Mobilitätsdienste

Warum Moia so oft leer durch Hamburg fährt

Jens-Michael May, Chef der Moia Operation Germany GmbH und Leiter Andreas Krüger auf dem neuen, dem zweiten Betriebshof des Unternehmens, in Hamburg-Horn. Dort sind 52 der Elektro-Kleinbusse stationiert.

Jens-Michael May, Chef der Moia Operation Germany GmbH und Leiter Andreas Krüger auf dem neuen, dem zweiten Betriebshof des Unternehmens, in Hamburg-Horn. Dort sind 52 der Elektro-Kleinbusse stationiert.

Foto: Mark Sandten

Fahrdienst setzt derzeit bis zu 140 Fahrzeuge in Hamburg ein und hat seit April fast 600.000 Passagiere befördert.

Hamburg. Moia kommt beim Ausbau seiner Sammeltaxi-Flotte in Hamburg langsam voran und will mit weiteren Betriebshöfen und neuen Ladepunkten in der Stadt den Service verbessern und zugleich die Zahl der Fahrten ohne Passagiere reduzieren. „Viele Leerfahrten entstehen, weil die Fahrzeuge auf dem Weg zum Betriebshof in Groß Borstel sind. Zum Aufladen der Batterie oder, weil der Fahrer Pause hat“, sagte Jens-Michael May, der Chef der für die operative Abwicklung der Fahrten zuständigen Moia Operations GmbH, am Montag in Horn.

Dort eröffnete das Unternehmen seinen zweiten Betriebshof in der Hansestadt. Auf dem ehemals von der Hochbahn als Stützpunkt für Linienbusse genutzten Gelände sind jetzt mehrere Dutzend der goldglänzend lackierten Moia-Kleinbusse stationiert, können an insgesamt 52 Stationen mit Strom aufgeladen und auch gereinigt werden. Zudem wurde eine Werkstatt für kleinere Reparaturen eingerichtet.

Genehmigt sind 500 der Moia-Kleinbusse

Aus Sicht von May ein wichtiger Schritt, um die Elektrofahrzeuge für bis zu sechs Passagiere besser auszulasten und die Flotte auf die zunächst angestrebten und genehmigten 500 Kleinbusse auszubauen. „Mittlerweile haben wir uns am Friedrich-Ebert-Damm ein Grundstück für einen weiteren Betriebshof gesichert. Der Mietvertrag ist unterschrieben, die Ladeinfrastruktur muss noch installiert werden“, sagte May. Das kann dauern. An der Horner Landstraße vergingen zwischen Baugenehmigung und Inbetriebnahme acht Monate.

Moias Ladenetz wird ausgebaut

Doch selbst wenn der dritte Betriebshof in Wandsbek in Betrieb gegangen sein ist, „wird das nicht ausreichen. Am Ende werden wir wahrscheinlich fünf Betriebshöfe in der Stadt haben“, sagte May. Parallel dazu baut das Unternehmen nun ein Netz kleinerer Ladepunkte für die eigenen Fahrzeuge in der Stadt aus.

Auf dem Gelände des Autohauses Wichert an der Süderstraße wird es voraussichtlich ab November den ersten sogenannten dezentralen Ladepunkt geben: Acht Schnellladesäulen, an denen die Batterie des Kleinbusses binnen einer halben Stunde zu großen Teilen wieder aufgeladen werden kann. Auch das soll helfen, lange Leerfahrten zu verringern. May erwartet, dass in den kommenden eineinhalb bis zwei Jahren weitere „vier bis fünf“ dezentrale Ladepunkte in der Stadt hinzukommen werden.

Derzeit hat Moia nach eigenen Angaben in Hamburg in Spitzenzeiten bis zu 140 Fahrzeuge im Einsatz. Gestartet war das Unternehmen in der Hansestadt Mitte April mit etwa 100 Fahrzeugen. In Hannover ist Moia bereits seit dem Sommer des vergangenen Jahres unterwegs. Dort wird der Fahrservice mittlerweile im gesamten Stadtgebiet angeboten, 84 Fahrzeuge sind im Einsatz.

