Vor Ostern

Flughafen Hamburg bereitet sich auf kurzfristige Streiks vor

Beschäftigte der Gepäck- und Flugzeugabfertigung des Hamburger Flughafens bei einem Warnstreik im März in der Innenstadt.

Beschäftigte der Gepäck- und Flugzeugabfertigung des Hamburger Flughafens bei einem Warnstreik im März in der Innenstadt.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Im Osterreiseverkehr werden rund 50.000 Passagiere pro Tag am Hamburg Airport erwartet. Aber wann ruft Ver.di zum Arbeitskampf auf?

Hamburg.  Das Heft des Handelns hat nun Ver.di in der Hand. Am vergangenen Freitag hat die Dienstleistungsgewerkschaft angekündigt, die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste in dieser Woche am Hamburger Flughafen zum Streik aufzurufen, „und zwar richtig“, wie Verhandlungsführer Domenico Perroni dem Abendblatt sagte. Doch wann wird der Arbeitskampf erfolgen?

Die Gewerkschaft hüllt sich darüber in Schweigen. „Wir werden die Streiks rechtzeitig ankündigen, so dass die Fluggesellschaften noch reagieren können“, sagte Perroni am Sonntag. Wie viele Stunden das vor einem geplanten Streik seien, ließ er offen. Er fügte an, dass das Hauptziel nicht die Passagiere seien.

Hamburg Airport sieht Passagiere als Hauptopfer des Streiks

Auf die Nachteile für genau diese Personengruppe wies unterdessen der Arbeitgeber hin. „Ob weit vorher oder sehr kurzfristig angekündigt: Für den Flughafen selbst hat ein Streik immer die gleichen Auswirkungen“, sagte Katja Bromm, Sprecherin von Hamburg Airport. Es komme zu Verspätungen und Flugausfällen. So mussten bei Warnstreiks im Februar und März einige hundert Verbindungen ab und nach Fuhlsbüttel gestrichen werden. „Für die Passagiere jedoch macht es einen Unterschied: Sie trifft es am härtesten, wenn die Gewerkschaft unangekündigt streikt“, sagte Bromm.

Die Fluglinien hätten nicht ausreichend Zeit, um die Reisenden über Flugstreichungen zu informieren. Die Folgen: „Familien mit Kindern, aber auch ältere Menschen, die zu Ostern ihre Verwandten besuchen möchten, kommen zum Flughafen und finden sich dort inmitten von Menschenmassen in größter Unsicherheit wieder“, so Bromm. Ver.di sei nicht an einer inhaltlichen Lösung, sondern an einem maximalen Medieninteresse interessiert.

50.000 Fluggäste pro Tag am Hamburg Airport erwartet

Im Osterreiseverkehr würden pro Tag am Helmut-Schmidt-Flughafen rund 50.000 Fluggäste erwartet. Passagiere, die in der Osterwoche von oder nach Hamburg fliegen wollen, sollten sich fortlaufend über ihren Flugstatus informieren und gegebenenfalls Kontakt zur Airline aufnehmen.

Das Unternehmen bereite sich darauf vor, auch bei kurzfristigen, unangekündigten Streiks eine bestmögliche Betreuung der Passagiere sicherzustellen. Nach Abendblatt-Informationen soll der Flughafen versuchen, Streikbrecher mit Prämien und freien Tagen zu locken. So könnte ein Spaltpilz in die Belegschaft getrieben werden.

Tarifkonflikt schien bereits beigelegt zu sein

Denn eigentlich schien der Tarifkonflikt schon befriedet zu sein. Ende März einigten sich Ver.di und die Flughafen-Tochter HAM Ground Handling, bei der rund 950 Beschäftigte für die Be- und Entladung des Gepäcks, die Flugzeugreinigung und den Busverkehr beschäftigt sind. Es sollte bei 20 Monaten Laufzeit Lohnerhöhungen von sieben bis elf Prozent geben, das Plus zwischen 140,74 und 209,84 Euro pro Monat liegen. Doch die Ver.di-Mitglieder lehnten in einer Befragung mit einer breiten Mehrheit von 75 Prozent den schon ausgehandelten Kompromiss ab.

Die Mitglieder der wesentlich kleineren Gewerkschaft DBB/Komba stimmten dem Tarifabschluss aber zu. HAM Ground Handling erklärte am Freitag, dass man an dieser Tarifeinigung festhalte. Mit dem Mai-Gehalt werde die ausgehandelte Lohnerhöhung von sieben bis elf Prozent rückwirkend zum Januar 2019 ausbezahlt.