Einzelhandel

Das sind die neuen Pläne für das Hamburger Hanseviertel

Die neue Centermanagerin Sylvia Nielius steht vor dem Hanseviertel.

Die neue Centermanagerin Sylvia Nielius steht vor dem Hanseviertel.

Foto: Andreas Laible

Centermanagerin Sylvia Nielius setzt auf kleine Geschäfte. Biermarke Astra eröffnet dort einen Shop. Kommt auch ein Restaurant?

Hamburg. Sylvia Nielius steht an der Ecke Poststraße/Große Bleichen und schaut auf das Hanseviertel. Bis Anfang des Jahres hatte der Hamburger Modehersteller Tom Tailor dort ein großes Geschäft. Anschließend ist das Handelsunternehmen Peek & Cloppenburg mit einem Pop-up-Store für Outlet-Ware auf die Fläche gezogen. Von Dauer wird aber auch diese Lösung nicht sein. „Hier soll sich einiges verändern“, sagt Nielius beim Termin mit dem Abendblatt.

Seit einem Jahr ist die 49-Jährige die neue Centermanagerin der bekannten Einkaufspassage in der Innenstadt. Nach einem Eigentümerwechsel löste sie den langjährigen Chef Uwe von Spreckelsen ab. Die Allianz verkaufte das Gebäude Ende 2018 nach Branchenschätzungen für mehr als 200 Millionen Euro an CBRE Global Investors. Das US-Unternehmen nahm sich zunächst einmal Zeit, die Lage zu analysieren – und will nun einige Dinge verändern.

Auf einen Ankermieter wird verzichtet

Wichtiger Bestandteil des Konzepts sind kleinere Geschäftseinheiten. „Wir werden Shopeinheiten – wie die frühere Tom-Tailor-Fläche – verkleinern“, sagt Nielius. Das bedeutet die Abkehr von der Ausrichtung auf einen Ankermieter. In anderen Einkaufszentren gelten Handelsketten wie Kaufhof und Karstadt oder Elektronikmärkte wie Media Markt und Saturn als Kundenmagneten. Sie sollen Käufer in die Shoppingmeilen locken.

Das Hanseviertel will künftig verstärkt auf Regionalität setzen. Es soll mehr Hamburg drinstecken. „Wir glauben sehr an das Lokale und individuelle Konzepte“, sagt Nielius. In dem harten Wettbewerb mit dem stetig wachsenden Onlinehandel könnten Geschäfte nur bestehen, wenn sie ein besonderes Einkaufserlebnis vermitteln: gute Beratung, ein nettes Gespräch, eine Tasse Kaffee. „Die Leute müssen sagen: ,Ich gehe heute zu meinem Händler‘“, sagt Nielius. Traditionell sei das Publikum im Hanseviertel eher älter, künftig sollen auch verstärkt Jüngere angesprochen werden.

Astra zieht nächste Woche ein

Ab der nächsten Woche gehört eine Kiezgröße zu den Mietern. Die Biermarke Astra wird einen Pop-up-Store nahe der Fläche von Peek & Cloppenburg eröffnen. Dort sollen Merchandising-Artikel verkauft werden. Zu den Nachbarn gehört mit dem Koffergeschäft Klockmann ebenfalls ein recht neues Gesicht. Beide Geschäfte werden aber nur temporär dort bleiben. Voraussichtlich im Januar nächsten Jahres soll der Bereich zur Baustelle werden – wenn das Denkmalschutzamt mitspielt. Denn das 1980 vom Architektenbüro gmp (von Gerkan, Marg und Partner) gebaute Haus steht seit dem vergangenen Jahr unter Denkmalschutz. Die Zusammenarbeit mit den Architekten und dem Amt laufe gut, hieß es. Der erste Bauantrag sei gestellt.

Perspektivisch soll die Zahl der Geschäfte von heute etwa 50 auf 60 steigen. „Jede Fläche ist vermietet“, sagt Nielius. Üblich sind in Einkaufscentern Zehnjahres- oder Fünfjahresverträge mit Verlängerungsoption. Stünden Einheiten derzeit frei, gebe es zumindest verbindliche Absichtserklärungen für den Bezug, sagt Nielius. Als Mieter möchte sie neben den Hamburger Händlern noch eine zweite Zielgruppe ansprechen. „Internationale Marken sollen möglichst nur einmal in Hamburg vertreten sein – und zwar im Hanseviertel.“ Ein schwieriges Unterfangen. Schließlich möchte sich die Konkurrenz ebenfalls gern mit solchen Namen schmücken.

