Hamburg

Airbus-Zulieferer Diehl: Heute Warnstreik und Sternmarsch

Blick in die Produktion von Diehl auf Finkenwerder

Blick in die Produktion von Diehl auf Finkenwerder

Foto: Marcelo Hernandez

IG Metall erwartet 500 Beschäftigte zum Marsch auf den "Roten Platz". Diehl Aviation will massiv Jobs streichen. Die Hintergründe.

Hamburg. Beim Hamburger Luftfahrtzulieferer Diehl Aviation (arbeitet unter anderem für Airbus) gibt es am heutigen Donnerstag erneut einen Warnstreik. Die IG Metall hat die Beschäftigten an drei Standorten in der Metropolregion für vier Stunden zum Niederlegen der Arbeit aufgerufen. Die Gewerkschaft will damit gegen den geplanten massiven Jobabbau protestieren. Das Unternehmen will die Zahl der Beschäftigten von rund 1100 um mehr als 500 Personen reduzieren.

Die Mitarbeiter des Airbus-Zulieferers sollen sich um 9 Uhr an den Standorten Hein-Saß-Weg und Am Genter Ufer zum Sternmarsch aufmachen. Ziel der Demonstration ist die umgangssprachlich „Rote Platz“ genannte Fläche am Kreisel in der Nähe des Finkswegs. Um 10 Uhr wird dort die Hauptkundgebung beginnen. Als Redner sind zum Beispiel der Diehl-Betriebsrat und Ina Morgenroth vorgesehen, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Region Nord. Um 12 Uhr soll die Veranstaltung zu Ende sein, die Arbeitsniederlegung um 13 Uhr.

Mitarbeiter sollen auf Geld verzichten

Unmittelbar nach dem ersten Warnstreik am 24. April war die Gewerkschaft noch optimistisch, auf dem richtigen Weg zu einer Lösung zu sein. Mittlerweile gebe es aber neue Forderungen des Unternehmens, die für die IG Metall nicht verhandelbar seien, heißt es von der Gewerkschaft. Die Arbeitnehmer sollen auf Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes verzichten, sagte Gewerkschaftssekretär Patryk Krause dem Abendblatt.

So könnte ein einstelliger Millionenbetrag eingespart werden. Das Ziel der IG Metall sei aber, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und nicht, dem Unternehmen Geld zu schenken. „Das ist eine Mogelpackung, eine Rückwärtsrolle, die der Arbeitgeber da macht“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Orth.

Zudem gebe es Vorwürfe an den Betriebsrat, unangemessen mit Mehrarbeit umzugehen. Um die zum Teil kurzfristigen Aufträge der Fluggesellschaften und von Airbus abzuarbeiten, solle der Betriebsrat künftig häufiger als bisher Mehrarbeit zustimmen. Betriebsrat und Gewerkschaft fordern zudem klare Zusagen, welche Produkte in Zukunft noch in Hamburg gebaut werden sollen.

Serienfertigung soll nach Ungarn verlagert werden

Auf Finkenwerder werden bei Diehl Bordküchen und Toiletten für Flugzeuge gefertigt, vor allem für Airbus. Das Unternehmen leidet insbesondere unter der A380-Krise. In das größte Passagierflugzeug der Welt, dessen Fertigung 2021 eingestellt wird, passen bis zu 18 Toiletten. Im A320 sind es nur drei bis fünf. Aus Kostengründen will Diehl die Serienfertigung nach Ungarn verlegen. Der dritte Standort in der Metropolregion befindet sich in Bad Oldesloe. Die dortigen Beschäftigten sind ebenfalls zum heutigen Warnstreik aufgerufen, beteiligen sich aber nicht an dem Sternmarsch.