Hamburg

In der Osterwoche: Streik am Flughafen "und zwar richtig"

Blick in den Hamburger Flughafen (Archivbild)

Blick in den Hamburger Flughafen (Archivbild)

Foto: Christian Charisius / dpa

Der Streikaufruf soll laut Ver.di sehr kurzfristig erfolgen, um eine möglichst große Wirkung im Flugverkehr zu erzielen.

Hamburg. Reisende, die zu Ostern von Hamburg aus einen Kurztrip mit dem Flugzeug geplant haben, sollten schon mal Alternativen prüfen. Es drohen erhebliche Probleme – Streikgefahr.

Am Freitag lief ein Ultimatum ab, dass die Gewerkschaft Ver.di der Flughafentochter HAM Ground Handling gestellt hat. Die Gewerkschaft fordert im Tarifstreit eine Verbesserung des Angebots der Arbeitgeber.

Ver.di wird Flughafen bestreiken – "und zwar richtig"

Doch dieser Forderung kam der Arbeitgeber nicht nach. Ver.di-Verhandlungsführer Domenico Perroni sagte dem Abendblatt: „Wir werden auf jeden Fall in der nächsten Woche streiken, und zwar richtig!“

Die Tarifverhandlungen für die rund 950 Beschäftigten in der Gepäckabfertigung, der Flugzeugreinigung und im Bustransfer laufen seit Jahresanfang. Im Februar und März hatte es Warnstreiks in Fuhlsbüttel gegeben, die viele Tausend Passagiere betrafen.

Ende März hatten sich dann beide Seiten in der sechsten Verhandlungsrunde auf eine Lohnerhöhung geeinigt, die in drei Stufen und bei 20 Monaten Laufzeit ein Plus zwischen 140,74 Euro und 209,84 Euro vorsah.

Kompromiss mit Dreiviertelmehrheit abgelehnt

Die Ver.di-Mitglieder lehnten den Kompromiss aber mit Dreiviertelmehrheit ab. „Die Beschäftigten halten das für zu wenig“, sagte Perroni. Das stieß beim Arbeitgeber auf harte Kritik: „Mit dem Widerruf der Tarifeinigung ist Ver.di zu weit gegangen. Der neue Forderungskatalog ist aus dem Geschäftsbetrieb nicht finanzierbar“, sagte Christian Noack, Geschäftsführer von HAM Ground Handling.

Haben Sie Verständnis für den ausgedehnten Flugstreik in der kommenden Woche?

Die Gewerkschaft stellte drei Forderungen an den Arbeitgeber: Erstens sollte der von der Stadt geplante Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde statt im April 2020 schon zum Anfang des nächsten Jahres erreicht werden. Zweitens sollte die zweitniedrigste Lohngruppe dann mehr als die zwölf Euro bekommen. Drittens sollte die Zahl der Lohngruppen von vier auf fünf steigen, um eine „Entwicklungsperspektive“ zu schaffen.

Wer eine Ausbildung durchlaufe, solle nach 36 Monaten in die Klasse aufsteigen. Ohne Ausbildung würde man das Gehaltsniveau nach 48 Monaten erreichen.

Einigung im März mit Gewerkschaft DBB/Komba

Mit der kleineren Gewerkschaft DBB/Komba hatte sich HAM Ground Handling am 15. März geeinigt. Auch dieser Abschluss sah eine Lohnerhöhung von mindestens sieben Prozent und das Erreichen des Einstiegslohns von zwölf Euro pro Stunde während der Vertragslaufzeit vor.

Noack kündigte an, dass der mit der Gewerkschaft DBB/Komba erzielte Abschluss nun umgesetzt wird: „Die Auszahlung erfolgt unter Vorbehalt mit dem Mai-Gehalt und rückwirkend zum 1. Januar 2019.“

Streikaufruf erfolgt in Hamburg sehr kurzfristig

Dass Ver.dis Schlagkraft durch die Einigung mit der kleineren Gewerkschaft geschwächt ist, erwartet Perroni nicht. Zwar könne es Streikbrecher geben, aber: „Ich glaube nicht, dass es eine relevante Größe sein wird“, sagte Perroni.

Und noch eine schlechte Nachricht für die Passagiere: Der Streikaufruf erfolge sehr kurzfristig, damit sich die Arbeitgeber nicht auf die Arbeitsniederlegungen einstellen können.