Schifffahrt

Die sauberste Flusskreuzfahrt Deutschlands – aus Bergedorf

Heiko Buhr ist Chef der Bergedorfer Schiffahrtslinie.

Heiko Buhr ist Chef der Bergedorfer Schiffahrtslinie.

Foto: Michael Rauhe

Die Bergedorfer Schifffahrtslinie schippert ganz ohne Schwefel über die Elbe. Und nun kommt das Elektro-Hausboot.

Hamburg.  Geschäftiges Treiben auf einem Ponton an der Krapphofschleuse bei Bergedorf. Heiko Buhr bereitet seine Barkasse „Serrahn Star“ für eine Flusskreuzfahrt durch die Vierlande vor. Er wirft den 180-PS-starken Motor an, lässt den Diesel ordentlich brummen. Dann stellt er sich auf das Oberdeck seines Schiffs und holt tief Luft. „Riechen Sie? Sie riechen nix“, ruft er. Dann klettert Buhr wieder herunter und zeigt, was er als Kraftstoff in den Schiffsmotoren seiner Flotte verbrennt: eine geruchlose, farblose Flüssigkeit. Man könnte meinen, er fährt mit Wasser in seinen Tanks.

Es ist aber kein Wasser, sondern ein aus Erdgas gewonnener synthetischer Kraftstoff. „Gas to Liquids“ (GTL) heißt der Sprit, den es erst seit zwei Jahren auf dem Markt gibt, und der gegenüber dem herkömmlichen Dieselkraftstoff erhebliche Vorteile hat: Er ist schwefelfrei und enthält weder aromatische Verbindungen noch organischen Stickstoff. Bei der Verbrennung entstünden fast 75 Prozent weniger Rußpartikel, und 21 Prozent weniger Kohlendioxid, sagt Buhr. „Ich habe es mal messen lassen. Zudem ist GTL biologisch abbaubar.“

Bergedorfer Schifffahrtslinie: "umweltfreundlichste Flusskreuzfahrt"

Nicht zuletzt deshalb bewirbt Buhr sein Unternehmen, die Bergedorfer Schifffahrtslinie, als die umweltfreundlichere Alternative zu den großen Kreuzfahrten. Denn GTL wird in der Schifffahrt bisher wenig eingesetzt. „Wir bieten die wahrscheinlich umweltfreundlichste Flusskreuzfahrt Deutschlands“, sagt er. Auch die Hamburger Barkassenunternehmen Glitscher, Bühlow und Meyer fahren inzwischen mit GTL. Allerdings sind sie keine richtigen Flusskreuzfahrten-Anbieter. Zu einem solchen hat sich aber die Bergedorfer Schifffahrtslinie gemausert.

1998 hat Buhr den Betrieb gegründet. Zuvor hatte er beim damaligen Amt für Strom und Hafenbau gearbeitet, der heutigen Hamburg Port Authority. Der Anfang war schwer. Buhr erstand eine gebrauchte Barkasse, um Rundfahrten anzubieten. Er fand aber kaum Kunden. Rundfahrten auf der Elbe bieten viele Barkassenbetreiber an, und wer will schon für eine Tour extra nach Bergedorf hinausgondeln? „Mit null bis sieben Gästen pro Fahrt konnte ich auf keinen grünen Zweig kommen. Da kam mir die Idee, Erbsensuppe während der Fahrt anzubieten. Schon waren es 15 bis 20 Gäste“, erinnert er sich. „Also habe ich Stehtische aufgestellt und Brunchfahrten angeboten, schon war das Schiff voll.“

