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Die RTL Group zieht schon im ersten Halbjahr 2020 nach Köln

Das Logo der RTL Group am bisherigen Sitz in Luxemburg.

Das Logo der RTL Group am bisherigen Sitz in Luxemburg.

Foto: Sascha Steinach / imago/Steinach

Die sehr erfolgreiche Mediengruppe RTL Deutschland sitzt schon länger in Köln. Nun zieht es auch die RTL Group in die Domstadt.

Hamburg. Luxemburg ist ein Hort der Stabilität. Im Großherzogtum herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Das kleine Land im Herzen Europas kennt kaum Probleme. Auch den Verlust der Zentrale des größten europäischen TV-Konzerns, der RTL Group, wird Luxemburg verkraften, was für den Zeitplan des Umzugs nicht ganz unwichtig ist.

Denn dass die Tochter des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann am Donnerstag in einer Pressemitteilung meldete, der Vorstand werde „sondieren, ob bestimmte Positionen“ der Konzernzentrale „nach Köln umziehen könnten“, war dem Respekt vor dem Herzogtum und dem Betriebsrat geschuldet. Denn der Umzug, der tatsächlich längst beschlossene Sache ist, wird mit einem Personalabbau verbunden sein. Zuerst hatte darüber der Online-Dienst DWDL berichtet.

Neu ist dagegen, dass RTL-Group-Chef Thomas Rabe, der zugleich Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann ist, intern ankündigte, man wolle bereits im ersten Halbjahr 2020 an den Rhein ziehen. Ganz offenbar setzt der Medienmanager auf einen schnellen Durchbruch bei den bevorstehenden Verhandlungen über einen Sozialplan.

Im wirtschaftlich kerngesunden Luxemburg dürften die meisten Mitarbeiter der Konzernzentrale, die in der Regel hoch qualifiziert sind, schnell eine neue Stelle finden. Insgesamt soll ihre Zahl im Zuge des Umzugs von 100 auf 50 reduziert werden, von denen allerdings nur 35 nach Köln ziehen. 15 bleiben am Standort Luxemburg, wo die RTL Group SA offiziell nach wie vor ihren Sitz haben wird. Der Verwaltungsrat des Konzerns wird ebenfalls weiterhin im Großherzogtum tagen.

Zentralisierung führt bei RTL zu Personalabbau

Die 35 Beschäftigten, die in die Domstadt wechseln, werden künftig in der neuen RTL Group Deutschland GmbH beschäftigt. Bisher sind 60 bis 70 Prozent der Belegschaft der Konzernzentrale keine Deutschen. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Personenkreis den Umzug nicht mitmachen wird. Im Sinne des Konzerns wäre dies aber nicht. Er wünscht sich auch weiterhin eine multinationale Belegschaft.

Womöglich wird sie in unmittelbarer Nachbarschaft der Mediengruppe RTL Deutschland in Köln-Deutz residieren. Der im selben Komplex, den ehemaligen Kölner Messehallen, untergebrachte Versicherer HDI soll RTL bereits nicht mehr benötigte Räume in Aussicht gestellt haben.

In Senderkreisen heißt es, die RTL Group ziehe um, weil es sinnvoll sei, die Zentrale des Konzerns am selben Standort anzusiedeln, an dem auch ihr mit Abstand größter Ableger, die Mediengruppe RTL Deutschland, seinen Sitz hat. Der Personalabbau erfolge vor dem Hintergrund einer zunehmenden Zentralisierung der Konzerntöchter. So sei die Mediengruppe RTL Deutschland etwa auch für das deutsche Radiogeschäft zuständig und verantworte zudem die Werbetechnologie aller europäischen Märkte. Deshalb benötige man auf Konzernebene weniger Mitarbeiter, um die Aktivitäten der Töchter zu koordinieren.

Im ersten Halbjahr 2019 setzte die RTL Group 3,2 Milliarden Euro um

Dass durch den Umzug der Konzernzentrale die Mediengruppe RTL Deutschland nochmals aufgewertet wird, liegt auf der Hand. Dabei hat die deutsche RTL-Senderfamilie erst kürzlich durch die Gründung der sogenannten Content Alliance noch einmal an Bedeutung gewonnen. In dieser Allianz hat Bertelsmann seine Inhalte-getriebenen Geschäftsfelder gebündelt – also neben der Fernsehsparte den Buchverlag Penguin Random House, das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) sowie das Musikunternehmen BMG.

Nukleus des Zusammenschlusses, dessen Ziel es ist, gemeinsame Projekte ins Leben zu rufen, von den alle Partner profitieren, ist aber die Fernsehsparte. Sie ist die mit Abstand größte Bertelsmann-Tochter: Die RTL Group setzte im ersten Halbjahr 2019 3,2 Milliarden Euro um, ein Rekordergebnis. Penguin Random House erwirtschaftete Erlöse in Höhe von „nur“ 1,65 Milliarden Euro. G+J und BMG rangieren unter ferner liefen.

Der anhaltende Erfolg von RTL ist auch deshalb bemerkenswert, weil das klassische lineare Fernsehen durch den Siegeszug von Streamingdiensten wie Netflix unter Druck steht.

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