Bundeswehr

Ursula von der Leyen übernimmt "fliegendes Auge" in Hamburg

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlässt in Hamburg den umgebauten Airbus A319, der auch das "fliegende Auge" genannt wird.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlässt in Hamburg den umgebauten Airbus A319, der auch das "fliegende Auge" genannt wird.

Foto: Marcelo Hernandez / Funke Foto Services

Airbus A319 mit der Nummer 1212 nach Umbau übergeben. Die Maschine hat eine interessante Vergangenheit und eine große Zukunft.

Hamburg. Wenn Flugzeuge sprechen könnten, hätte diese Maschine bestimmt einige höchst interessante Geschichten zu erzählen: Der Airbus A319 mit der Hersteller-Seriennummer 1212 war von November 2000 bis Juli 2016 das „Flaggschiff“ der Geschäftsreisejet-Flotte des Volkswagen-Konzerns. Er dürfte nacheinander die früheren VW-Chefs Ferdinand Piëch, Bernd Pischetsrieder, Martin Winterkorn, Matthias Müller sowie viele weitere Top-Manager an Bord gehabt haben.

Doch die künftige Aufgabe des Fliegers, für die ihn Lufthansa Technik in Hamburg mehr als zwei Jahre lang umgerüstet hat, ist mindestens ebenso außergewöhnlich: Gemäß dem internationalen Abkommen „Open Skies“ (Offener Himmel) wird der Jet künftig für Beobachtungsflüge, die der Rüstungskontrolle dienen, über anderen Vertragsstaaten wie etwa Russland eingesetzt.

Verteidigungsministerin von der Leyen erhält "fliegendes Auge"

Am Freitag nahm die Bundeswehr in Anwesenheit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und dem Hamburger Bundestagsabgeordneten Niels Annen (SPD) in seiner Eigenschaft als Staatsminister im Auswärtigen Amt das „fliegende Auge“ im Rahmen einer Feierstunde entgegen.

Im Jahr 1992 war das Open-Skies-Abkommen von Mitgliedern der Nato und des ehemaligen Warschauer Pakts unterzeichnet worden. Heute gehören auch einst „ neutrale“ Länder wie Schweden und Finnland zu den 34 Vertragspartnern. Nur zehn von ihnen betreiben eigene Überwachungsflugzeuge – und Deutschland besitzt nun das weltweit modernste, ausgestattet mit hochauflösenden Digitalkameras sowie Infrarot- und Radarsensoren.

„Ein guter Tag für die Vertrauensbildung“

Dies sei „ein guter Tag für die Vertrauensbildung“, sagte Ursula von der Leyen: „In einer Zeit großer sicherheitspolitischer Herausforderungen ist es um so wichtiger, die bestehenden Regelwerke zu stärken.“ In dem vom Abkommen abgedeckten Gebiet von Vancouver bis Wladiwostok, in dem die Staaten nach den Worten der Ministerin „nicht immer freundlich miteinander umgehen“, sei angesichts neuer Spannungen „größte Transparenz das Zauberwort“.

So habe etwa im Dezember ein Beobachtungsflug über dem Asowschen Meer, zwischen der Ukraine und Russland, stattgefunden. In diesem Jahr gab es bereits 36 Überwachungsflüge, wobei Deutschland an vier davon teilnahm. Allerdings ist die Bundesrepublik dafür auf Fluggerät aus Schweden und Rumänien angewiesen, seit im Jahr 1997 eine ursprünglich aus DDR-Beständen stammende und erst kurz zuvor für die Beobachtungsaufgaben umgerüstete Tu-154 der Luftwaffe bei einem Absturz verloren gegangen war.

Für den Umbau des Airbus A319 zum neuen Open-Skies-Jet seien 500.000 Arbeitsstunden erforderlich gewesen, sagte Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann. „Dieses Flugzeug hat uns ziemlich gefordert, es hat vielen Mitarbeitern ihr ganzes Können abverlangt“, so Bußmann. Insgesamt waren mehr als 600 Personen sowie mehrere Dutzend Firmen als Zulieferer und Dienstleister an dem Projekt beteiligt.

Kamera-Öffnungen in den Airbus-Rumpf gesägt

Zu den Besonderheiten des Auftrages gehörte es, für die Kameras vier runde Öffnungen von bis zu 44 Zentimeter Durchmesser in den unteren Rumpf des Airbus zu sägen und ihn dann wieder abzudichten. „Das ist vier Zentimeter dickes Glas – das hält“, sagte Alfonso Schemel, bei Lufthansa Technik zuständig für die Entwicklungsarbeiten in diesem Projekt.

Außerdem installierten seine Kollegen einen Zusatztank im Frachtraum und entfernten vorübergehend ein sieben Meter langes Stück der Rumpfdecke, um eine Satellitenantenne einzubauen. In der Kabine befinden sich vorn 20 Arbeitsplätze für Beobachter. Im hinteren Teil sind 25 Business-Class-Sitze montiert, denn die Maschine wird von der Flugbereitschaft der Bundeswehr auch für die „normale“ Passagierbeförderung eingesetzt.

Im Jahr 2015 hat der Bundestag 60 Millionen Euro für den Ankauf und die Umrüstung des vor 19 Jahren auf Finkenwerder gebauten Airbus bewilligt. Bis er mit den Überwachungsflügen beginnen kann, wird es nach Angaben der Verteidigungsministerin aber noch bis 2021 dauern – erst müssen alle Open-Skies-Mitgliedsländer die eingebaute Beobachtungstechnik genehmigen.