Kreuzfahrten

Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises baut Luxus-Windjammer

Dieser Windjammer ist ein Kreuzfahrtschiff, aber wer mitfahren möchte, braucht das nötige Kleingeld. Ab 2020 sticht die mit der Sea Cloud Spirit der dritte Luxus-Segler der Hamburger Reederei in See.

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Die „Sea Cloud Spirit“ segelt ab Sommer 2020 über die Weltmeere. Eine Nacht in der Eigner-Suite kostet 1000 Euro – pro Passagier.

Hamburg..  Die kleine Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises hat Großes vor. Das Schifffahrtsunternehmen des bekannten Hamburger Unternehmers Hermann Ebel mit Sitz an der Außenalster lässt einen dritten Windjammer für Luxus-Segelreisen bauen. Wie die beiden Vorgänger „Sea Cloud“ und „Sea Cloud II“ wird auch die „Sea Cloud Spirit“ einen Nischenmarkt für Großsegler-Fans bedienen. Einen Pool, Spielcasinos oder massenhaft Restaurants wie auf normalen Kreuzfahrtschiffen sucht man an Bord vergebens. Stattdessen bietet das Schiff, dass deutlich größer sein wird als seine Schwestern, 69 Außenkabinen im eleganten Yacht-Design, und es wird traditionell von Hand gesegelt. Eine Neuheit gibt es aber doch: Die „Sea Cloud Spirit“ verfügt über Balkonkabinen.

Es ist eine Konzession an den klassischen Kreuzfahrtmarkt, wie der Geschäftsführer der Hamburger Reederei, Daniel Schäfer am Dienstag erklärte. „Wir bieten aber keine klassischen Kreuzfahrten an.“ Produktmanagerin Petra Quasdorf ergänzte: „Wir bieten kein Entertainment, oder Expeditionsreisen zu entlegenen Zielen. Bei uns ist der Weg das Ziel.“ Entsprechend lautet auch eine Dienstanweisung an die Kapitäne bei Sea Cloud Cruises: „Segeln wann immer es geht.“ Der Schraubenantrieb durch Dieselmotoren soll so selten wie möglich eingeschaltet werden.

Doppelt so viel Segelfläche wie die „Gorch Fock“

Fast eine Stunde dauere es, bis die 28 Segel des Dreimasters gesetzt sind. Voll aufgetakelt hat er eine Segelfläche von 4100 Quadratmetern. Das ist mehr als doppelt so viel wie beim Segelschulschiff „Gorch Fock“.

Um eine Vorstellung von dem neuen Großsegler zu vermitteln, der derzeit auf einer Werft in der spanischen Küstenstadt Vigo gebaut wird, lud Schäfer an einen besonderen Ort: An Bord der „Sea Cloud II“, die nur einmal im Jahr nach Hamburg kommt und am Dienstag an der Überseebrücke festmachte. Das Segelschiff ist 117 Meter lang und bietet Platz für 96 Passagiere. Das wird die „Sea Cloud Spirit“ bei weitem überbieten, so Schäfer. Der Neuzugang wird 138 Meter lang sein und bis zu 136 Passagiere aufnehmen können. Hinzu kommen 85 Besatzungsmitglieder. Klassische Kreuzfahrtschiffe schippern bis zu 5000 Passagiere über den Ozean.

650 Euro Tagespreis in der einfachen Kabine

„Wir sind klein, fein, exklusiv, aber nicht elitär“, sagt der Geschäftsführer. Von seinem Unternehmen wird aber nur ein bestimmter Kundenkreis angesprochen. „Das Durchschnittsalter liegt bei 59 Jahren“, sagt Schäfer. Die Kunden seien bodenständig und individuell. Eines aber hätten fast alle Gäste gemeinsam: Sie eine eine große Liebe zur See. „Sie besitzen selber Boote oder haben früher Boote besessen“, so Schäfer. Und noch etwas ist für eine solche Reise Voraussetzung: das nötige Geld im Portemonnaie. Denn mit einem Tagespreis von 600 bis 650 Euro pro Person in einer einfachen Kabine, kostet eine Woche Segelurlaub mit Sea Cloud Cruises mindestens 4500 Euro. In einer Eigner-Suite, kostet die Nacht mindestens 1000 Euro. Entsprechend wächst die Wochenpauschale.

