Handelskammer

„Schluss mit Häme und Spott für die Kammer!“

Gunter Mengers, der Vorsitzende der Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns, im Übersee-Club.

Gunter Mengers, der Vorsitzende der Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns, im Übersee-Club.

Foto: Michael Rauhe

Traditionsreiche Versammlung eines ehrbaren Kaufmanns mischt sich in Wahlkampf für Plenum ein und stellt Forderungen auf.

Hamburg.  Deutschlands älteste und größte ethische Wirtschaftsvereinigung, die Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg (VEEK), mischt sich in den Handelskammer-Wahlkampf ein. Wer für das ehrenamtliche Plenum kandidieren will, dessen 58 Sitze im kommenden Frühjahr neu vergeben werden, müsse bestimmte ethische Kriterien berücksichtigen, fordert die VEEK.

„Die Kammer wird praktisch nur noch mit Häme und Spott verfolgt. Das muss sich ändern“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung, Gunter Mengers, dem Abendblatt. Deshalb habe die VEEK eine Reihe von Prüfsteinen erarbeitet, an der sich die Unternehmer, die für das neue Plenum der Handelskammer kandidieren wollen, messen lassen sollten. Wer für die Kammer kandidiert, sollte das angestrebte Amt als ehrenvolle Aufgabe ansehen, die frei von persönlichen Dingen nur im Sinne der Hamburger Wirtschaft übernommen wird, so Mengers.

„Kein Populismus, keine ,Fake News‘“

„Das Plenum der Handelskammer ist die selbstlose Interessenvertretung der Hamburger Wirtschaft. Darauf aufbauend sollte ein Plenarmitglied konkrete Vorschläge für die Gestaltung der Hamburger Wirtschaft haben und sich mit lösungsorientierten Beiträgen an der Meinungsbildung des Plenums beteiligen. 2Kein Populismus, keine ,Fake News‘“, so Mengers, der Mitinhaber des seit 1899 bestehenden Versicherungsmaklers Gayen & Berns Homann ist.

Schon im Wahlkampf sollten nur Wahlversprechen abgegeben werden, die auf juristisch fundierten Grundlagen stehen, fordert die VEEK. Sie spielt damit auf die zwei zentralen, aber unhaltbaren Forderungen an, mit denen die Wahlgruppe „Die Kammer sind Wir“, die sogenannten Kammerrebellen, bei der Wahl 2017 fast alle anderen Kandidaten aus dem Feld geschlagen hatte: die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft und die Abschaffung der Zwangsgebühren. Beides wurde inzwischen höchstrichterlich verboten.

Strikte Trennung zwischen Haupt- und Ehrenamt

Grundlage der Wahlprüfsteine sei eine Umfrage unter den Mitgliedern der VEEK gewesen. Dabei hätten 75 Prozent der Befragten deutlich gemacht, dass sie von der Kammer künftig eine klare wirtschaftspolitische Positionierung gegenüber der Politik erwarten. 83 Prozent hätten sich sogar für eine übergeordnete Rolle der Kammer als Interessenver­tretung auf Ebene der ganzen Metropolregion ausgesprochen.

Die Kammerrebellen hatten in den vergangenen drei Jahren zwecks Senkung der Mitgliedskosten hingegen eher eine Schrumpfung der Kammer verfolgt. Zentrales Anliegen der VEEK, der mehr als 1050 Unternehmer angehören, darunter namhafte Vertreter wie Michael und Alexander Otto, Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang und der ehemalige Jungheinrich-Chef Hans-Georg Frey, ist die Wiederherstellung einer strikten Trennung zwischen Haupt- und Ehrenamt: Wer ins Plenum einzieht, sollte die Aufgabenteilung von Ehrenamt als Impulsgeber und Zukunftstreiber und Hauptamt als Exekutive fördern. „Da ist den hauptamtlichen Mitarbeitern in den vergangenen drei Jahren zu viel ins Tagesgeschäft hineinregiert worden. Das Ehrenamt sollte sich eher als eine Art Aufsichtsrat verstehen“, so Mengers. Dazu gehöre, sich für das Wohl und die Qualität der Mitarbeiter des Hauptamtes einzusetzen.

Verunsicherung durch geplanten Personalabbau

Wie berichtet, hatte der Personalrat in den vergangenen Monaten mehrfach die Arbeitsumstände in der Wirtschaftsvertretung am Adolphsplatz kritisiert. Ein im Zuge eines Kammerumbaus geplanter Personalabbau führte zu erheblicher Verunsicherung. Zudem spaltete sich die Belegschaft des Hauses in jene Mitarbeiter, die von der Strukturreform profitieren, und jene, die zurückgesetzt würden.

In der Folge sank die Arbeitsmoral, und es kam zu einer umfangreichen Abwanderung führender und erfahrener Kammermitarbeiter. „Es wird sehr mühsam werden, den verloren gegangenen Wissensblock wieder aufzubauen. Das gehört zu den vordringlichen Aufgaben des neuen Plenums“, sagte Mengers.

„Einer allein muss den Hut aufhaben“

Positiv bewertete der VEEK-Vorsitzende den Vorschlag der Bewerbergruppe „Starke Wirtschaft Hamburg“, eine Doppelspitze im Präsidium der Kammer einzuführen: „Das Amt ist zeitaufwendig, sodass sich bisher fast nur Menschen darum bewarben, die am Ende ihres Berufslebens standen. Wenn wir die Kammer moderner und jünger machen wollen, kann man vielleicht eher geeignete Kandidaten gewinnen, wenn die Last auf mehrere Schultern verteilt wird.“

Das gelte aber ausschließlich für das Ehrenamt: „In der Geschäftsführung muss weiter einer allein den Hut aufhaben.“ Allerdings müsste dazu die Wahlordnung geändert werden, die nur einen Präses an der Kammerspitze vorsieht.

Kammersitzungen auch künftig öffentlich abhalten

Mengers machte aber deutlich, dass die Vereinigung für keine bestimmte Wahlgruppe Partei ergreife: „Uns sind alleine die Kompetenzen, das Verhalten und die Ziele der Kandidaten wichtig.“ Zugleich rechtfertigte er, dass sich die VEEK in den Wahlkampf einmischt: „Wir bestehen seit 1517 und sind damit der Ursprung der Kammer. Bis 1932 wurde das Plenum von unserer Vereinigung gestellt“, sagte Mengers. „Deshalb fühlen wir uns verpflichtet, uns bei einer so wichtigen Richtungsentscheidung des Hauses einzumischen.“

Die letzten drei Jahre waren laut Mengers „für die Kammer verlorene Jahre“. Dennoch kann er dem Wirken der Kammerrebellen auch Gutes abgewinnen. „Sie haben das Bewusstsein für mehr Transparenz des Hauses geschärft“, sagt er. So sollten die Kammersitzungen auch zukünftig öffentlich abgehalten werden: „Ein Zurück zu gestern wäre der falsche Weg.“