Geldanlage

Teures Gold – lohnt sich der Einstieg noch?

Lohn sich der Einstieg in die Geldanlage Gold noch?

Lohn sich der Einstieg in die Geldanlage Gold noch?

Foto: CHROMORANGE/picture allicance

Wie es nach dem starken Preisanstieg mit dem Edelmetall weitergeht. Tipps für Anleger von Experten. Wo drohen Kostenfallen?

Hamburg.  Der Goldpreis hat in diesem Jahr für eine Überraschung gesorgt. Ohne dass es in der Weltpolitik oder in der Wirtschaft große Krisen gab, verteuerte sich das Edelmetall – in Euro gerechnet – seit Jahresanfang um rund 20 Prozent. In Dollar beträgt der Preisanstieg 14 Prozent.

Die Null- und Negativzinspolitik der Notenbanken hat das Edelmetall wieder attraktiv gemacht. Aber was müssen Anleger bei der Goldanlage beachten? Lohnt der Einstieg noch? Welche Münzen und Barren werden am stärksten nachgefragt? Wo drohen Kostenfallen? Das Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum ist der Goldpreis zuletzt so deutlich gestiegen?

Die Kombination von Negativzinsen und Furcht vor einer Rezession hat in den vergangenen Monaten für einen deutlichen Anstieg des Goldpreises gesorgt. In Euro gerechnet erreichte die Feinunze Gold (31,1 Gramm) im August ein historisches Hoch von 1394 Euro. Inzwischen hat der Preis wieder etwas nachgegeben und liegt bei rund 1340 Euro. „Vor allem institutionelle Anleger wie Vermögensverwalter haben in goldgedeckte börsengehandelte Indexfonds investiert, und auch die Notenbanken kauften in größerem Umfang Gold“, sagt Benjamin Summa vom Edelmetallhändler Pro Aurum. So kauften Russland und die Türkei in den ersten acht Monaten des Jahres jeweils mehr als 100 Tonnen des Edelmetalls (siehe Grafik).

Auch der Handelsstreit zwischen den USA und China ist nicht ausgeräumt und die Verschuldungssituation einiger Staaten in der Eurozone hat sich nicht gebessert. Allein im vergangenen Jahr haben die Euro-Staaten zusammen rund 100,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Schulden gemacht. Insgesamt haben die 19 Mitglieder der Währungsunion Verbindlichkeiten von 9,930 Billionen Euro angehäuft. Nur die gute wirtschaftliche Entwicklung hat diese Entwicklung überdeckt, weil die Wirtschaftleistung der Staaten stärker gestiegen ist als der Umfang der Kredite zu ihrer Finanzierung. Wenn aber die Wirtschaft wieder schrumpft, werden Haushaltsdefizite und Schulden schnell steigen.

Wie haben die Anleger auf den Preisanstieg reagiert?

„Wenn die Preise steigen, haben wir mehr Verkäufer als Käufer“, sagt Summa. Wer Gold erwerben will, ist sehr preissensibel und stellt Käufe bei stark steigenden Preisen zurück. Das bestätigt auch die Hamburger Sparkasse „Viele Goldbesitzer nutzen die hohen Preise, um jetzt mit Gewinn zu verkaufen“, sagt Stefan Rose, Leiter Edelmetallhandel bei der Haspa. Insgesamt verkaufe die Haspa aber mehr Gold als sie ankaufe.

Wie wird sich der Goldpreis voraussichtlich weiterentwickeln?

Nach dem starken Anstieg ist der Goldpreis in eine Phase der Konsolidierung eingetreten. Seit einem Monat bewegt sich der Goldpreis in einer engen Spanne zwischen 1505 Dollar je Feinunze und 1480 Dollar. „Momentan ist völlig offen, in welche Richtung sich Gold entwickeln wird“, sagt Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer der Stabilitas GmbH. Die weiter florierenden Aktienmärkte seien kein gutes Signal für Gold. Die Aktien im Deutschen Aktienindex (DAX) haben seit Jahresanfang um 26 Prozent zugelegt, während Gold auf Euro-Basis auf ein Plus von knapp 20 Prozent kommt. Nach Siegels Einschätzung schwächen aber die Dauerniedrigzinsen langfristig das Vertrauen in die Währungsstabilität. „Schaut man sich die anderen Sachwerte wie die Immobilienmärkte an, ist beim Gold immer noch ein Aufwärtspotenzial von über 20 Prozent vorhanden“, sagt Siegel. Kurzfristig wird der Goldpreis aber eher nachgeben. Kaufgelegenheiten kommen also noch.

Was sollten Privatpersonen beim Goldkauf besonders beachten?

Je kleiner die Stückelung von Münzen, desto größer sind die Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreis und desto teurer kauft man Gold ein. So liegt der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis der Ein-Zehntel-Unze (Krügerrand) bei 19 Prozent, bei einer ganzen Unze beträgt der Aufschlag nur 4,3 Prozent. Es lohnt ein Preisvergleich bei den verschiedenen Anbietern wie Haspa, Pro Aurum, Westgold oder Degussa unter diesem Aspekt, denn je nach Anbieter können die Aufschläge wie auch die Preise leicht unterschiedlich ausfallen.