Dafür bietet das Interieur der Schiffe viel Luxus. Das soll auch bei der „Sea Cloud Spirit“ so sein, verspricht Schäfer – bis hin zu vergoldeten Wasserhähnen in den Bädern. Wem es an Deck zu kalt wird, der kann sich in einem großzügigen Wellness-Bereich aufwärmen, etwa in der finnischen Sauna oder im Dampfbad. Eine eigene Friseurstube und eine Boutique komplettieren das Angebot des neuen Großseglers, der über einen Fahrstuhl verfügen wird. Auch das ist an Bord von Segelschiffen eine Seltenheit.

Lounge hat Steinway-Flügel

Dazu gibt es eine Lounge mit einem Steinway-Flügel, eine Bibliothek sowie ein Restaurant, in dem Vier-Gänge-Menüs serviert werden. Zusätzlich wird die Bar auf dem sogenannten Lidodeck um ein Bistrokonzept mit abgespeckter Speisekarte erweitert – ohne feste Sitzzeiten, wie im Restaurant. „Damit passen wir uns den geänderten Wünschen unserer Kunden und dem Zeitgeist an“, so Schäfer.

Am 29. August 2020 soll die „Sea Cloud Spirit“ von Lissabon aus zur Jungfernfahrt nach Civitavecchia (Italien) in See stechen. Bis Oktober kommenden Jahres wird sie im westlichen Mittelmeer kreuzen, bevor das neue Großschiff mit Zwischenstopp auf den Kanaren für den Winter in die Karibik wechselt und den Panamakanal durchquert.

Bis die Hamburger das weiße Schiff mit einem goldenen Adler am Bugspriet das erste Mal zu Gesicht bekommen vergeht noch einige Zeit: Am 15 Juli 2021 soll die „Sea Cloud Spirit“ erstmals den Hamburger Hafen anlaufen. Wer den Besuch des Schiffes mit seinem 54 Meter hohen Großmast verpasst, bekommt im August 2021 noch einmal eine Chance. Das genaue Datum steht noch nicht fest.

Hamburger Familien sind Eigner des neuen Schiffs

Eigentlich sollte das Schiff schon vor fast einem Jahrzehnt Segel setzen. Doch jahrelang lag der Rumpf unfertig auf einer spanischen Werft, die 2010 in Konkurs gegangen war. Ein Konsortium von mehreren Eigentümern hat es dann übernommen und lässt es jetzt fertig bauen. Wer dahinter steht? Darüber schweigt Schäfer. Er sagt nur soviel: „Es sind alles mit der Schifffahrt verbundene wohlhabende Hamburger Familien.“ Sea Cloud Cruises betreibt das Schiff. Das Unternehmen vermarktet die Hälfte der Segelreisen selbst und verchartert den Rest.

An den weltweit derzeit rund 350 Kreuzfahrtschiffen hätten die Anbieter von Segel-Kreuzfahrten einen Marktanteil von nur zwei Prozent, sagt Schäfer. Für die Reederei werde sich die Passagierkapazität durch den Neuzugang von 3160 auf 5880 Gäste jährlich erhöhen. Ein Risiko, das Schiff nicht füllen zu können, sieht er nicht. „Wir haben in der Vergangenheit massiv Geschäft ablehnen müssen, weil wir nicht genügend Kapazitäten hatten.“ Die Ursprünge von Se Clou Cruises gehen auf ein betuchtes amerikanisches Ehepaar zurück, das einst diverse Luxussegler besaß und die erste „Sea Cloud“ 1931 in Kiel bauen ließ. Das Schiff durchlebte eine wechselvolle Geschichte bis 1978 eine Gruppe hanseatischer Kaufleute es kauften.