Keine Kabinen an Bord: Das spart Treibstoff

Das Erfolgsrezept hat er beibehalten. Er bietet sonntags Fahrten in die Vier - und Marschlande mit Brunch an, Freitag abends mit italienischem oder griechischem Büffet. Im Februar gibt es Grünkohl-Fahrten, im März Stint-Touren, und weil es so gut läuft inzwischen alles nach einem festen Fahrplan. Hinzu kommen Fahrten nach Mölln oder nach Lüneburg. Und seit Buhr im Jahr 2012 mit der 34 Meter langen „Serrahn Queen“ ein größeres Schiff gekauft hat, ist er tatsächlich zum Flusskreuzfahrtreeder aufgestiegen: Er bietet mehrtägige Reisen nach Bremen, Berlin, Dresden, Prag und Stettin an. Und da das Schiff keine Kabinen hat, wird in Hotels entlang der Strecke übernachtet. Gepäckservice und Transfer zum Schiff inklusive. Auch das ist, laut Buhr eine sanftere Art, um zu reisen. „Das, was wir an Kraftstoff an einem Tag verbrauchen, verbraucht ein Schiff mit Kabinen in einer Stunde.“

Auf einer der Kreuzfahrten ist auch sein Interesse für den neuen Kraftstoff geweckt worden. „Ich stand auf dem Oberdeck. Die Sonne schien. Still und schön zog die Landschaft an mir vorbei. Und dann wehte der Dieselgestank mir um die Nase. Da habe ich gesagt. Es muss etwas anderes geben.“ Gefunden hat er GTL.

Der schwefelfreie Kraftstoff GTL kommt aus Katar

Inzwischen sitzt Buhr bei einer Tasse Kaffee in Fahrgastsalon. Er hat sich warm geredet und kommt zu Kehrseite der Medaille. Denn wie fast alles hat die Betankung mit GTL auch ihre Nachteile, obwohl Umrüstungen der Motoren gar nicht nötig sind. Da der Kraftstoff noch nicht weit verbreitet ist, ist er schwer zu bekommen. Gerade einmal zwei Raffinerien in Malaysia und Katar stellen ihn her. Buhr bezieht den Kraftstoff vom Hamburg Bunker Service (HBS), nicht weil Buhrs Sohn dort arbeitet, sondern weil HBS zu den größten Anbietern im Hamburger Hafen gehört, der auch GTL aus Katar im Angebot hat.

Chef des Unternehmens ist Frank Böhm. „GTL ist eigentlich gar nicht so neu“, sagt er. „Die Shell experimentiert schon seit den 1970er Jahren mit dem synthetischen Kraftstoff. Seitdem waren alle Tests und Studien dazu positiv.“ Es gebe keinen Grund, GTL nicht zu tanken und dennoch sei die Verbreitung sehr gering, räumt er ein. Die Hamburg Port Authority nutze den Kraftstoff für ihre Schiffe ebenso wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. für ihre Vermessungsschiffe. „Insgesamt 85 Schiffe“, sagt Böhm – von mehreren hundert, die auf der Elbe unterwegs sind.

Buhr kennt hingegen einen Grund: Da der Sprit rar ist, ist er auch teuer. Er kostet zwischen fünf und zehn Cent pro Liter mehr als herkömmlicher Dieselkraftstoff. Das klingt wenig, ist für große Verbraucher aber viel Geld. Hafenfähren verfeuern mit dem ständigen Anlegemanövern und Beschleunigungen etwa 70 Liter Kraftstoff in der Stunde. Da würden die Bunkerkosten für die 25 Schiffe im Jahr beim Einsatz von GTL schnell in die Hunderttausende gehen.

Ein Hausboot – mit Elektroantrieb

Buhrs Flussschiffe ziehen hingegen gemächlich bei gleichbleibendem Tempo an der Landschaft vorbei und verbrauchen nur etwa acht Liter pro Stunde, mithin 6500 Liter im Monat. „GTL kostet mich also etwa 8000 Euro mehr im Jahr, als wenn ich normalen Dieselkraftstoff tanken würde“, rechnet er vor.

Sein neuester Geschäftszweig kommt ganz ohne Kraftstoff aus: Buhr hat sich ein Hausboot bauen lassen, das er als Ferienwohnung auf dem Wasser vermieten will. „Sutje“ so der Name, wird mit einem Elektromotor angetrieben und hat Solarzellen zur Stromgewinnung auf dem Dach. Dennoch müssen Feriengäste auf nichts verzichten – nicht einmal auf einen eingebauten Weinkühlschrank.