Finanzbetrug

Facebook: Verbraucherschützer warnen vor faulen Anlagetipps

Verbraucherschützer warnen vor unseriösen Finanzanbietern, die ihre Opfer vor allem in sozialen Netzwerken suchen.

Verbraucherschützer warnen vor unseriösen Finanzanbietern, die ihre Opfer vor allem in sozialen Netzwerken suchen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jaap Arriens / picture alliance / NurPhoto

Unseriöse Finanzanbieter suchen Anleger zunehmend über soziale Netzwerke wie Facebook. Wer darauf hereinfällt, verliert viel Geld.

Berlin. Die Angebote klingen verlockend. Mal werden hohe Renditen versprochen, mal Investments in Kryptowährungen wie Bitcoin. Oder Geldverdienen, ohne zu arbeiten.

„Hast du fix mal 15 Minuten, dir ein kurzes Video anzusehen? Wenn es grundsätzlich interessant für dich ist, quatschen wir weiter“, fordert ein Mann namens Simon auf Facebook die Angeschriebene auf. Sofort schickt er einen Youtube-Link dazu. Der führt auf die Seite eines vermeintlichen Finanzdienstleisters aus den USA.

Die Firma preist sich an, die Finanzindustrie zu revolutionieren und Millionen Verbraucher finanziell zu stärken. Doch erst mal werden monatlich mindestens 195 Dollar fällig, um die Dienstleistung und weitere Finanztipps zu nutzen.

Facebook und Instagram: Neue Betrugsmasche mit Investments

Solche Nachrichten sind derzeit keine Seltenheit. „Wir sehen einen Trend, Produkte des Grauen Kapitalmarkts über Social-Media-Kanäle zu bewerben und zu vertreiben“, berichtet Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen, der zur Verbraucherzentrale Hessen gehört.

Der Verbraucherschützer warnt, dass viele dieser Aufforderungen von unseriösen Anbietern kommen. „In etwa zwei Drittel der gemeldeten Fälle vermuten wir, dass das Geschäftsmodell schlicht ein Schneeballsystem ist. Wer darauf hereinfällt, verliert oft sein ganzes Investment.“

Interessenten würden aufgefordert, Mitglieder zu werden, um Vergünstigungen bei Mitgliedsbeiträgen zu erhalten. „Geld fließt dann nur, solange die Zahl der Mitglieder kontinuierlich wächst – und zwar aus deren Einzahlungen. Diese Systeme kollabieren zwangsläufig.“

Vor allem junge Verbraucher sind gefährdet

Bei den Marktwächtern sind in den vergangenen Wochen Beschwerden über mehr als 40 Anbieter eingegangen. „Die Betroffenen haben jeweils zwischen 300 und 50.000 Euro verloren“, sagt Brandes unserer Redaktion. Die hochprofessionell gestalteten Seiten seien teilweise ausschließlich dafür aufgesetzt worden, um zu betrügen. „Die meisten sehen das investierte Geld nie wieder.“

Die meisten Angebote erreichen die Opfer über Facebook oder Instagram. Brandes: „Dieses Marketing hat eine neue Qualität. Anders als zum Beispiel mit der Werbung auf einer Unternehmenswebseite werden hier Identifikationsfiguren geschaffen, die direkt mit Verbrauchern in Kontakt treten.“ So sprechen die Anbieter mit vermeintlich persönlichen Erfolgsgeschichten vor allem jüngere Verbraucher an.

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Mit Likes wird eine Beziehung vorgegaukelt

Sie werben mit einem luxuriösen Lebensstil, posten Bilder von teuren Autos und Traumurlauben. Über persönliche Nachrichten, Freundschaftsanfragen oder Likes bauen sie eine Beziehung auf, beschreibt der Verbraucherschützer die Vorgehensweise, von der Betroffene berichten.

Wer sich einmal für ein solches Angebot interessiert hat, wird die Vermittler nur schlecht wieder los. Verbraucher berichten, dass sie unaufgefordert telefonisch und in sozialen Medien mit unseriösen Angeboten geradezu belästigt wurden.

Nicht unter Druck setzen lassen und Impressum prüfen

Es gebe drei typische Merkmale für unseriöse Anbieter, so Brandes: Die Anbieter üben großen Druck aus, dass sich die Angeschrieben schnell entscheiden und investieren sollen. Grundsätzlich sollte jeder erst das Impressum prüfen und schriftliche Unterlagen verlangen. Beides werde von unseriösen Anbietern meistens nicht gewährt.

Zum Grauen Kapitalmarkt zählen Finanzprodukte, für die keine Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) erforderlich sind. Die Angebote müssen nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen.

Nur Produkte kaufen, die man selbst auch versteht

Generell sollten Anleger eine Grundskepsis walten lassen, rät eine Bafin-Sprecherin: „Grundsätzlich sollten nur Produkte gekauft werden, die man selbst auch versteht.“ Zu den Angeboten zählen etwa Unternehmensbeteiligungen, Genussrechte, Crowdfunding, Direktinvestments, Gold- oder Edelmetallsparpläne.

Manche Angebote zeichnen sich durch Renditeversprechen aus, die über dem allgemeinen Marktniveau liegen. „Liegen die Renditeversprechen außergewöhnlich hoch, sollte man besonders hellhörig sein.“

Betrug bei Polizei oder Staatsanwaltschaft melden

Oft werde auch mit vermeintlicher Sicherheit gelockt, die es in der Realität nicht gebe. Wer sich betrogen fühlt, sollte den Fall bei Polizei oder Staatsanwaltschaft anzeigen, rät die Bafin. Auf Schadenersatz können nur wenige hoffen, aber Verbraucherschützer und Finanzaufsicht können dem Fall nachgehen und unseriöse Quellen versiegen lassen.

Auch mit anderen Maschen sind Betrüger im Netz unterwegs. So täuschte ein „CamperT6“-Gewinnspiel auf Facebook vor Kurzem VW-Fans.