Getränk

Abendblatt-Test: So schmeckt Ingwersaft mit Honig

Amarilis Bilbeny hält den Grundstoff für ihren Saft in Händen: die Ingwerknolle. Die Hamburger Unternehmerin hat sieben Mitarbeiter.

Amarilis Bilbeny hält den Grundstoff für ihren Saft in Händen: die Ingwerknolle. Die Hamburger Unternehmerin hat sieben Mitarbeiter.

Foto: Roland Magunia

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir erzählen die Geschichte dahinter. Heute: Eine Sopranistin wird Unternehmerin.

Hamburg. Sie trinkt Kaffee an diesem Morgen. Ihre Portion Ingwer-Saft hatte sie schon zu Hause gehabt. Wie jeden Morgen. Ohne einen Schluck Saft geht sie morgens nicht aus dem Haus, nicht mehr. Nicht mehr, seit sie entdeckt hat, wie gut ihr Ingwersaft tut. Fast zehn Jahre ist das jetzt her, und inzwischen ist aus einer persönlichen Leidenschaft ein erfolgreiches Geschäftsmodell geworden: Frau Ingwer. Diesen Namen hat Amarilis Bilbeny (44) sich selbst und ihrer Firma gegeben. Der Name sagt alles. Denn Frau Ingwer produziert Saft aus der Ingwerknolle.

Für ihre Getränke verwendet die Gründerin Direktsaft aus der Ingwerknolle, den sie mit weiteren Zutaten wie Zitronen- oder Limettensaft, Rohrzucker oder Honig und Vanilleschoten anreichert. Das Besondere: Der Direktsaft wird von Bilbeny in einem aufwendigen Pressverfahren selbst gewonnen. Dafür wird die Knolle klein gehäckselt und danach in einer Art überdimensionaler Blumenpresse ausgepresst. „Früher habe ich alles mit der Hand gemacht: Ingwer klein gerieben und den Saft dann in einem Küchentuch ausgedrückt“, sagt Bilbeny.

Ingwer half ihrer Stimme

Mit früher meint sie: Vor 15 bis 20 Jahren. Als sie eine erfolgreiche Sopranistin war, durch Europa sowie die USA tourte und erstmals zu Ingwer griff. Ihrer Stimme zuliebe, die damals sehr angegriffen war. „Nachdem ich monatelang heißes Wasser mit Ingwer getrunken hatte, konnte ich das Zeug nicht mehr sehen und habe recherchiert, was man noch mit Ingwer machen kann“, sagt Bilbeny. Sie stieß auf Rezepte für Saft und fing an, mit verschiedenen Zutaten wie Vanilleschoten und Zitrone zu experimentieren.

Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Nachdem sie immer mehr Kollegen mit ihrem selbst gemachten Ingwersaft versorgen musste, gründete sie 2013 Frau Ingwer. Was zuerst nur als Nebenerwerb gedacht war, wurde schließlich so erfolgreich, dass Bilbeny ihre Karriere als Sängerin beendete und sich ganz dem Aufbau ihres Unternehmens widmete. Mit 20.000 Euro Startkapital kaufte sie eine Presse, orderte Flaschen und ließ Etiketten drucken. „In den ersten zwei Jahren habe ich alles komplett alleine gemacht – von der Produktion über den Verkauf auf den Märkten bis hin zum Vertrieb“, sagt Bilbeny. Heute hat ihr Unternehmen an der Norderelbstraße (Grasbrook) sieben Mitarbeiter. Allein 2018 hat sie 60.000 Flaschen Saft verkauft – vor allem auf Hamburger Wochenmärkten, in Feinkostläden und in ihrem Online-Shop.

Drei Sorten Saft im Sortiment

Inzwischen hat Frau Ingwer drei Sorten Saft im Sortiment. Außer der ursprünglichen Sorte Ingwersaft mit Vanille, Rohrzucker und Zitrone auch eine Naturvariante ohne Zucker sowie neuerdings die Sorte Honig. Außerdem wird es speziell für den Einzelhandel ab September von jeder Sorte eine mildere Variante geben, die zudem länger haltbar ist als die derzeitigen, kalt gepressten und nicht erhitzten Säfte – diese halten etwa drei Wochen.

„Unser Saft ist kein To-go-Getränk, von dem man eine ganze Flasche einfach austrinkt“, sagt Bilbeny und fügt hinzu: „Sondern Saft, den man wie ein Konzentrat verwendet, das man verdünnen sollte – oder als sogenannten Shot von 30 oder 60 Milliliter pur trinken kann.“ Bei einem Verhältnis von 1:7 ergibt eine 500-Milliliterflasche etwa vier Liter Mischgetränk.

Sie wird ihrer Knolle treu bleiben

Als die gebürtige Schweizerin mit der Verarbeitung von Ingwer begann, fristete die tropische Gewürzpflanze noch ein Nischendasein. 2010 wurden rund 8600 Tonnen Ingwer nach Deutschland importiert. 2016 waren es bereits 20.000 Tonnen. Ingwer ist zum Trend geworden. Weltweit werden rund drei Millionen Tonnen Ingwer geerntet. Allein Bilbeny hat im vergangenen Jahr 20 Tonnen Ingwer verarbeitet.

Auch in Zukunft wird die Hamburgerin ihrer Knolle treu bleiben und weitere Produkte auf den Markt bringen. Was genau? Das bleibt selbstverständlich noch ein Geheimnis. Die Konkurrenz liest mit. Nur so viel sei verraten: Bilbeny tüftelt gerade an einem Jingle – einer Erkennungsmelodie für ihr Unternehmen. Natürlich persönlich eingesungen.