Mobilität

Deutsche Bahn plant bequemere Sitze im ICE und mehr Service

Eine Bahnmitarbeiterin testet die neuen Sitze der 1. Klasse für den ICE. Das Besondere: Kopfstützen aus Leder. Die vorderen beiden Reihen sind noch mit den bisherigen Sitzen ausgestattet.

Eine Bahnmitarbeiterin testet die neuen Sitze der 1. Klasse für den ICE. Das Besondere: Kopfstützen aus Leder. Die vorderen beiden Reihen sind noch mit den bisherigen Sitzen ausgestattet.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Bahn will mehr Service bieten: geringere Wartezeiten in Reisezentren, mehr Orientierung auf Bahnhöfen. Was konkret geplant ist.

Berlin. Die Deutsche Bahn hat sich viel vorgenommen: Die Zahl der Reisenden soll sich im Fernverkehr auf 260 Millionen verdoppeln, im Nahverkehr soll jährlich eine Milliarde mehr Fahrgäste gewonnen werden. Das alles geht nur mit mehr Zügen, einer besseren Infrastruktur und natürlich mehr Personal. „Bis 2024 will die Bahn insgesamt 100.000 Mitarbeiter einstellen“, kündigte Bahnchef Richard Lutz am Mittwoch an.

Damit die ehrgeizigen Pläne auch Realität werden und die Pünktlichkeit steigt, sollen bis 2030 insgesamt mehr als 150 Milliarden Euro investiert werden. Viele Angebote sind digitale Hilfen per App. Was für die nächsten Monate geplant ist, hat die Bahn am Mittwoch vorgestellt.

Das wird neu bei der Bahn: ICE-Sitze werden bequemer

Die Hochgeschwindigkeitszüge ICE 4 und ICE 3 bekommen im nächsten Jahr bequemere Sitze – insgesamt 60.000 Stück. Auf den ersten Blick sieht man ihnen die Veränderung kaum an. In der 1. Klasse reist man weiter auf Ledersitzen, in der 2. Klasse auf Stoffsitzen. Das Neue steckt im Inneren:

Die Rückenpolster werden durch einen neuen „Memory-Schaum“ weicher und bequemer für den Rücken und die Lendenwirbel. Das Kopfpolster bietet mehr Bewegungsspielraum für den Hinterkopf- und Schulterbereich. In der 1. Klasse wird das Polster aus hellgrauem Leder sein, in der zweiten Klasse aus einem Velourstoff. Die Armlehnen werden in beiden Klassen stärker gepolstert und sind aus Leder.

Drei Zentimeter mehr in der Halbliegeposition

Auch die Sitzflächen werden weicher. Die Sitze können in der 2. Klasse für eine Halbliegeposition künftig drei Zentimeter länger ausgezogen werden – wie dies in der 1. Klasse schon üblich ist, dafür ist die Sitzfläche hier nochmal um drei Zentimeter verlängert worden. Der Platzanzeiger ist auf den Sitzen in der Gangseite in den Sitz integriert – die Nummern sind auch in Blindenschrift notiert.

Die 1. Klasse bekommt zusätzlichen Komfort fürs Arbeiten: Es gibt Halteschienen auf dem Ausklapptablett, in die das Smartphone oder Tablet gestellt werden können. Zudem gibt es eine praktische ausklappbare Halterung für Getränke. Damit man nicht mehr so leicht auf die Laptops der Mitreisenden schauen kann, gibt es zudem einen Sichtschutz zwischen den Sitzen der Vorderreihe.

In Reisezentren werden Kunden aktiv angesprochen

Verstellbare Fußstützen gibt es nur noch in der 1. Klasse. Für die Veränderungen wurden im Vorfeld bei Testfahrten insgesamt 5800 Bahnkunden nach ihren Verbesserungswünschen befragt. Die Umrüstung ist bis Ende 2021 geplant. Kosten: 40 Millionen Euro.

