Keks-Dynastie

Bahlsen war stärker in Nazi-Regime verstrickt als angenommen

Kekse von Bahlsen: Die Brüder Hans, Klaus und Werner waren Mitglieder von NSDAP und SS.

Kekse von Bahlsen: Die Brüder Hans, Klaus und Werner waren Mitglieder von NSDAP und SS.

Foto: FMG / imago/Manfred Segerer

Die Unternehmenserbin hat mit Äußerungen zu Zwangsarbeiterin viel Unmut ausgelöst. Nun entschuldigt sich die 26-Jährige.

Hannover. In der Debatte um NS-Zwangsarbeiter sieht sich Kekshersteller Bahlsen mit neuen Enthüllungen konfrontiert. Wie der „Spiegel“ berichtet, war die Industriellenfamilie aus Hannover stärker in das Nazi-Regime verstrickt als bislang bekannt. Laut dem Nachrichtenmagazin waren die Brüder Hans, Klaus und Werner, die damals im Bahlsen-Vorstand saßen, Mitglieder der NSDAP und der SS.

Der älteste Bruder Hans trat der Partei Adolf Hitlers demnach am 1. Mai 1933 bei, also drei Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Werner und Klaus Bahlsen folgten im Jahr 1942, wie sich aus den Entnazifizierungsakten der Geschwister ergebe. Hans Bahlsen trat außerdem im Mai 1933 der SS bei, er wurde in den Akten als Mitglied einer SS-Motorstandarte geführt.

Bahlsen-Brüder halfen der SS finanziell

Nach seinem Austritt im Dezember 1934 – angeblich als Reaktion auf den Befehl, aus der Kirche auszutreten – unterstützten seine beiden Brüder die SS noch bis 1935 als Fördermitglieder mit Geld. In der Entnazifizierung nach dem Krieg wurde Hans Bahlsen als Mitläufer eingestuft, seine beiden Brüder erhielten den Status „entlastet“.

Auslöser der Debatte waren Äußerungen von Unternehmenserbin Verena Bahlsen, wonach sich ihre Familie in der NS-Zeit nichts habe zuschulden kommen lassen. Tatsächlich mussten ab 1940 etwa 200 Zwangsarbeiter aus besetzten Ländern im Bahlsenwerk arbeiten. Im Jahr 2000 wies das Landgericht Hannover 60 Entschädigungsklagen wegen Verjährung ab.

Verena Bahlsen entschuldigt sich

Verena Bahlsen hatte dazu der „Bild“-Zeitung (Bezahlangebot) gesagt: „Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt.“ Damit löste die 26-Jährige große öffentliche Entrüstung aus und brachte viele Nutzer in sozialen Medien gegen sich auf.

Inzwischen hat sich Verena Bahlsen für ihre Aussagen entschuldigt. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung spricht die Unternehmenserbin von einem Fehler und unbedachten Äußerungen: „Nichts liegt mir ferner, als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen“, heißt es in der von der Bahlsen-Gruppe auf Deutsch und Englisch verbreiteten persönlichen Erklärung.


Bahlsen setzt auf externe Berater

Außerdem habe sie erkannt, dass sie sich intensiver mit der Geschichte des Unternehmens, dessen Namen sie trägt, beschäftigen müsse: „Als Nachfolgegeneration haben wir Verantwortung für unsere Geschichte; ich entschuldige mich ausdrücklich bei all denen, deren Gefühle ich verletzt habe.“ Die Bahlsen-Familie lässt sich nach eigenen Angaben von externen Beratern für eine reibungslose Führung des Unternehmens coachen.

Die traditionsreiche Gruppe mit einem Jahresumsatz von knapp 560 Millionen Euro feiert dieses Jahr 130-jähriges Bestehen. Vor fast genau einem Jahr hatte der bisherige Firmenlenker Werner Michael Bahlsen (70) seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft des Keks-Imperiums bekanntgegeben und die Führung an ein vierköpfiges Manager-Team übergeben. (dpa/küp)