Abendblatt-Test

Süß statt salzig: Warum Heisse Tasse auf Haferbrei setzt

Vertriebschef Hubert Eitzen und Marketingmanagerin Julia Reinefeld hoffen auf den Erfolg des neuen Produkts Porridge Glück.

Vertriebschef Hubert Eitzen und Marketingmanagerin Julia Reinefeld hoffen auf den Erfolg des neuen Produkts Porridge Glück.

Foto: Andreas Laible

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Porridge Glück von Heisse Tasse.

Aufmerksame Kunden haben es schon bemerkt. Da, wo in Supermärkten Müslis, Cornflakes und Haferflocken stehen, gibt es jetzt einen bekannten Markennamen, der bislang so gar nichts mit Frühstücken zu tun hatte. Normalerweise sind beim Hersteller Heisse Tasse, so die offizielle Schreibweise, würzige Fertigsuppen in der Tüte – von Brokkolicreme bis Waldpilz. Seit einigen Wochen bietet der Suppenexperte auch süße Sachen an und wagt sich mit Porridge Glück ins Cerialienregal. Der in Wasser gekochte Haferschleim ist eins der Mysterien der britischen Küche und bei gesundheitsbewussten Trendsettern gerade schwer angesagt. „Porridge wurde lange stark unterschätzt“, sagt Marketingmanagerin Julia Reinefeld.

Zusammen mit Vertriebsleiter Hubert Eitzen sitzt sie in einem Konferenzraum auf dem Werksgelände des Konservenherstellers Erasco in Lübeck-Genin. 2001 hatte der Traditionsbetrieb, der inzwischen zum belgischen Lebensmittelkonzern Continental Foods gehört, Heisse Tasse von Unilever übernommen. Die Markenbekanntheit liegt bei satten 96 Prozent. Aktuell umfasst das Sortiment in den blauen Pappschachteln 25 Geschmackssorten. Allerdings boomt das Geschäft mit Instantsuppen zurzeit nicht gerade. Die Produktlinie im Plastikportionsbecher hat das Unternehmen wegen mangelnder Nachfrage gerade eingestellt. Mit dem Start der Porridge-Mission wollen die Lübecker den Rahmen für Heisse Tasse erweitern und den Beweis antreten, dass „wir auch außerhalb von Suppe denken können“, so Verkaufschef Eitzen.

Die Zubereitung funktioniert wie bei einer Fertigsuppe

Vor eineinhalb Jahren ging es los. Zu dem Zeitpunkt konnte man an den Umsatzzahlen schon erkennen, dass sich der Markt für Getreideflocken mit Zusatz, wie das Segment offiziell heißt, stark nach oben entwickelt. „Das Snackverhalten hat sich verändert. Die Verbraucher ernähren sich bewusster“, sagt Managerin Reinefeld. „Unser Ziel war es, einen warmen Snack anzubieten, der sich schnell und einfach unterwegs zubereiten lässt und dabei qualitativ hochwertig ist.“ Erste Hersteller hatten bereits Porridge im Programm. Aber noch niemand war auf die Idee gekommen, Haferbrei im Portionsbecher anzubieten. Die Zubereitung funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie bei einer Instantsuppe, nur dass die Geschmacksrichtung süß statt salzig ist.

Julia Reinefeld stapelt einige Becher auf den Tisch. Porridge, suggeriert die bunte Verpackung, muss nicht langweilig schmecken. „Wir setzen gefriergetrocknete Früchte ein. Das gibt einen intensiven fruchtigen Geschmack“, sagt die 25-Jährige, die das Projekt von Anfang an begleitet hat. Zudem habe dadurch der Zuckeranteil reduziert werden können.

Inzwischen läuft die Produktion bei einem Partnerbetrieb im Baltikum.

Umsatzplus bei Heisse Tasse

Für die Lübecker ist die süße Linie ein Test. Der Standort mit 360 Mitarbeitern, der aus der 1870 von Charlotte Erasmi gegründeten Fabrik für haltbare Speisen hervorgegangen ist, hat schwierige Zeiten hinter sich. 1996 hatte der amerikanische Konzern Campbell Soup Company Erasco übernommen. 2014 ging es an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und gehört seither zu Continental Foods. „Die Marktentwicklung in den vergangenen Jahren ist wieder positiv“, sagt Verkaufsdirektor Eitzen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 2,6 Prozent auf 116 Millionen Euro. Davon erlöste der Fertigsuppen-Marktführer Heisse Tasse 8,3 Millionen Euro (plus 3,6 Prozent). Wichtigstes Ziel: neue Produkte für junge Verbraucher.