Passage soll für Premium stehen, aber nicht für Luxus

Immerhin konnte mit Gant eine neue Bekleidungsmarke gewonnen werden, die bald in die Einkaufspassage kommen soll. Allerdings gibt es von der in den USA gegründeten Kette, die später in schwedischer und nun in Schweizer Hand ist, auch schon vier Geschäfte in der Hansestadt. Dazu gehört auch ein Flagship-Store am Neuen Wall. Zu der hochpreisigen Flaniermeile will man übrigens keine Konkurrenz sein, sagt Nielius: „Wir sind Premium, nicht Luxus.“

In vielen Einkaufszentren immer wichtiger wird die Gastronomie. So hat die Europa Passage 2017 in der obersten Etage ihren „Food Sky“ eröffnet. Auch das Hanseviertel will in dem Bereich aktiv werden. Zwar gibt es den traditionsreichen Hummerstand und ab kommender Woche ein Geschäft, das mittags Bowles mit Gemüse und Fisch anbieten will. Aber für die rund 1200 Quadratmeter große Fläche im Untergeschoss fand sich seit dem Auszug von Mövenpick Mitte 2007 kein neuer Mieter. Nun sei man mit möglichen Nachfolgern im Gespräch, so Nielius. Mit wem sie spreche, wann der Einzug erfolgen könne – darüber möchte die Centermanagerin nicht sprechen. Nur so viel: „Der Idealfall ist ein Restaurant, das das gesamte Sortiment von morgens bis abends abdeckt.“

Lichtkonzept und Webseite sollen überarbeitet werden

Die alte Gastronomie-Fläche ist übrigens seit Jahren nicht mehr zu sehen. Es wurde ein Deckel draufgemacht. Rote Steine und eine Weltkugel, die historische Hamburger Handelsrouten zeigen, nehmen im Erdgeschoss den einstigen Freiraum unter der großen, in grünen Metallteilen eingefassten Kuppel ein. Nielius ist auf dem Rundgang nun dort angekommen, wo einst das Geländer war. „Früher hatte das eine ganz andere Präsenz hier“, sagt die promovierte Kunsthistorikerin, die zuvor das Stilwerk in Berlin zum Anziehungspunkt für Designfans machte: „Wenn das wieder geöffnet werden kann, wirkt die Kuppelfläche wieder ganz anders.“

Der Ring mit den Leuchten, der mittlerweile dort angebracht ist, müsse aber abgenommen werden, weil er die Kuppel durchschneide. Generell soll das ganze Lichtkonzept überarbeitet werden. Statt des vor allem im Winter schummrigen Lichts soll es spätestens in einem Jahr heller sein und somit eine angenehmere und freundlichere Atmosphäre geschaffen worden sein. Die Lampen sollen bleiben, aber mit modernen Leuchtmitteln ausgerüstet werden. Wie viel Geld sie in die Hand nehmen kann, will sie nicht sagen.

Hanseviertel insgesamt ist 37.000 Quadratmeter groß

Die Webseite soll aufgefrischt werden – dabei spielt das satte Grün der Metallteile schon jetzt eine Rolle. Es soll sich als Markenzeichen durch das Hanseviertel ziehen, zu dem übrigens nicht nur die Einkaufspassage gehört, sondern auch das Renaissance Hotel an den Großen Bleichen, das Brandenburgerhaus an den Hohen Bleichen und Geschäfte wie Red Wing Shoes an der Poststraße und Torquato an den Großen Bleichen sowie Büros und Wohnungen. Insgesamt nimmt das Areal rund 37.000 Quadratmeter ein, etwa 9000 davon sind Handelsflächen. „Wir sehen das als Einheit“, sagt Nielius und will das künftig wieder stärker betonen. Die gebürtige Kölnerin ist nach einem Jahr in ihrer neuen Heimat angekommen. „Hamburg ist ein Traum, wunderschön. Die Art der Hamburger ist sehr angenehm. Und das Wetter ist viel besser als sein Ruf.“