Hamburg

Mehr als die Hälfte der Überstunden wird nicht bezahlt

Allein in Hamburgs Hotels und Gaststätten sind 2018 mehr als eine Million Euro Überstunden angefallen.

Allein in Hamburgs Hotels und Gaststätten sind 2018 mehr als eine Million Euro Überstunden angefallen.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Laut einer Studie haben Hamburgs Arbeitskräfte den Firmen gut 500 Millionen Euro geschenkt. Die Gewerkschaft NGG fordert Konsequenzen.

Hamburg. Beschäftigte in Hamburg haben im vergangenen Jahr rund 39 Millionen Überstunden geleistet – davon 21,2 Millionen zum Nulltarif. Das geht aus dem „Überstunden-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat. Damit seien den Hamburger Unternehmen 531 Millionen Euro geschenkt worden, wie die NGG am Dienstag mitteilte. Die Gewerkschaft kündigte zugleich die Kampagne #fairdient an.

Allein in Hotels und Gaststätten sind den Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Überstunden angefallen. 44 Prozent davon seien unbezahlt gewesen, hieß es. Für 2018 bedeute dies ein „Lohn-Geschenk“ von sechs Millionen Euro – auf der Basis von zwölf Euro Lohnkosten pro Stunde für den Arbeitgeber.

Die Gewerkschaft warnt vor einem „Durchlöchern des Arbeitszeitgesetzes“. Rund 40 Prozent der Arbeitsplätze im Hamburger Gastgewerbe seien Minijobs, sagt NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner. Das Problem der 450-Euro-Kräfte: Sie dürfen keinen Euro hinzuverdienen. Die Überstunden würden entweder gar nicht oder schwarz bezahlt – bar auf die Hand. Statt Minijobber mit 450 Euro abzuspeisen, sollte das Gastgewerbe „endlich mehr Menschen regulär beschäftigen und ordentlich bezahlen“, fordert Kettner.

NGG warnt vor "Durchlöcherung" des Arbeitszeitgesetzes

Die NGG will sich mit der Kampagne #fairdient hinter die rund 56.000 Beschäftigten im Hamburger Gastgewerbe stellen. Denn der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dränge die Bundesregierung zudem dazu, die Arbeitszeiten noch flexibler zu machen. „Es geht darum, das Arbeitszeitgesetz zu durchlöchern. Ziel der Arbeitgeber ist es, die Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden pro Tag auszuweiten“, kritisiert Kettner.

Mehrarbeit bedeute aber immer auch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko mit Schlafstörungen, Erschöpfung, Rückenschmerzen oder Arbeitsunfällen. Sie forderte die Unternehmen auf, sich an geltende Arbeitszeitregelungen zu halten und Dienstpläne frühzeitig und verlässlich zu schreiben.