Die Zukunft der neuen Reisezentren der Bahn wird derzeit bereits in Leipzig getestet. Die Mitarbeiter stehen dort nicht mehr nur hinter den Schaltern, sondern ein Teil von ihnen soll die Kunden schon beim Betreten aktiv ansprechen und ihre Hilfe anbieten. Sie treten in die Rolle der „Gastgeber“, so das Konzept.

DB Park & Ride: Wo finde ich einen Parkplatz?

Oft können so bereits kleine Probleme – wie der Fahrkartenkauf – ohne Anstehen an einem Automaten mit Hilfe des Mitarbeiters erledigt werden. Nur kompliziertere Fälle sollen dann noch am Schalter gelöst werden. Das neue Konzept soll die Wartezeiten verkürzen. An Druckern können Online-Bucher zudem ihre Tickets ausdrucken. Die Bahn verkauft bereits 60 Prozent ihrer Tickets online.

Nicht nur Pendler, auch Reisende kommen gerne mal mit ihrem Auto zum Bahnhof. Doch gibt es dort überhaupt einen freien Parkplatz oder ein Parkhaus? Wie lange dauert die Anfahrt während des aktuellen Verkehrs? Dies soll künftig die App Park Ride errechnen, die derzeit entwickelt wird. Jeder Kunde soll dort eine Wegbeschreibung bis zum freien Parkplatz erhalten – und auch, was dieser kostet.

„Chatbot Kai“ beantwortet Fragen – auch unbequeme

Wie kann ich meine Bahncard kündigen? Wie kann ich mein Ticket stornieren? Wo kann ich Fahrkarten nach Österreich kaufen? Diese und möglichst alle Fragen zu Produkten der Deutschen Bahn soll künftig ein Service-Chatbot beantworten können.

Der digitale Helfer heißt Kai – ein künstliches Männchen mit Kopfhörern auf blauem Hintergrund. Zu finden auf dem DB Navigator oder der Internetseite bahn.de, täglich zwischen 7 und 20 Uhr. Es ist gefüttert mit Standardantworten. Bei besonders kniffligen Fragen springen Mitarbeiter ein, die diese dann digital beantworten.

Hilfe beim Umsteigen an Bahnhöfen

Große Bahnhöfe können nicht nur für Fremde unübersichtlich sein. Per Navigator-App soll den Bahnkunden künftig der Fußweg vom Gleis bis zum Umsteigegleis des Anschlusszuges oder zum Taxi oder zur U-Bahn aufgezeigt werden.

Dabei zeigt die App auch an, ob der Weg barrierefrei ist, ob Aufzüge, Rolltreppen genutzt werden – und vor allem wie lange der Weg dauert – bei langsamem oder flottem Gehen. Insgesamt soll das System für 200 Bahnhöfe entwickelt und 2020 eingeführt werden.

Tipps für Umleitungen bei Betriebsstörungen

Gesperrte Gleise, Baustellen, Unfälle – wie geht’s für Kunden weiter bei Betriebsstörungen? Dazu hat die Bahn ein neues Anzeigensystem entwickelt, das derzeit in München getestet wird. Auf Bildschirmen in den S-Bahnen – wo sonst Werbung gezeigt wird – werden Umsteigealternativen bei Behinderungen aufgezeigt – und zwar zweisprachig, auf Deutsch und Englisch.

So können Kunden schnell und aktuell Alternativen zur Weiterfahrt aufgezeigt werden. Das Angebot soll für Berlin, Hamburg, Stuttgart und das Rhein-Main-Gebiet entwickelt werden.

Karl-May-Sprecher ist die neue Stimme an Bahnhöfen

Die Durchsagen auf den Bahnhöfen werden künftig von der Stimme eines Mannes gesprochen: Heiko Grauel. Der 45-Jährige ist manchen bereits als Sprecher von Hörbüchern von Karl May oder ZDF-Dokumentationen bekannt.

Grauel hat eine warme, sonore Stimme – nahe am Bass. Zwei Wochen lang saß er im Studio, hat 14.000 Sätze eingesprochen, aus denen per Text-to-Speech-System aktuelle Ansagen an Bahnhöfen zusammengestellt werden können. Ende des Jahres wird seine Stimme erstmals zu hören sein.