Luftfahrt

Airbus kämpft mit Problemen des Bordcomputers

Der Airbus A321neo ist ein Verkaufsschlager des Flugzeugbauers. Er wird hauptsächlich in Hamburg gefertigt.

Der Airbus A321neo ist ein Verkaufsschlager des Flugzeugbauers. Er wird hauptsächlich in Hamburg gefertigt.

Foto: AIRBUS

Die Europäische Luftsicherheitsbehörde EASA ordnet Maßnahmen für den Verkaufsschlager des Flugzeugherstellers an.

Hamburg. Die Kurzstreckenjets sind die Verkaufsschlager der beiden größten Flugzeugbauer der Welt. Während Boeing seit März nach dem zweiten Absturz einer 737 Max in heftigen Turbulenzen ist, die Maschine ein weltweites Startverbot hat und der US-Konzern nun für das zweite Quartal eine zusätzliche Belastung von 4,9 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) nach Steuern ankündigte, steht Erzrivale Airbus glänzend da. Die Produktionsrate der A320-Familie, die zu mehr als der Hälfte auf Finkenwerder endmontiert wird, ist hochgefahren. Die Auslieferungen laufen wie am Schnürchen. Doch nun hat die Europäische Luftsicherheitsbehörde EASA an einem Airbus-Produkt Mängel gefunden.

Bei Entwicklungstests sei ein Fehler in der Steuerung des A321neos gefunden worden. Deshalb gab die EASA eine sogenannte Lufttüchtigkeitsanweisung an alle Betreiber des Typs heraus. Die Nase könnte zu stark nach oben gedrückt werden, sodass die Piloten schwerer Kontrolle über das Flugzeug behalten könnten. Airbus bestätigte die EASA-Anordnung. Allerdings müssten vier Bedingungen erfüllt sein, damit dieses Pro­blem überhaupt auftauchen könnte.

Vorfälle im Airbus-Betrieb habe es bisher nicht gegeben

Der A321neo müsste in einer sehr geringen Höhe von weniger als 30 Metern mit einer ganz bestimmten Stellung der Landeklappen fliegen. Der Schwerpunkt der Maschine müsste sehr weit hinten liegen. Und die Piloten müssten ein „dynamisches Manöver“ vollziehen – wie zum Beispiel das Durchstarten kurz vor der Landung. Bisher seien solche Vorfälle im Betrieb nicht vorgekommen, teilte ein Airbus-Sprecher mit. Der Flugzeugbauer stellte heraus, es gebe klare Unterschiede zu den derzeit diskutierten Szenarien bei Flugzeugtypen anderer Hersteller.

Damit meint der Konzern den Erzrivalen Boeing. Die US-Amerikaner kämpfen bei der 737 Max mit einem auf den ersten Blick ähnlichen Problem. Eine in die Maschine eingebaute Elektronik (MCAS), die vor einer zu stark aufwärts geneigten Fluglage schützen soll, hat offenbar bei den zwei Abstürzen eine Rolle gespielt und muss daraufhin abgeändert werden. Noch immer gilt ein weltweites Flugverbot für die 737 Max. Die Branche erwartet, dass die Maschine frühestens im Herbst wieder starten kann.

Luftfahrtexperte erwartet kein größeres Problem für Airbus

Ähnlich heftige Auswirkungen wie bei Boeing werden für die A321neo-Lufttüchtigkeitsanweisung allerdings nicht erwartet. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass dies zum größeren Problem wird“, sagte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt dem Abendblatt: „Beim A321neo hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell nicht viel verändert. Daher dürfte dies nicht annähernd so gravierend sein wie beim MCAS-System der Boeing 737 Max.“

Die EASA fordert von allen betroffenen Fluglinien, dass sie bis Ende August Anpassungen bei den Handbüchern für die Piloten vornehmen. Weitere Maßnahmen ließ sich die Luftaufsichtsbehörde offen. Großbongardt bleibt dennoch gelassen: „Selbst wenn es nicht bei einem zusätzlichen Hinweis in den Handbüchern bleiben sollte, dürfte eine Softwareanpassung ausreichen.“ Airbus will spätestens im dritten Quartal 2020 die Maßnahme komplett abgeschlossen haben.