Südfrüchte

Im Alten Land werden Aprikosen geerntet

Peter Stechmann bei der Aprikosenernte. Er ist ein Pionier des Südfruchtanbaus im Alten Land.

Peter Stechmann bei der Aprikosenernte. Er ist ein Pionier des Südfruchtanbaus im Alten Land.

Foto: Marcelo Hernandez

Immer mehr Obstbauern bauen auch Südfrüchte an. Der Klimawandel hilft dabei – für viele Apfelsorten ist er eher schädlich.

Buxtehude. Vorsichtig pflückt Peter Stechmann die orangen Früchte von den Bäumen, die unter einem Dach aus Folie stehen. Was mit Kirschen seit vielen Jahren gut funktioniert, sollte auch mit Aprikosen möglich sein, dachte sich sich der Obstbauer aus Buxtehude. Er ist einer der Pioniere des Anbaus von Südfrüchten im Alten Land. In diesen Tagen erntet Stechmann die Sorten Pinkcot und Kioto. Er hat sich dafür extra kleine Plastikkörbe aus Chile besorgt. In dem südamerikanischen Land werden besonders viele Aprikosen angebaut.

„Ich probiere gern mal etwas Neues aus“, sagt der gelernte Gärtner mit der Fachrichtung Obstbau. Intensiv angeschaut hat Stechmann sich den Anbau von Aprikosen auf Exkursionen in Österreich und der Schweiz, bevor er damit selbst begann. Er startete mit lediglich zwei Bäumen. „Heute bauen wir Aprikosen und Nektarinen auf rund einem halben Hektar überdachter Fläche an“, sagt Stechmann. Dort stehen heute immerhin 350 Aprikosen- und 80 Nektarinenbäume. Die Ernte der Aprikosen ist bereits in vollem Gange, die ersten Nektarinen werden Ende Juli reif.

Temperatur in der Region ist gestiegen

In den vergangenen drei Jahrzehnten, sagt Stechmann, sei die Durchschnittstemperatur in der Region um fast zwei Grad gestiegen. „So lassen sich Früchte anbauen, die früher nur in südlicheren Klimazonen wuchsen“, sagt der Obstexperte. Diese Entwicklung bestätigt auch das Obstbauzentrum in Jork (Landkreis Stade). Die Forschungs- und Beratungseinrichtung gibt Landwirten Empfehlungen für den Obstbau der Zukunft. „Es ist ein zaghafter Trend, der durch den Klimawandel begünstigt wird“, sagt Matthias Görgens vom Obstbauzentrum über den Südfruchtanbau in der Region südwestlich von Hamburg.

Außer mit Aprikosen, Nektarinen und Pfirsichen experimentieren einige Obstbauern mit Mini-Kiwis oder versuchen sich am Nuss-Anbau. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen standen 2017 im Alten Land auf insgesamt vier Hektar Anbaufläche Aprikosen- und Pfirsichbäume. 15 Betriebe hatten Aprikosen im Programm, 13 setzen auf Pfirsiche.

Aprikosen sind ein Kundenmagnet

Verkauft werden die Früchte vornehmlich in den Hofläden der Betriebe, teilweise auch bei regionalen Lebensmitteleinzelhändlern von Rewe und Edeka. „Die experimentierfreudigen Obstbauern können sich so von einem Sortiment absetzen, das alle haben“, sagt Experte Görgens.

Peter Stechmann verkauft seine Früchte im eigenen Hofladen, aber auch an einige Lebensmittelhändler in der Region sowie an Wiederverkäufer, die die Altländer Aprikosen auf Wochenmärkten anbieten. In Stechmanns Laden kostet ein Kilo 5,90 Euro. „Die Aprikosen sind für den eigenen Hofladen ein Kundenmagnet. Erdbeeren, Kirschen und Äpfel bietet ja jeder Obstbauer im Alten Land an“, sagt der 55-Jährige.

Mittlerweile dürfte die Anbaufläche für die Südfrüchte deutlich größer sein als vor zwei Jahren. Pionier Stechmann weiß: „Wenn einer damit Erfolg hat, springen andere schnell auf.“ Gemessen am Apfel ist das süße Steinobst aus südlichen Regionen allerdings noch ein Nischenprodukt. Äpfel werden im Alten Land auf einer Fläche von insgesamt 8100 Hektar angebaut.