Insgesamt eine Million Moia-Fahrgäste

„In Hamburg und Hannover zusammen werden wir voraussichtlich heute im Laufe des Tages den millionsten Fahrgast befördern“, sagte Moia-Sprecherin Jennifer Langfeldt am Montag. Erst Anfang Juli hatte das Unternehmen eine halbe Million Gäste verkündet. Obwohl der Fahrdienst in Hamburg erst Mitte April gestartet war, ist die Gesamtzahl der Passagiere schon jetzt höher als in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Dort, hieß es, seien es bislang 420.000 – in Hamburg also annähernd 600.000 binnen knapp fünf Monaten. „Für mich fühlt es sich so an, dass Moia in der Stadt wirklich gebraucht wird. Als eine sinnvolle Ergänzung zu anderen öffentlichen Verkehrsangeboten“, sagte May.

Zugleich betonte der Chef von Moia Operations: „Was wir hier tun ist weiterhin Forschung und Entwicklung mit einer steilen Lernkurve.“ Nicht ganz überraschend wird der Fahrdienst in den Wochenendnächten am intensivsten gebucht. Doch genutzt wird Moia nicht nur vom Partypublikum, sondern auch für Fahrten zum und vom Arbeitsplatz. An Wochentagen sei die Nachfrage während der klassischen Rushhour-Zeiten am Morgen und am Nachmittag am größten. Insbesondere in Stadtteilen, die nicht gut an den öffentlichen Nahverkehr angeboten seien.

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Mehr Moia-Buchungen als Fahrzeuge

„Wir sind weiterhin überbucht“, sagte May. Das heißt: Der Fahrdienst kann nicht sämtliche Buchungsanfragen innerhalb einer für den Fahrgast akzeptablen Wartezeit bedienen. Deshalb betont Moia stets, die Flotte müsse zügig erweitert werden. Von der Hamburger Wirtschafts- und Verkehrsbehörde genehmigt sind derzeit bis zu 500 Fahrzeuge. Vorausgesetzt, für jedes davon ist ein Stellplatz vorhanden. Derzeit, hieß es, liege die Gesamtkapazität bei 237 der Kleinbusse.

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Zugleich – auch das hat das Unternehmen in den vergangenen Wochen und Monaten gelernt – gebe es große Unterschiede bei der Nachfrage zu Spitzenzeiten und zu normalen Tageszeiten. May kündigte an: „Wir wollen die Zusammenarbeit mit Geschäftskunden, mit großen Firmen oder Hotels ausbauen.“

Mehr Moia-Service am Sonntagmorgen

So habe ein Hamburger Hotel bereits den eigenen Shuttle-Dienst für seine Gäste aufgegeben und lasse diese jetzt von Moia fahren. Ebenfalls auf Wunsch aus der Hotellerie seien die Betriebszeiten am Sonntagmorgen ausgeweitet worden. „Anfangs sind wir am Sonntag nach einer kurzen Pause erst um 10 Uhr wieder gestartet. Doch von großen Hotels kam der Hinweis, dass das für die Abreise ihrer Gäste zu spät sei. Deshalb beginnen wir sonntags jetzt schon um 8 Uhr“, sagte May.

„Das Ziel bleibt, die Flotte möglichst schnell auf 500 Fahrzeuge auszubauen“, betonte er. Neben der Suche nach möglichst zentrumsnahen Grundstücken für weitere Betriebshöfe und Ladepunkte steht deshalb die Suche nach weiteren Fahrern. „Wir werden etwa 1500 benötigen“, sagte May. Nach der jüngsten Einstellungsrunde Anfang September seien es derzeit etwa 700. Für Gedanken an eine Expansion des Fahrdienstes in andere Städte sei es noch zu früh. „Das wäre erst sinnvoll, wenn wir in Hamburg richtig, richtig gut sind. Aber da sind wir zur Zeit noch nicht.“