschlossen werden

Ryanair äußerte sich auf Abendblatt-Anfrage nicht zu der Situation in Hamburg. Mitte Oktober begründete das Unternehmen das Aus für die Basis auch mit der derzeit gestoppten Auslieferung neuer Boeing-Flugzeuge. Bis zu 30 Maschinen des Typs 737 Max, der derzeit nach zwei Abstürzen mit fast 350 Toten ein weltweites Flugverbot hat, erhalten die Iren verspätet. Deshalb würden „in diesem Winter eine Reihe von defizitären Ryanair-Basen abgebaut oder geschlossen“, so Ryanair. Welche das sind, beantwortet das Unternehmen nicht.

Nach Medienberichten trifft es vor allem Spanien: Teneriffa-Süd, Gran Canaria, Lanzarote und Girona sollen Ende des Jahres geschlossen werden. Rund 400 Mitarbeiter dürften betroffen sein. Ende 2018 schloss Ryanair nach elf Jahren die Basis in Bremen. Dort waren insgesamt 90 Beschäftigte betroffen.

Die Passagiere in Hamburg haben etwas mehr Klarheit. Vom Helmut-Schmidt-Flughafen sollen mit dem Sommerflugplan noch 14 Ziele angeflogen werden. Sieben Verbindungen werden hingegen gestrichen: Faro, Lissabon (Portugal), Zadar (Kroatien), Gran Canaria, Oslo-Torp (Norwegen), Verona (Italien) und Krakau (Polen).