Hamburg

Hanoi Deli: Erst Street Kitchen, jetzt neues Konzept

Duong Do Dai (l.), Gründer der Mai-Mai-Gruppe, mit seinem Sohn Anh Do Duy.

Duong Do Dai (l.), Gründer der Mai-Mai-Gruppe, mit seinem Sohn Anh Do Duy.

Foto: Andreas Laible

Vietnamesische Restaurantkette expandiert mit authentischen Gerichten. Hinter Hanoi Deli steckt eine besondere Gründerfamilie.

Hamburg.  Es ist noch nicht mal 12 Uhr und die ersten Mittagsgäste sitzen schon an den dunkeln Holztischen im Hanoi Deli. Duong Do Dai lächelt zufrieden. Vor gut zwei Monaten hat der Gastronomie-Unternehmer sich einen Herzenswunsch erfüllt und das Hamburger Stammhaus seiner Restaurantkette Hanoi Deli neu eröffnet, wenige Schritte vom alten Standort entfernt, direkt gegenüber dem Rathaus. Mit 100 Sitzplätzen ist es deutlich größer, und auch schicker. An den Wänden hängen riesige Schwarz-Weiß-Fotos, die Street-Kitchen-Szenen in Vietnam zeigen. Seiner Heimat.

Leise klingt traditionelle fernöstliche Hintergrundmusik durch den Raum. Das Servicepersonal trägt Ao Dai, eine Art Kasak. „Ich möchte den Menschen mein Land mit unseren Spezialitäten zeigen“, sagt der 51-Jährige, der vor 13 Jahren die asiatischen Selbstbedienungskette Mai-Mai gegründet hatte. Hanoi Deli ist das zweite Standbein. „Wir sehen da viel Potenzial“, sagt Anh Do Duy, Sohn des Inhabers und seit diesem Jahr Geschäftsführer des Familienunternehmens.

Essen am Tisch teilen wie in Vietnam

Die Küche Asiens ist nach wie vorher beliebt in Deutschland, aber der Markt ist enger geworden. Neben den Ketten wie Asiahung, Bok oder Coa gibt es zahlreiche Neugründungen. „Gefühlt eröffnet jede Woche irgendwo ein vietnamesisches Lokal“, sagt der Gründer Do Dai. In Hamburg gibt es mehrere Dutzend, auch in direkter Nachbarschaft des Hanoi Deli. Mit seinem Konzept setzt er auf authentische Gerichte im unteren bis mittleren Preissegment, wie die traditionelle Reisnudelsuppe Pho.

„Deswegen kommen viele Gäste zu uns“, sagt Cao Tri Do, der das Restaurant als Franchise-Nehmer betreibt und auch zur verzweigten Familie Do gehört. Ein anderer Bestseller ist Bun Cha La Lot I Secret Leaves, bei dem Rind- und Hühnchenfleisch in landestypische La-Lot-Blätter eingewickelt werden und in einem Bananenblatt auf einer Bambusplatte serviert werden. Neu ist ein Angebot, sich Essen mit einer Gruppe zu teilen. „Eat like a local“ nennen die Hanoi-Deli-Macher das. Wie in Vietnam üblich kommen dabei verschiedene Speisen auf den Tisch und werden zusammen verzehrt.

Gründer Do kam als Gastarbeiter in die DDR

Duong Do Dai war Ende der 80-er Jahre als 18-Jähriger im Rahmen eines Gastarbeiter-Programms zwischen seinem Heimatland und der DDR nach Deutschland gekommen und hat sich buchstäblich vom Tellerwäscher zum erfolgreichen Unternehmer hochgearbeitet. Anfangs arbeitete er in der sächsischen Autoindustrie, schraubte Ersatzteile für Trabi und Wartburg zusammen. Nach der Wiedereinigung war der sichere Job weg, Do Dai musste sich durchschlagen. Landwirtschaft, Küche, Bau. „Ich habe oft 16 Stunden gearbeitet“, sagt der Vietnamese.

Heute trägt er ein blütenweißes Hemd und gepflegten Bart. Dass er schließlich in Hamburg landete, hat mit seinem Namen zu tun. „Dai Duong heißt in meiner Muttersprache Ozean. Ich dachte deshalb es passt, wenn wir zu einem Hafen fahren.“ Acht Jahre jobbte er in verschiedenen Imbiss- und Restaurantketten, um sich Wissen anzueignen und Frau und zwei kleine Kinder durchzubringen. 2006 eröffnete Do Dai seinen ersten Mai-Mai-Imbiss im Nedderfeld-Center.

Mai-Mai-Gruppe macht zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr

Inzwischen ist die Franchise-Kette, die er nach der südvietnamesischen Neujahrsblume benannt hat, mit 34 Filialen in Norddeutschland vertreten. Für kleines Geld gibt es Bratnudeln mit Gemüse oder Fleisch, gegessen wird aus der Pappschachtel. Das „To-go“-Konzept funktioniert an Bahnhöfen, in Einkaufszentren oder in Fußgängerzonen. Inzwischen macht das Unternehmen einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro und beschäftigt 70 Mitarbeiter, fast ausschließlich vietnamesischer Herkunft. „Aber es ist immer schwieriger, gute Standorte mit hoher Kundenfrequenz zu finden“, sagt Geschäftsführer Anh Do Duy.

Der 24-Jährige mit dem Rufnamen Tony ist in Hamburg aufgewachsen, hat nach dem Abitur Betriebswirtschaftslehre studiert und nebenbei als Schichtleiter in einer Gastro-Kette gearbeitet. „Ich wollte möglichst viel über die Systemgastronomie lernen“, sagt er mit sehr norddeutschem Zungenschlag. Im Familienunternehmen ist er für die Expansion von Hanoi Deli zuständig. Aktuell gibt es sechs Filialen, davon vier in Hamburg. 2020 eröffnet eine weitere in Kiel.

Gastro-Konzept mit veganem Angebot geplant

„Wir konzentrieren uns bei der Expansion auf gesundes Essen“, sagt der Junior-Chef. Weniger Fleisch und Fett, dafür viel Gemüse und schonende Zubereitungsarten. Außerdem arbeite das Unternehmen daran, umweltfreundlicher zu werden. Strohhalme aus Bambus gibt es schon, als nächstes will Do Duy die Mitnahmeboxen in den Restaurants umstellen. Die sollen künftig aus Maisstärke hergestellt werden. „Ich versuche neue Wege zu finden.“

Es gibt erste Ideen für ein Gastro-Konzept mit ausschließlich veganen asiatischen Gerichten. Der Vater nickt – auch wenn er selbst Fleisch zu schätzen weiß. Auf die Frage nach seinem Lieblingsgericht antwortet er: „Schnitzel mit Kartoffelsalat“. Dann muss er über sich selbst lachen. „Deutschland ist meine zweite Heimat“, sagt Duong Do Dai. Er hat seit sechs Jahren einen deutschen Pass und ist HSV-Fan – auch in der Zweiten Liga. Sein Sohn isst gern das vietnamesische Nationalgericht Pho. „Am liebsten von Mama gekocht.“