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Das Geschäft mit Schuhen: Bringen Sneaker mehr als Aktien?

Eine Kollaboration von Adidas und den Berliner Verkehrsbetrieben BVG wird für mehrere Hundert Euro gehandelt.

Eine Kollaboration von Adidas und den Berliner Verkehrsbetrieben BVG wird für mehrere Hundert Euro gehandelt.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Mit dem Wiederverkauf von Turnschuhen lässt sich ein Vermögen verdienen. Ein Experte sagt, ob sich Sneaker jetzt als Anlageform eignen.

Berlin. Vor dem Schuhgeschäft Overkill in Berlin stehen sie schon seit Stunden an, einige junge Männer in bunten Outdoorjacken sogar schon seit Tagen. Passanten staunen und fragen sich: „Gibt es da etwas umsonst?“. Nein, im Gegenteil: Die Mode-Fans stehen für ein Paar Sneaker an, das mit 180 Euro auch nicht gerade günstig scheint.

Die Szene, die sich im Januar 2018 abgespielt hat, wiederholt sich mittlerweile fast monatlich vor Geschäften in Düsseldorf, Hamburg, München oder Berlin. Der Grund für solche Szenen ist der Hype um Sportmode: Der Markt für Sneaker – also Turnschuhe – Sportbekleidung und Sportzubehör boomt wie nie. Daten einer aktuellen Studie der Deutschen Bank zeigen: der Markt für Sportbekleidung ist in den vergangenen fünf Jahren um 6,5 Prozent gewachsen..

Einer der von dem Boom profitiert, ist Hikmet Sugoer. Der Berliner gilt in der Mode-Szene als „deutscher Sneaker-Papst“. Kaum einer in Deutschland kennt den Turnschuh-Markt und die Marken so gut und schon so lange wie Sugoer. Er bietet die Produkte an, für die Kunden teils tagelang anstehen.

Von 2002 bis 2015 hatte er mit Solebox einen der bekanntesten Sneaker-Shops in Deutschland, seit 2016 betreibt er mit Sonra eine eigene Turnschuh-Marke. Immer wieder hat Sugoer für Marken wie New Balance, Adidas oder Puma Schuhe entworfen.

Kanye West und Michael Jordan befeuern den Sneaker-Markt

„Das erste Mal in Deutschland haben Kunden für einen Puma-Schuh angestanden. Das war damals 2006 vor meinem Laden in Berlin“, sagt Sugoer im Gespräch mit unserer Redaktion. Damals bildete sich für einige Stunden eine Schlange. „Für den Air Yeezy II von Nike haben 2012 Sneaker-Fans dann auch vor unserem Laden neun Tage campiert.“

Mit dem Air Yeezy hatte der Rapper Kanye West einen Schuh für Nike entworfen. Heute steht West bei Adidas unter Vertrag und designt Schuhe, die für mehrere Hundert Euro auf Ebay oder anderen Portalen gehandelt werden. Doch wie kam es zu dieser Entwicklung?

Für Sugoer haben vor allem Prominente eine große Rolle gespielt. „Entstanden ist das Ganze mit der Rap-Gruppe Run DMC. Run DMC hat den Adidas Superstar zunächst aus freien Stücken getragen. Einige kennen sicher die Szenen der Schuhe aus dem Video „Walk This Way“ mit Aerosmith (1986). Jugendliche und Kinder haben durch solche Vorbilder gesehen: Es ist cool auf der Straße einen Sportschuh zu tragen.“, sagt Hikmet Sugoer.

YouTube- Run DMC - Walk this Way ft. Aerosmith

Dazu seien Sportidole wie Michael Jordan gekommen. Unter der Marke Jordan brachte Nike während Jordans aktiver Karriere und danach mindestens einmal im Jahr ein neues Modell heraus. Klassiker wie der erste Schuh der Serie sind noch immer populär und erzielen hohe Preise bei Wiederverkäufen. Sogar Außenminister Heiko Maas (SPD) war im November 2018 vor eine Präsidiumssitzung der SPD mit einem weißen Air Jordan 1 zu sehen.

Sneaker Reseller: Eignen sich Turnschuhe als Anlagemöglichkeit?

