Besuch Bundeskanzlerin

Kurzvisite mit Bedeutung: Merkel lobt den Hamburger Hafen

| Lesedauer: 6 Minuten
Martin Kopp
Sie trotzen dem Wind: HHLA-Vorstandschefin Angela Titzrath, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bürgermeister Peter Tschentscher betrachten von einer Containerbrücke aus das Hafengelände.

Sie trotzen dem Wind: HHLA-Vorstandschefin Angela Titzrath, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bürgermeister Peter Tschentscher betrachten von einer Containerbrücke aus das Hafengelände.

Foto: Markus Scholz / dpa

Angela Merkel besucht HHLA-Containerterminal für knapp zwei Stunden. Doch zur Finanzierung der Köhlbrandquerung sagt sie nichts.

Hamburg. Der Besuch der Bundeskanzlerin war nur kurz, aber von Symbolkraft. Um 11:06 Uhr schwebte ein Hubschrauber der Bundeswehr mit dem Regierungsoberhaupt am Containerterminal Altenwerder (CTA) der HHLA ein und setzte in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Containerlager auf. Kurz darauf betrat Angela Merkel (CDU) Hamburger Boden. Das Containerterminal Altenwerder, das modernste in Europa mit einem jährlichen Umschlag von bis zu drei Millionen Standardcontainern (TEU), gilt weltweit als „State of the Art“. Es zieht häufig Besucher an, andere Hafenbetreiber, Politiker, bis hin zu amerikanischen Ministern, auch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier war schon da – jetzt also Merkel.

Merkel interessiert sich für Automatisierung

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher und die Vorstandsvorsitzende der HHLA, Angela Titzrath, begrüßten die Kanzlerin und führten sie über die Anlage. Merkel machte anschließend deutlich, was sie an dem kalten windigen Montagvormittag an die Elbe verschlagen hat: „Hier kann man sehr gut Dinge sehen, die uns in diesen Tagen beschäftigen.“ Damit spielte sie zunächst auf den hohen Grad der Automatisierung an, den das HHLA-Terminal Altenwerder bietet. Ist ein Container von einem Schiff an Land gesetzt worden, wird er von automatisch fahrenden Transportern an seinen Bestimmungsort auf dem Terminal gebracht. Durch ein im Boden eingelassenes, aus etwa 10.000 Punkten bestehendes Transponder-Netzwerk finden die führerlosen Fahrzeuge ihren Weg zum per Funk übermittelten Bestimmungsort. Für Menschen ist der Umschlagplatz gesperrt.

„Wir sehen eine Branche im Wandel, eine Branche die davon lebt, dass sie die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt“, sagte Merkel. Trotz der nicht einfachen geografischen Lage habe Hamburg in herausragender Weise sehr schnell die logistischen Möglichkeiten durch Automatisierung und Digitalisierung genutzt. „Diese Digitalisierung voll zu nutzen, ist eben notwendig, um mithalten zu können bei der Konkurrenz“, so die Kanzlerin. Hamburg soll ein europäischer Hub bleiben.“ HHLA-Chefin Titzrath nickte energisch. Sie will die HHLA zum Treiber der Digitalisierung im Hamburger Hafen machen.

Hamburg soll europäischer Hub bleiben

Zudem interessiert viele Besucher am CTA dessen Funktion als Forschungslabor für mehr Nachhaltigkeit in der Logistik. Ziel der HHLA ist die vollständige Elektrifizierung der Anlage und ein Betrieb, der ausschließlich mit Ökostrom erfolgt. „Das Terminal arbeitet darauf hin, bis 2022 emissionsfrei zu werden. Es ist damit ein Beispiel dafür, wie man Mobilität und globalen Handel auch umweltfreundlich abwickeln kann“, sagte Merkel.

Die Kanzlerin durfte eine Containerbrücke besteigen, was Bundespräsident Steinmeier bei seinem Hamburg-Besuch im Januar 2018 aus Zeitgründen verwehrt geblieben war. Ein Fahrstuhl brachte sie bis zum Ausleger in 50 Meter Höhe. Von dort konnte Merkel verfolgen, dass das Terminal trotz seines hohen Grads an Automatisierung noch viele Menschen beschäftigt. Rund 700 arbeiten hier, die zur Bedienung der Anlage gut ausgebildet sein müssen. Auch zeige dieses Terminal laut Merkel, dass man die berufliche Weiterbildung schärfen müsse, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Kanzlerin fordert von China faire Bedingungen

Dann kam Merkel auf den dritten Punkt zu sprechen, der sie an diesem Tag in den Norden geführt hat: China. Die Volksrepublik spiele für den Hafen eine herausragende Rolle. „Hamburg ist ein Punkt im Seidenstraßenprojekt. Und deshalb kann man am Beispiel Hamburg auch darüber diskutieren, wie wir die gute Idee der Seidenstraße dann am besten umsetzen können, wenn alle Partner, die Deutschen genauso wie China, ihren fairen Anteil und ihre fairen Bedingungen haben.“

Der Besuch habe eine hohe Bedeutung für sie, weil sie sehen könne, wie Globalisierung praktisch funktioniere und zwar so, dass alle etwas davon haben, sagte Merkel. Das sei der Ansatz von Frau Titzrath, bilanzierte die Regierungschefin – und entschwand schon wieder. Um 12:55 Uhr stieg der Hubschrauber mit der Kanzlerin an Bord in den wolkenverhangenen Hamburger Himmel und nahm Kurs nach Berlin. Der nächste Termin wartete.

Hamburg hofft auf Unterstützung vom Bund für neue Köhlbrandquerung

Über die Probleme des Containerterminals wurden bei dem Besuch kein Wort verloren. Dass der CTA in der jüngsten Vergangenheit massive Umschlagseinbrüche hinnehmen musste, weil er von den ganz großen Containerschiffen der neuesten Generation nicht angefahren werden kann, kam nicht zur Sprache. Von den HHLA-Mitarbeitern, die die Kanzlerin bei ihren Rundgang begleiteten, hatten sicher einige insgeheim auf ein positives Signal zur Finanzierung einer neuen Köhlbrandquerung gehofft. Die alte Köhlbrandbrücke ist baufällig und muss bis 2030 ersetzt werden. Zudem ist die Brücke mit einer Durchfahrtshöhe von 51 Metern im Mittel zu niedrig, als dass große Containerschiffe den dahinterliegenden Terminal Altenwerder anlaufen können.

HHLA-Chefin fordert rasche Entscheidung

Statt der Kanzlerin äußerte sich der Bürgermeister: „Seien Sie versichert, dass das Thema in Berlin bekannt ist“, sagte Tschentscher nach Merkels Abflug. In der Hauptstadt wisse man genau, wie wichtig es für Deutschlands Export sei, die Stärke des Hafens zu erhalten. HHLA-Chefin Titzrath hatte bereits mehrfach eine rasche Entscheidung über einen Ersatz für die marode Köhlbrandbrücke gefordert: „17 Jahre bis zur Elbvertiefung haben dem Hafen nicht gut getan. So viel Zeit haben wir bei der Köhlbrandbrücke nicht“, hatte sie zuletzt vor einigen Wochen gesagt.

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