Im Trend bei den Kunden liegen Ein-Gramm-Barren. „In den vergangenen Jahren verzeichnen wir eine zunehmende Bedeutung von Gold als Geschenk“, sagt Rose. „Nicht nur für Weihnachten, sondern auch für andere Anlässe wie Taufe oder Konfirmation haben wir spezielle Ein-Gramm-Geschenkbarren mit verschiedenen Motiven im Angebot.“ Doch der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis beträgt 24 Prozent. Auch für Barren gilt: je kleiner, desto höher der Aufpreis. Der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis für einen 100-Gramm-Barren liegt bei rund zwei Prozent, bei einem 50-Gramm-Barren sind es knapp drei Prozent, bei einem Zehn-Gramm-Barren liegt der Unterschied zwischen Verkaufspreis und Ankaufspreis bei 5,7 Prozent. Als Geldanlage sind also Barren eher als Münzen geeignet, denn Münzen sind durch die Prägung oft teurer als Goldbarren mit dem gleichen Gewicht. Bei einem Barren im Maß einer Unze (31,1 Gramm) ist der Preisaufschlag rund ein Prozent niedriger als etwa beim Krügerrand.

Welche Münzen werden von den Hamburgern nachgefragt?

„Das ist natürlich immer abhängig vom Geldbeutel und vom Kaufanlass“, sagt Haspa-Experte Rose. „Grundsätzlich sind bei den Barren die Stückelungen 20 Gramm, 1 Unze und 50 Gramm am beliebtesten. Bei den Anlagemünzen wird nach wie vor der Krügerrand als volle Unze am stärksten nachgefragt.“

Kann man Gold auch in verbriefter Form kaufen?

Es gibt Inhaberschuldverschreibungen, die einen Anteil an einem Goldschatz verbriefen. Wichtig ist, dass für die verkauften Papiere von den Anbietern auch wirklich Gold in gleichem Umfang in zentralen Tresoren eingelagert wird. Von anderen Papieren sollte man die Finger lassen. Auf Wunsch wird das Gold auch an den Kunden ausgeliefert, was aber mit Kosten verbunden ist.

Zu diesen verbrieften und mit Gold hinterlegten Anlagen gehören das Xetra-Gold der Deutschen Börse und Euwax Gold der Börse Stuttgart. Bei beiden Papieren entspricht ein Anteil einem Gramm Gold. Der Preis wird in Euro notiert. Die Preisspanne zwischen An- und Verkauf dieser Papiere ist deutlich geringer als beim Erwerb der Edelmetalle in physischer Form. Diese Anlageform eignet sich also auch, wenn man kurzfristiger mit Gold spekulieren will.

Warum gibt es künftig neue Regeln für den Goldkauf?

Bisher kann der Käufer von Edelmetallen bis zu einem Betrag von 10.000 Euro anonym bleiben. Vom 10. Januar 2020 an werden jedoch im deutschen Edelmetallhandel bereits ab einem Kaufbetrag von 2000 Euro die Personalien notiert. Schon ein 50-Gramm-Goldbarren, der aktuell knapp 2200 Euro kostet, kann dann nicht mehr anonym gekauft werden. Erst im Jahr 2017 war der Schwellenwert von 15.000 Euro auf 10.000 Euro herabgesetzt worden. Die Verkäufer müssen die Personalien der Kunden zehn Jahre lang aufbewahren. Die Bundesregierung begründet die jüngste Verschärfung der Bestimmungen mit dem Kampf gegen die Geldwäsche und die Terrorismusfinanzierung.

Die Zahlen zeigen allerdings, dass unter den 77.252 Verdachtsfällen (2018) zur Geldwäsche nur 175 auf Edelmetalle entfallen, was einem Anteil von 0,22 Prozent entspricht. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler hervor.

Wie reagieren die Edelmetallhändler auf die neuen Regeln?

Die Haspa verspricht sich von der strengeren Regelung einen Vorteil. „Bei uns mussten Käufer schon immer ihr Ausweisdokument vorlegen“, sagt Rose. „Grundsätzlich sehen wir die Neuregelung positiv, weil wir davon ausgehen, dass sich künftig noch mehr Kunden mit Kauf- oder Verkaufswünschen an die Haspa wenden werden, wenn sie sich künftig auch bei anderen Händlern ausweisen müssen.“ Pro Aurum betrachtet die Frage der Anonymität als sekundär. „Den Kunden geht es vorrangig darum, Geldvermögen gegen einen drohenden Kaufkraftverlust abzusichern“, sagt Summa.

Was müssen Anleger beim Verkauf von Gold beachten?

Beim Ankauf werden die Personendaten schon immer ab dem ersten Euro aufgezeichnet – offensichtlich auch, um bei Fälschungen den Verkäufer nachträglich ausfindig machen zu können. Veräußerungsgewinne müssen Anleger nach einer mindestens einjährigen Haltefrist nicht versteuern.