Viel Verpackung für eine Portion Porridge

Seit Jahresbeginn wird das Heisse-Tasse-Porridge schrittweise in den Handel eingeführt. „Die Resonanz ist positiv“, sagt Eitzen. Verkaufszahlen nennt der 61-Jährige nicht, aber der Absatz läge über den Erwartungen. Inzwischen bieten auch andere Hersteller wie Mondamin Porridge-Becher an. Nach einer Erhebung ist Porridge Glück mit 32 Prozent aktuell Marktführer. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Position verteidigen können“, sagt Eitzen.

Zur Kritik, dass der Porridge in einem Plastikbecher verkauft wird, der nach dem Essen direkt im Müll landet, erklärt Brandmanagerin Reinefeld: „Wir haben bewusst versucht, den Becher nicht so groß zu machen.“ Die Komponenten Plastik, Pappe und Alu könnten einzeln ins Recycling-System gegeben werden. „Vielen Verbrauchern“, sagt sie, „ist allerdings die praktische Handhabung wichtiger als die Menge des Verpackungsmülls“. Der Markenname Heisse Tasse steht übrigens nur recht klein auf dem Becher. Noch verbinden damit die meisten Kunden den Geschmack von Tütensuppe. Das soll sich ändern.

Der Test

Produkt: Porridge Glück ist ein Instant-Hafersnack, der im Portionsbecher angeboten wird. Die Zubereitungsmethode ist sehr einfach und wird auf der Verpackung erklärt: schütteln, heißes Wasser aufgießen, umrühren und drei Minuten ziehen lassen. Angeboten werden drei Geschmackssorten: Apfel & Zimt, Kokos, Banane & Erdbeere und Himbeere & Erdbeere.

Inhaltsstoffe: Das Produkt besteht je nach Variante zwischen 57 und 65 Prozent aus Getreideflocken aus Hafer und Roggen. Nach Firmenangaben kommen diese aus der Region, sind aber nicht zertifiziert. Weitere Zutaten sind gefriergetrocknete Früchte, Stärke, Citronensäure und in einem Fall Kokosmilchpulver. Der Zuckeranteil zwischen sieben und zehn Prozent ist eher niedrig.

Geschmack/Aussehen: Die vorgegebene Wassermenge (je nach Vorliebe geht auch Milch) wird gut aufgenommen. Das Porridge bleibt vergleichsweise bissfest. Geschmacklich schnitt die Kokos-Variante am besten ab. Die Tester lobten die zurückhaltende Süße.

Menge/Verpackung: 54 Gramm Trockengewicht ergeben eine Portion Haferbrei mit 174 Gramm mit einem Nährwert von gut 200 Kilokalorien. Das reicht für den schnellen Hunger, macht aber nicht lange satt. Gemessen daran ist der Verpackungsaufwand im Plastikbecher mit Papierbanderole und Aludeckel sehr hoch, auch wenn die Materialien getrennt entsorgt werden können.

Preis: Grundsätzlich wird Porridge im Vergleich zum Basisprodukt, nämlich Getreideflocken, mit deutlichem Aufpreis verkauft. Die Preisempfehlung für den Heisse-Tasse-Porridge liegt bei 1,49 Euro im Supermarkt. Damit ist es unter den Portionsangeboten im oberen Bereich zwischen Vitalis (99 Cent), Mondamin (1,19 Euro) und Frau Ultrafrisch (1,99 Euro). Umgerechnet auf ein Kilo kostet Porridge Glück stolze 27,60 Euro.

Fazit: Porridge Glück ist nur dann eine Alternative, wenn es mal ganz schnell gehen muss. Positiv ist, dass es gesünder ist als der Großteil anderer Instant-Snacks und als süße Mini-Mahlzeit mal was anderes. Negativ sind der Verpackungsmüll und der Preis, der gemessen an anderen Porridges zu hoch, gemessen an Menge und Zutaten sehr hoch ist. Gesamturteil: drei von fünf Sternen