Mit der zunehmenden Popularität von Turnschuhen entwickelt sich ein stetig wachsender Zweitmarkt, der sich längst nicht mehr auf das Geschäft auf Trödelmärkten oder bei Online-Kleinanzeigen beschränkt. Das zeigt vor allem die Firma StockX, die sich selbst als „Börse der Dinge“ bezeichnet. So funktionieren Sneaker und Handtaschen als Geldanlage.

Das Unternehmen soll mittlerweile selbst eine Milliarde Euro wert sein. Eignen sich Schuhe für den normalen Bürger jetzt auch als alternative Anlagemöglichkeit?

„Der Vergleich mit Aktien passt eigentlich hier. Denn ich denke, wer keine Ahnung von Aktien hat, sollte auch keine Aktien kaufen“, sagt Sneaker-Experte Hikmet Sugoer. Er erklärt auch einen wichtigen Unterschied zu Aktien: Turnschuhe können mit der Zeit kaputt gehen. Über die Zeit zerbröseln die Sohlen aus Gummi und damit der Traum vom schnellen Geld.

Trotz dieser Warnung: Bei der Sportmode wird immer mehr umgesetzt. Im vergangenen Jahr waren es 320 Milliarden US-Dollar (ca. 285 Milliarden Euro) in diesem Segment. Zum Vergleich: Laut einer Untersuchung der Wirtschaftsberatung McKinsey umfasste der gesamte Modemarkt im Jahr 2016 2400 Milliarden US-Dollar (2140 Milliarden Euro).

Marken wie Supreme profitieren von dem Hype

Und dieser Markt dürfte nach Ansicht der Forscher im Dienste der Deutschen Bank größer werden. Bis zum Jahr 2023 soll der Umsatz bei 443 Milliarden US-Dollar (395 Milliarden Euro) liegen. Dazu kommt der Zweitmarkt, für den es keine verlässlichen Daten gibt. Dafür schaffen es spektakuläre Verkäufe immer wieder in die Schlagzeilen. So wurde etwa ein Nike-Sneaker in New York für über 400.000 Dollar versteigert.

Neben Schuhen bringt auch andere Sportkleidung immer wieder hohe Preise bei Auktionen ein. Ein Basketball-Trikot von Barack Obama wird aktuell versteigert und soll bist zu 100.000 Dollar einbringen.

Doch profitieren die großen Marken wie Adidas, Nike oder Puma überhaupt von den Wiederverkäufen? „Sie haben einen großen Werbenutzen.“, weiß Hikmet Sugoer. „Wenn sich Menschen für einen Schuh anstellen oder sogar campieren, dann schreiben auch Journalisten darüber. Oder aber Passanten sehen die Schlange und fragen nach, wofür die Leute anstehen.“ Die großen Marken können dazu auch ihre Preise kontrollieren.

„Wenn ein Schuh für 150 oder 200 Euro auf den Markt kommt, beim Wiederverkauf aber das Dreifache einbringt, dann weiß der Produzent, dass der Schuh vielleicht zu günstig angeboten wurde.“, erklärt Sugoer. Der Hype kommt aber nicht nur den großen Herstellern, sondern auch angesagten kleineren Marken zugute.

Warum der Boom anhalten könnte

Dazu passe „der Aufstieg von Streetwear-Marken wie etwa der US-amerikanischen Skateboard- und Kleidungsmarke Supreme“, sagt Jaina Mistry, Expertin für die europäische Sport- und Luxusgüterindustrie bei der Deutschen Bank. Die Frage ist, ob diese Entwicklung noch ewig so weitergeht.

Laut dem Szene-Portal „The Undefeated“ hat Nike im Jahr 2018 alleine 60 Varianten des ersten Jordan-Schuhs auf den Markt gebracht. Alleine die Menge an Produkten zu überblicken schaffen nur noch wenige.

Doch ausgerechnet eine besondere Variante des Air Jordan 1 Low dürfte den Hype aufrecht erhalten. Wer eine neue Kollaboration mit dem Rapper Travis Scott haben will, sollte schon mal sein Zelt aus dem Keller holen. Zwar wurde die Veröffentlichung des Schuhs wurde zwar verschoben, doch es wäre möglich, dass er noch im Spätsommer erscheint: Das Camping geht also bald wieder los.

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