„Die Resonanz der Kunden ist sehr gut“

Auch sie bekommen den Klimawandel durchaus bereits zu spüren. „Im vergangenen Jahr hat der Elstar unter der Hitze gelitten“, sagt Obstbauberater Görgens. Die hohen Temperaturen beschleunigen den Reifeprozess der Äpfel, was aber nicht gut ist für ihre Haltbarkeit. Auch für Sorten wie Holsteiner Cox oder Boskop ist zu viel Wärme ungünstig. Viele Obstbauern haben sich darauf eingestellt: „Im Notfall werden die Baumkronen mit Wasser beregnet, um die Früchte zu kühlen“, sagt Görgens. Das sei vor 25 Jahren noch undenkbar gewesen. Andererseits: Die Apfelsorte Braeburn aus Neuseeland, die früher in Norddeutschland kaum richtig ausreifte, entwickelt sich jetzt wesentlich besser.

Direkt an der Elbe in Twielenfleth im Alten Land hat Claus Harry Eckhoff seinen Obsthof. Auch er baut Aprikosen an, die dann an seinem Stand auf dem Isemarkt und auf dem Wochenmarkt Volksdorf verkauft werden. „Die Resonanz der Kunden ist sehr gut“, sagt Eckhoff. Deshalb will er seine Anbaufläche ausbauen. Aprikosen wachsen in seinem Betrieb vorerst nur auf 500 Quadratmetern. „Noch sind wir im Versuchsstadium“, sagt Eckhoff. Die Idee hat sein Sohn vom Bodensee mitgebracht. In drei Reihen wachsen die Aprikosenbäume wie bei Peter Stechmann in Buxtehude unter einem Folientunnel. Um jeden Quadratmeter der kostenintensiven Anlage auszunutzen, baut Eckhoff dort gleichzeitig Tafeltrauben an.

Frost und Regen sind ein Problem

„Aprikosen sind sehr arbeitsintensiv“, sagt Stechmann. „Schon im Ansatz müssen die Früchte vereinzelt werden. Hängen zu viele an einer Stelle, sind sie nicht nur klein, sondern leiden auch im Geschmack deutlich.“ Vier bis sechs Pflückdurchgänge gibt es pro Baum, mehr also doppelt so viele wie bei einem Apfelbaum. Die höheren Temperaturen unterstützen zwar den Aprikosenanbau, aber entscheidend ist, dass die Bäume geschützt unter Folie stehen.

Wie bei den Kirschen hat Peter Stechmann die Spezialfolie über ein Holzgerüst gespannt. Sie bleibt das ganze Jahre hindurch dort montiert. Denn die größten Feinde der Aprikosenbauern sind Frost und Regen. Bereits im Februar treiben die Aprikosen aus. Dann ist die Gefahr von Nachtfrösten noch besonders groß. Fällt zu viel Regen, breiten sich in den Bäumen schnell Pilzerkrankungen aus. Die Folge sind braune Flecken auf den Früchten.

Kunden sind überrascht, wie aromatisch die Früchte sind

Wegen der Folienüberdachung muss Stechmann aber auch deutlich weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen. Jetzt hofft er auf wärmere Tage, damit sich der Reifeprozess der Früchte beschleunigt. „Wir haben gegenüber den Anbauregionen im Mittelmeerraum den großen Vorteil, dass wir die Früchte reif ernten können. Das wirkt sich positiv auf den Geschmack aus“, sagt Stechmann. Viele seiner Kunden seien vom Aroma und der Süße der Früchte von der Elbe überrascht.

„Rund 50.000 Euro kostet es, eine Anlage von einem halben Hektar mit Apri­kosenbäumen, permanenten Foliendach und Bewässerungsanlage zu bestücken“, sagt Stechmann. Die Bäume tragen dann mindestens 15 bis 20 Jahre lang Früchte. Pro Hektar kann bei Aprikosen mit einem Ertrag von 15.000 bis 20.000 Kilogramm gerechnet werden. „In diesem Jahr waren die frühen Sorten vom Frost beeinträchtigt, doch die späten Sorten, die wir jetzt ernten, liefern einen guten Ertrag“, sagt Stechmann.

Bei Aprikosen und Nektarinen will es der Obstbauer nicht belassen: „Künftig werde ich den Anbau von Plattpfirsichen versuchen.“